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Fifa-Präsident Gianni Infantino : Der Neue ist erschreckend vertraut

Der neue Fifa-Präsident Gianni Infantino ist seinem Vorgänger Joseph Blatter nicht nur von seiner geographischen Herkunft her sehr nah. Auch er setzt auf die kleinen Verbände. Ein Kommentar.

Dank an alle. Vor allem an jene, die sich für Wahlgeschenke interessieren. Gianni Infantino am Freitag in Zürich.
Dank an alle. Vor allem an jene, die sich für Wahlgeschenke interessieren. Gianni Infantino am Freitag in Zürich.Foto: Imago/ActionPictures

Es war, als wäre der Heilige Geist in Gianni Infantino gefahren, in so vielen Zungen sprach er zu den Mitgliedern der Fußball-Weltverbandes: auf Italienisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Englisch und Portugiesisch. Es war aber wohl kaum Infantinos Mehrsprachigkeit, die die Mehrheit der Fifa-Delegierten davon überzeugte, den Schweizer zu ihrem neuen Präsidenten zu wählen. Sondern seine Versprechungen in barer Münze, der einzigen Weltsprache.

Nach all den Skandalen, die den Weltverband zuletzt erschüttert haben, braucht die Fifa einen echten Neuanfang. In Infantinos Programm klingt jedoch noch viel vom Ancient Régime durch: der Blatter-Fifa, die für Korruption, Schmiergelder und Hinterzimmerpolitik steht.

Es ist paradox: Der größte Einzelsportverband der Welt kann sich seine Funktionäre auf der ganzen Welt zusammensuchen. Und wer wird Nachfolger des Schweizers Joseph Blatter, der fast 18 Jahre den Weltfußball in und durch viele Krisen regiert hatte? Ein Schweizer. Infantino ist sogar nur zehn Kilometer von Blatters Heimatort im Kanton Wallis geboren. Die Welt ist kleiner, als man denkt, gerade im Fußball. Inhaltlich liegen Infantino und Blatter ebenfalls nicht weit auseinander. Auch der alte Präsident setzte auf die kleinen Fußball-Verbände. Blatter hat eine Fifa geformt, die üppige Fördergelder an Verbände ausschüttet. Damit kauft man sich Gefolgsleute. Und sein Landsmann will diesen Weg nun offensichtlich fortsetzen.

Platini war Blatters Lehrling, Infantino Platinis Schüler

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Gianni Infantino ist neuer FIFA-Präsident
Gianni Infantino ist neuer FIFA-Präsident

Als Infantino in seiner Wahlkampfrede ankündigte, 1,2 Milliarden US-Dollar Entwicklungshilfe an die Verbände zu verteilen, gab es tosenden Applaus. Wobei der neue Präsident sogar bereit ist, noch mehr Traditionen zu opfern als Blatter: Weltmeisterschaften will er künftig von 32 auf 40 Teams aufblähen. Diese Verwässerung des Wettbewerbs dürfte gerade Fans in Europa wenig gefallen. Und doch haben die europäischen Verbände in der Uefa, auch der deutsche, Infantinos Kandidatur tatkräftig unterstützt. Weil der Uefa-Präsident Michel Platini, der ursprünglich hatte kandidieren wollen, wegen Korruptionsverdachts gesperrt wurde, rückte seine Nummer zwei auf, der Generalsekretär Infantino. Platini war Blatters Lehrling, Infantino Platinis Schüler. So pflanzt sich eine Funktionärskultur fort, die den Fußball vom Wipfel bis zur Wurzel vergiftet.

Doch genau solche Erbhöfe kann die Fifa eigentlich nicht gebrauchen. Während der zurückliegenden Kongress-Woche bemühte sich der Weltverband mit aller Macht, Vertrauen zurückzugewinnen. Die Reformen, die mehr Transparenz, stärkere Gewaltenteilung und kürzere Amtszeiten beinhalten, wurden von allen Fifa-Vertretern als unabdingbar beschrieben. Das mag in der Tat ein erster Schritt sein. Allerdings funktionieren solche Neubeginne auch besonders über Personen.

Natürlich verdient Infantino die Chance, zu zeigen, dass er trotz aller Ähnlichkeiten anders ist als Blatter und Platini. Aber ein Walliser, der auf der großen Fußball- Bühne steht und vielsprachig Geld unters Wahlvolk wirft, das wirkt erschreckend vertraut.

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