Fifa-Skandal im Live-Ticker : Sepp Blatter: "Ich kann nicht jeden überwachen"

Fifa-Präsident Sepp Blatter hat den Kongress des Fußball-Weltverbands eröffnet - und das Wort Rücktritt dabei nicht in den Mund genommen. Vielmehr sieht er sich in der Verantwortung, "Lösungen zu finden". Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen im Ticker.

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Sepp Blatter eröffnet den Fifa-Kongress und nennt die Vorwürfe Handlungen von Einzelpersonen.
Sepp Blatter eröffnet den Fifa-Kongress und nennt die Vorwürfe Handlungen von Einzelpersonen.Foto: AFP

Der Weltfußballverband Fifa steckt in einer tiefen Krise. Wieder sieht er sich mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Es gab zahlreiche Festnahmen, dabei wollte sich Fifa-Präsident bei einem mehrtägigen Kongress in Zürich am Freitag eigentlich mit sicherer Mehrheit wiederwählen lassen. Doch nun wird immer mehr Kritik laut. Den Blog zum ersten Tag nach den Festnahmen finden Sie hier. Antworten auf die wichtigsten Fragen haben wir in diesem Artikel für Sie zusammengetragen. Eine Presseschau finden Sie hier.

Zusammenfassung:

- Krisentreffen der Fifa am Mittag

- Uefa-Präsident Platini fordert Rücktritt von Sepp Blatter

- Blatter lehnt Rücktritt ab

- Sponsoren üben Kritik

22:35 Uhr - Der Präsident des brasilianischen Fußball-Verbands, Marco Polo del Nero, ist fluchtartig aus Zürich abgereist. Del Nero, der zudem Mitglied im Fifa-Exekutivkomitee ist, verließ am Donnerstagnachmittag das Hotel Baur au Lac.

Das Hotel bestätigte brasilianischen Medien, dass er ausgecheckt habe. Del Nero soll sich danach zum Flughafen begeben haben.

Der 74-Jährige soll einer der mehr als 20 weiteren Verdächtigten in den FBI-Ermittlungen sein, dessen Name bisher nicht in den Anklageschriften genannt wurde. Sein Name soll dafür aber in einigen zwielichtigen Marketing-Verträgen auftauchen.Del Neros Vorgänger, Jose Maria Marin, war am Mittwoch verhaftet worden.
Somit ist außerdem fraglich, wer für Brasilien bei der Wahl zum Fifa-Präsidenten abstimmen wird.

19:00 Uhr - Der deutsche Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, hat Blatter und die Fifa mit deutlichen Worten in die Pflicht genommen, die moralische Krise zu beenden. „Wir wissen, dass dieser Kampf herausfordernd und sehr schmerzhaft sein kann. Es gibt aber keinen anderen Weg, um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen“, sagte Bach bei der Eröffnung des Fifa-Kongresses. „Alle Fans verfolgen diesen Kongress mit großer Aufmerksamkeit, ich bin einer von ihnen“, sagte er.

17:24 Uhr - Kein Wort zu einem Rücktritt: Sepp Blatter nimmt das Wort Rücktritt nicht in den Mund. Er spricht von Handlungen Einzelner, die beschämend für die Fifa seien und einen Schatten auf den Kongress werfen würden. Er selbst inszeniert sich als Aufklärer.

17:22 Uhr - Blatter bereitet Fifa auf weitere Negativ-Schlagzeilen vor: "Es werden noch mehr schlechte Nachrichten folgen, aber wir müssen beginnen, den Ruf wiederherzustellen. Wir haben das Vertrauen verloren und wir müssen dieses Vertrauen zurückgewinnen und uns das Vertrauen uns erneut verdienen, durch die Art und Weise wie wir uns als Einzelpersonen verhalten."

17:20 Uhr - Blatter zur Fifa-Krise: Blatter eröffnet den Kongress und betont: "Wir sind alle vereint heute Abend". Blatter begrüßt erstmal die anwesende lokale und internationale Prominenz. Und sagt: "Sie werden mir zustimmen, dass dies schwierige Zeiten für die Fifa sind. Die Ereignisse haben einen Schatten auf diesen Kongress geworfen. Die Handlungen von Einzelpersonen sind beschämend und erfordern Handeln und Veränderung von uns allen. Der Ruf des Fußballs und der Fifa darf nicht länger in den Dreck gezogen werden. Das muss sich hier und jetzt ändern. Viele halten mich für das Handeln und Erscheinen der Fifa verantwortlich, aber ich kann nicht jeden Einzelnen die ganze Zeit überwachen. Wenn Menschen Schlechtes tun wollen, werden sie es immer verbergen. Ich habe die Verantwortung, den Weg zu finden, die Probleme zu lösen."

Will Fifa-Präsident bleiben: Sepp Blatter.
Will Fifa-Präsident bleiben: Sepp Blatter.Foto: dpa

17:12 Uhr - IOC oder Fifa: Zu Beginn des Kongresses laufen erstmal Fahnenträger ein, es erinnert mehr an Olympische Spiele.

17:05 Uhr - Erstmal Musik: Der Fifa-Kongress wird feierlich eröffnet mit alpenländischer Musik. Vor dem Kongresszentrum gibt es einige Demonstranten - allerdings weniger wegen der Korruptionsaffäre, sondern um auf den Nahost-Konflikt aufmerksam zu machen.

16:45 Uhr - Blatter eröffnet gleich Fifa-Kongress: Es wird sein erster öffentlicher Auftritt seit den Festnahmen am gestrigen Mittwoch - Fifa-Präsident Sepp Blatter wird den Fifa-Kongress, an dessen Ende seine Wiederwahl stehen soll, heute Abend eröffnen.

16:06 Uhr - Dejavu auf Sportfunktionärsebene: Auf der Pressekonferenz der Uefa sagte Platini: "Ich hoffe, mir sagt auch rechtzeitig ein guter Freund, wenn ich aufhören sollte, ich hoffe es wirklich." Hätte auch von Blatter sein können. 2007 führte Robert Ide ein Interview mit Sepp Blatter im Rahmen der Präsidentschaftswahlen der Uefa, bei der Platini letztlich Blatters langjährigen Gegenspieler Lennart Johansson mit Blatters Unterstützung aus dem Amt drängte. Darin gingen Blatter folgende Sätze über die Lippen: "Man kann daraus lernen, dass man Freunde braucht, die einem die Wahrheit sagen. Dann kann man ein paar Joker ziehen, wie im Fernsehen: einen Fifty-fifty-Joker, einen Telefonjoker und einen Publikumsjoker. Wenn ich alle gezogen habe und trotzdem merke, es geht nicht mehr, würde ich vor den Fifa-Kongress treten und sagen: Danke, Leute, auf Wiedersehen! Der Oberwalliser geht zurück in die Berge." Platini scheint sich an diese Aussage erinnert zu haben, ein guter Freund eben. Bleibt die Frage, welche Joker Blatter noch hat. Der Publikumsjoker ist es wohl eher nicht Das ganze Interview finden Sie übrigens hier.

Michele Platini, Präsident der Uefa, gilt als Widersacher von Fifa-Präsident Sepp Blatter.
Michele Platini, Präsident der Uefa, gilt als Widersacher von Fifa-Präsident Sepp Blatter.Foto: dpa

15:59 Uhr - Reaktionen aus der deutschen Politik: Eindeutige Rücktrittsforderungen an Sepp Blatter gibt es anders als beispielsweise vom britischen Premierminister David Cameron von der deutschen Bundesregierung nicht. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte, dass ihm zu Blatter nicht mehr fiel einfalle. Er forderte Aufklärung. „Die Glaubwürdigkeit der Fifa wurde ja schon seit einiger Zeit stark kritisiert. Was wir da jetzt erleben, macht einen ja schier fassungslos. Ich setze auf die Kraft der schweizer und amerikanischen Behörden, das aufzuklären, das braucht auch die Bereitschaft derFifa, dort mitzuwirken“, sagte der de Maizière dem Nachrichtensender N24. Er sei beeindruckt, wie der Deutsche Fußball-Bund mit der Sache umgehe, „auch hart und kritisch“, betonte de Maizière. „Aber Aufklärung ist jetzt das Gebot der Stunde, und so kann es nicht weitergehen, wie es jetzt ist.“ Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte Fair-Play ein. "'Fair Play' ist die wichtigste Regel des Sports und ein Wert, der weit über die Welt des Sports ausstrahlt. Korruption vergiftet die Politik und vergiftet den Sport."

15:49 Uhr - Blatters Gegenkandidat: Wer ist dieser Prinz Ali? Prinz Ali bin al Hussein ist der Bruder des Königs von Jordanien und von Prinzessin Haya, Chefin der Welt-Reitervereinigung. Robert Ide hat für den Tagesspiegel im Jahr 2012 ein Interview mit Ali bin Al-Hussein geführt, dass Sie hier nachlesen können

15:37 Uhr - Wie bewerten Sie, dass Prinz Ali seinen eigenen Kontinentalverband nicht hinter sich hat? "Platini: Sepp Blatter hat seinen Kontinentalverband ja auch nicht hinter sich." Hintergrund: Die Uefa ist seit Blatters Wahl zum Präsidenten schon immer dessen Gegenspieler innerhalb der Fifa gewesen.

15:32 Uhr - Uefa-Rückzug nicht ausgeschlossen: Für den Fall eines Wahlsiegs von Sepp Blatter hat Platini einen Rückzug der europäischen Mannschaften aus allen Fifa-Wettbewerben nicht ausgeschlossen. Bei einer Sondersitzung rund um das Champions-League-Finale in Berlin werde man in der kommenden Woche „alle Möglichkeiten ins Auge fassen“.

15:25 Uhr - Denken Sie darüber nach, dass System zu ändern? "Ich kenne sein System nicht, ich kenne die Gerüchte, ich lese die Zeitungen, ich bin ja kein Idiot, ich hätte es gut gefunden, wenn die Ethik-Komission entsprechende Fragen gestellt hätte. Ich stelle keine Fragen, weil dann Ermittlung gegen mich gestartet wird, so sieht es doch aus. An der Oberfläche ist die Fifa demokratisch, doch hinter den Wänden sieht es doch so aus." +++ "Wie sollen die Fußballer der ganzen Welt die Entscheidungen der Fifa respektieren, wenn ihr Image so schlecht ist? Ich hoffe, mir sagt auch rechtzeitig ein guter Freund, wenn ich aufhören sollte, ich hoffe es wirklich."

15:20 Uhr - Show-down in Berlin? Platini: "Wenn Blatter dennoch gewinnt werden wir uns in Berlin zum Champions-League-Finale treffen und das weitere Vorgehen absprechen!"

15:17 Uhr - Frage: Glauben Sie, dass Sepp Blatter bei der Wahl zu schlagen ist? "Genug ist genug, es reicht und ich glaube, dass sehen viele Menschen so. Vor dem gestrigen Tag hätte ich nicht gedacht, dass Sepp Blatter bei der Wahl zu besiegen ist, dies ist nun anders." "Blatter hat die angekündigten Reformen nicht vorgenommen. Es sieht so aus, als würde das FBI diese Aufgabe nun übernehmen."

15:13 Uhr - Platini: Die Uefa ist der solide Pfeiler der Fifa: Platini verweist auf die Gründung der Fifa und den Anstoß, den die Uefa dafür gegeben hat. Er rechnet nicht damit, von der Polizei vernommen zu werden. Über Blatters Gegenkandidat Prinz Ali: "Er ist jung, er braucht kein Geld, denn er ist ja Prinz und er will nur für vier Jahre bleiben."

15:04 Uhr - Frage: Haben Sie das Gefühl gehabt, dass Blatter zugehört hat? Wie viele Stimmen erwarten Sie für Prinz Ali? Platini: "Sepp war sehr berührt von dem, was ich gesagt habe, weil ich wie ein Freund mit ihm gesprochen habe. Es hat ihn sehr berührt. Wir haben einen Friedenshandschlag ausgetauscht, so wie Sepp das mag, aber er hat gesagt: Es ist zu spät." Zur Stimmen Frage sagt Platini, dass er auf alle 54 Stimmen hofft, er rechnet mit mindestens 45 ("wenn ich allen vertrauen kann").

15:00 Uhr - Platini: Sepp, heute bitte ich dich, von deinem Posten zurückzutreten: Uefa-Präsident Platini wählte deutliche Worte gegenüber Blatter. Blatters Antwort laut Platini: "Michel, es ist zu spät, ich kann meine Kandidatur nicht mehr zurückziehen."

14:55 Uhr - Uefa-Pressekonferenz mit Platini beginnt: Platini ist entsetzt und kündigt an, dass eine große Mehrheit der Delegierten für Prinz Ali stimmen wird. Den Rest der Uefa-Mitglieder möchte Platini auch noch überzeugen.

14:42 Uhr - Großes Gedränge beim Einlass zur Pressekonferenz: Kaum hat die Uefa die Türen zur Pressekonferenz geöffnet, beginnt das große Gedränge. Erstes Opfer: ein riesiger Blumenkübel geht zu Bruch. Kann die Europäische Fußball-Union dem Andrang gerecht werden? Gleich geht es los.

14:35 Uhr - Warten auf die Pressekonferenz der Uefa: Mehr als 100 Journalisten warten im Vorraum darauf, dass die Pressekonferenz der Uefa beginnt. Derweil ist bereits durchgesickert, dass die Europäische Fußball-Union (Uefa) entgegen ursprünglicher Überlegungen den Fifa-Kongress nicht boykottieren wird. Bei der Präsidentschaftswahl am Freitag werden die Uefa-Mitglieder allerdings zu großen Teilen für Prinz Ali bin al-Hussein votieren. Demnach fehlen Blatters Gegenkandidat Prinz Ali bin al-Hussein selbst bei einer geschlossenen Unterstützung durch die Verbände aus Nord- und Mittelamerika sowie Südamerika mehr als sieben der verbleibenden 21 Stimmen, die die Verbände von Ozeanien (OFC, 11 Stimmen) und Südamerika (Conmebol, 10) zu vergeben haben.

Das Foyer im Eingangsbereich zur Pressekonferenz.
Das Foyer im Eingangsbereich zur Pressekonferenz.Foto: Johannes Nedo

14:08 Uhr - Afrikanische Verbände weiterhin für Sepp Blatter: Die afrikanischen Fußball-Verbände (Caf) haben sich gegen eine Verschiebung des Fifa-Kongresses ausgesprochen und wollen am Freitag wie zuvor betont kollektiv für Amtsinhaber Sepp Blatter stimmen. Die Caf ist die größte Fifa-Konföderation und stellt mit 54 Nationalverbänden mehr als ein Viertel aller 209 FIFA-Mitglieder. Zum Verständnis: Die Anzahl der Mitglieder eines Kontinentalverbands bestimmt dessen Stimmenanzahl. Der größte Verband ist der Afrikas (Cas) mit 54 Stimmen, gefolgt vom europäischen Verband (Uefa) mit 53 Stimmen, dem asiatischen Verband (AFC) mit 46 Stimmen und dem nordamerikanisch - und mittelamerikanischen Verband (Concacaf) mit 35 Stimmen. Der Verband von Ozeanien (OFC, 11 Stimmen) und der südamerikanische Verband Conmebol (10) verfügen nur über eine sehr geringe Stimmenanzahl. Bei der Wahl zum Fifa-Präsidenten ist im ersten Wahlgang eine Mehrheit von zwei Dritteln nötig (140 Stimmen), ab dem zweiten Wahlgang reicht die absolute Mehrheit (105 Stimmen). Selbst wenn sich die noch beratschlagenden Verbände aus Nord- und Mittelamerika (35) sowie Südamerika (10) mit der Uefa (53) zusammentun sollten um für Blatters Gegenkandidat Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien zu stimmen, bräuchten die Blatter-Gegner noch sieben Stimmen aus den anderen Verbänden. Neben dem afrikanischen Verband hat ausgerechnet der asiatische Heimatverband von Hussein an diesem Donnerstag sein Treuebeknntnis zu Blatter noch einmal erneuert.

13:44 Uhr - "Blatter is a target": Der britische Investigativjournalist Andrew Jennings arbeitet laut eigener Aussage bereits seit fast fünf Jahren mit dem FBI wegen Korruption bei der Fifa zusammen. Auf Twitter hat er nun angekündigt, dass noch wesentlich mehr von den Ermittlungen zu erwarten sei und Sepp Blatter das Ziel der Ermittler ist. Der Brite hat bereits zahlreiche Bücher und Dokumentation zur Fifa produziert. 2006 hatte das ZDF unter dem Thema "Fifa im Verdacht" nach eingehender juristischer Prüfung auch auf Material von Jennings zurückgegriffen.

13:30 Uhr - Der Fifa-Skandal im Video - Ethikkommission sperrt Offizielle: "Fifa-Präsident Joseph Blatter äußerte sich erstmals am Mittwochabend zum "Beben von Zürich". Der FIFA-Skandal erschüttert die Fußball-Welt. Nun hat die Ethikkommission des Weltverbandes die sieben am Mittwochmorgen in Zürich verhafteten Funktionäre für alle Aktivitäten im Fußball vorläufig gesperrt."

13:21 Uhr - Justizminister Heiko Maas attackiert Fifa: Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat dem Fußball-Weltverband Fifa mangelndes Engagement bei der Aufklärung des Korruptionsverdachts vorgeworfen. „Die Fifa muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie Korruption in den eigenen Reihen seit Jahren nicht wirklich untersucht hat“, sagte Maas der „Saarbrücker Zeitung“ (Freitag). Mit Blick auf mögliche Bestechung bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften an Russland und Katar betonte der Minister: „Alle Fußballfans haben ein Recht darauf zu erfahren, was besonders im Vorfeld der WM-Vergaben wirklich passiert ist.“ Es liege auch im Interesse des Verbandes, dass diese Vorwürfe nun endlich aufgeklärt würden. Dafür sei aufseiten der Fifa weit mehr Transparenz erforderlich als bisher.

13:10 Uhr - Uefa kündigt Pressekonferenz an: Der europäische Fußballverband Uefa hat eine Pressekonferenz nach dem Treffen ihrer Mitgliedsverbände angekündigt, voraussichtlicher Beginn ist gegen 14 Uhr.

12:47 Uhr - Die Playlist zum Skandal: Die Kollegen von den 11 Freunden haben sich ein paar Gedanken zum Soundtrack dieses Fifa-Skandals gemacht. "Mo Money, Mo Problems" von The Notorious B.I.G. trifft die Lage vermutlich am besten wohingegen "Money for Nothing" von Dire Straits knapp vorbei geht. Okay, für die Funktionäre, sie sich jetzt mit der Justiz rumärgern müssen trifft es wohl zu, aber sind das wirklich alle? Wir werden es sehen.

12:30 Uhr - Auch Platini bei Sondertreffen: Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) findet zur Stunde ein Krisentreffen von Vertretern aller sechs Konföderationen statt. Einziger Tagesordnungspunkt ist die Situation vor dem Fifa-Kongress, der am Nachmittag in einem Theater in Zürich eröffnet werden soll. Für die Uefa nimmt nach dpa-Informationen Präsident Michel Platini an dem Treffen teil. Die Europäische Fußball-Union hatte eine Verschiebung des Kongresses und der für Freitag anberaumten Präsidentschaftswahlen gefordert. Dies wurde von der Fifa bislang strikt abgelehnt. Die Uefa unterstützt auch Prinz Ali bin al-Hussein, Herausforderer von Blatter.

12:21 Uhr - #Mafifa auf Twitter: Auch in den Sozialen Netzwerken sind die Korruptionsvorwürfe gegen die Fifa eines der bestimmenden Themen. Auf Twitter hat sich der Hashtag #maFIFA etabliert. Hauptkritikpunkt auch hier Fifa-Präsident Sepp Blatter.

12:01 Uhr - Putin wirft USA ungerechtfertigte Einmischung vor: Kremlchef Wladimir Putin stellt sich im Fifa-Korruptionsskandal hinter Verbandschef Joseph Blatter und wirft den USA ungerechtfertigte Einmischung vor. Die Ermittlungen seien ein Vorwand, Blatters Wiederwahl zu verhindern, sagte Putin am Donnerstag in Moskau. Er forderte den Weltfußballverband der Agentur Interfax zufolge auf, wie geplant an diesem Freitag den Urnengang abzuhalten. „Wir wissen von dem Druck, der auf Blatter ausgeübt wurde, mit dem Ziel, Russland die WM 2018 wegzunehmen“, sagte Putin. Putin kritisierte, Washington versuche, mit den Festnahmen mehrerer internationaler Fußball-Funktionäre in der Schweiz US-Recht außerhalb der eigenen Grenzen anzuwenden. Die Verdächtigen seien wegen eines Auslieferungsantrags aus Washington festgenommen worden. „Diese Funktionäre sind keine US-Bürger. Die USA haben mit dem Fall nichts zu tun“, meinte der Präsident.

11:51 Uhr - Zeitung ruft zu Boykott von FIFA-Sponsoren auf: Eine niederländische Zeitung hat angekündigt, Anzeigen von FIFA-Sponsoren zu boykottieren. Die Firmen müssten ihre Macht einsetzen, um die Korruption in der Fifa zu beenden, erklärte der Chefredakteur des „Nederlands Dagblad“, Sjirk Kuijper, am Donnerstag im niederländischen Radio. Die Zeitung rief auch die Leser zum Boykott von Firmen wie Coca Cola, McDonald's, Adidas, Visa, Hyundai, Kia, Budweiser und Sony auf. „Die einzige Sprache, die diese Organisationen verstehen, ist Geld, und das Geld kommt von uns“, sagte der Chefredakteur. Das streng-protestantische Blatt hat eine Auflage von rund 20.000 Exemplaren.

11:46 Uhr - Haftbefehl gegen Ex-Conmebol-Präsident Leoz: Die US-Justiz hat auch gegen den früheren Chef des südamerikanischen Fußballverbandes Conmebol in Paraguay, Nicolás Leoz, einen internationalen Haftbefehl erwirkt. Der 86-Jährige habe sich daraufhin sofort in eine ihm selbst gehörende Klinik in der Hauptstadt Asunción bringen lassen, berichtete der Radiosender 780 AM. Leoz sei wütend über den Haftbefehl, sagte sein Anwalt Raúl Barriocanal dem Sender ABC. Sein Mandant wisse nicht, wo diese Anschuldigungen herkämen, fügte Barriocanal hinzu. Ein Sprecher des paraguayischen Außenministeriums habe den Eingang des internationalen Haftbefehls aus den USA bestätigt, berichtete die Zeitung „Última Hora“ am Mittwoch. Leoz war von 1986 bis 2013 Chef des Conmebol.

Fifa-Präsident Sepp Blatter ist unter Druck und seine Gegner wittern Morgenluft.
Fifa-Präsident Sepp Blatter ist unter Druck und seine Gegner wittern Morgenluft.Foto: AFP


11:36 Uhr - Sepp Blatter beruft Sondersitzung ein: Joseph Blatter hat angesichts des jüngsten Korruptionsskandals Vertreter aller sechs Konföderationen zu einer Sondersitzung in Zürich eingeladen. Wie der Fußball-Weltverband am Donnerstag bestätigte, findet das Treffen zur Stunde in Zürich statt. Einziger Tagesordnungspunkt ist die Situation vor dem Fifa-Kongress, der am Nachmittag in einem Theater in Zürich eröffnet werden soll. Die Europäische Fußball-Union Uefa hatte eine Verschiebung des Kongresses und der für Freitag anberaumten Präsidentschaftswahlen gefordert. Dies wurde von der Fifa bislang strikt abgelehnt.

11:17 Uhr - Schweizer Justiz dementiert Ausreiseverbot für Blatter: Mehrere Medien berichteten, dass Sepp Blatter die Schweiz derzeit nicht verlassen dürfe. Dies hat die Schweizer Justiz gegenüber Sky Sport News dementiert.

10:58 Uhr - Blatter-Gegner formieren sich: Bereits am Mittwoch hat sich die Uefa deutlich wie nie gegen Sepp Blatter positioniert und eine Verschiebung der Präsidentschaftswahl gefordert, auch der südamerikanische Fußball-Verband Conmebol und Funktionäre der Concacaf-Zone aus Nord- und Mittelamerika beratschlagen intern über ihr Vorgehen. Die asiatische Konföderation AFC hingegen erneuerte am Donnerstag ihr Treuebekenntnis zu Blatter. In einem AFC-Statement hieß es: „Die Asiatische Fußball-Konföderation drückt ihre Enttäuschung und Trauer über die Ereignisse vom Mittwoch in Zürich aus, lehnt eine Verschiebung der Präsidentschaftswahlen am Freitag aber ab.“ Darüber hinaus stehe man zu der Entscheidung, „Fifa-Präsident Joseph S.
Blatter zu unterstützen.“ Die AFC hat bei der Wahl 46 von 209 Stimmen. Auch Afrika (54 Stimmen) steht offenbar weiter treu zu Blatter.

Eine Koalition aus Europa und Südamerika - deren Länder bislang alle 20 WM-Titel seit 1930 gewannen - würde nicht für eine Mehrheit reichen. Beide Konföderationen haben zusammen nur 63 Stimmen. Daher wird in bilateralen Verhandlungen eine Allianz mit den durch die Enthüllungen der US-Justiz stark belasteten Concacaf (35 Stimmen) gesucht. Bei einem Dreierpakt müssten noch Einzelstimmen aus Afrika, Asien oder Ozeanien (11) für Al-Hussein gefunden werden, um Blatter gefährlich werden zu können. Vor dem Skandal galt eine satte Zwei-Drittel-Mehrheit für Blatter als sicher. Die Uefa mit Präsident Michel Platini an der Spitze gilt seit Blatters Amtsantritt nach seinem Wahlsieg über Lennart Johanson als Blatters schärfster Kritiker. Erst im März lieferte sich Uefa-Präsident Michel Platini ein verstecktes Duell mit Sepp Blatter.

10:28 Uhr - Wie tickt Sepp Blatter? Unser Kollege Robert Ide hat sich über lange Zeit mit Sepp Blatter beschäftigt und ihn mehrfach getroffen. Wie er tickt, wie er aufgestiegen ist, was für ein Mensch er ist, hat Robert Ide bereits 2012 in einer langen Reportage aufgeschrieben, die Sie, liebe Leserinnen und Leser, hier noch einmal nachlesen können.

10:09 Uhr - Internationale Presse sieht Blatter im Fokus: Das Echo in der Presse fällt eindeutig aus. Die meisten Kommentatoren sehen Jospeh Blatter am Ende und fordern seinen Rücktritt. Die französische "Libération" sieht dagegen die Politik im Zugzwang: "Der Chef dieser von Korruption durchsetzten Institution (Joseph Blatter, Anm. d. Red.) ist sexistisch, homophob, leugnet Rassismus im Fußball und Sklavenarbeit in Katar. Wenn Mafia-Methoden einer so mächtigen Organisation wie der Fifa ans Tageslicht kommen, dürfen Politiker nicht schweigen, nur weil sie darauf hoffen, dass ihnen die Organisation einer Sportveranstaltung zugestanden wird.“ Hier können Sie weitere Reaktionen in einer Presseschau nachlesen.

10:05 Uhr - Sponsoren der Fifa melden sich zu Wort: Mittlerweile üben auch erste Sponsoren der Fifa Druck auf den Weltverband aus. Das Kreditkartenunternehmen Visa mahnte „rasche und sofortige Maßnahmen“ an, um die Probleme innerhalb des Weltverbandes zu beheben. „Sollte die Fifa dies nicht tun, haben wir sie informiert, dass wir unser Sponsoring neu bewerten würden“, teilte das Unternehmen in einer Stellungnahme mit.

Nachdenklich? Fifa-Chef Joseph Blatter ist eigentlich davon ausgegangen, dass die Verhaftungen keinen Einfluss auf seine Wahl haben werden.
Nachdenklich? Fifa-Chef Joseph Blatter ist eigentlich davon ausgegangen, dass die Verhaftungen keinen Einfluss auf seine Wahl...Foto: dpa

Auch der südkoreanische Automobilhersteller Hyundai betonte in einer Mitteilung, dass man die Lage genau beobachten wolle. „Als Unternehmen, für das ethischen Normen und Transparenz den höchsten Stellenwert besitzen, sind wir extrem besorgt über die eingeleiteten rechtlichen Schritte gegen bestimmte FIFA-Führungskräfte.“ Visa und Hyundai (zusammen mit Schwesterfirma Kia Motors) zählen neben Adidas, Coca-Cola und Gazprom zu den ständigen Marketingpartnern der FIFA. Aus diesem Pool waren die Airline Emirates und Sony Ende 2014 ausgestiegen, mittlerweile laufen Gespräche mit Samsung und Qatar Airways über eine Zusammenarbeit. Vor Bekanntwerden der Korruptionsermittlungen gegen zahlreiche Fußball-Spitzenfunktionäre hatten Coca-Cola und Visa die FIFA in der vergangenen Woche schon aufgefordert, sich entschiedener gegen Menschenrechtsverstöße im WM-Gastgeberland Katar einzusetzen.

09:55 Uhr - Jack Warner stellt sich: Der frühere Fifa-Vizepräsident Jack Warner hat sich nach Korruptionsvorwürfen in seinem Heimatland Trinidad und Tobago gestellt, soll aber zeitnah gegen eine Kaution in Höhe von 2,5 Millionen Dollar auf freien Fuß gesetzt werden, wie örtliche Medien berichten. Die Ermittler werfen ihm organisierte Kriminalität, Korruption und Geldwäsche vor. Gegen die beiden Söhne Warners, Daryan und Daryll, wurde bereits wegen organisierter Kriminalität, Betrug, Geldwäsche und dubiosen Finanztransaktionen ermittelt. Beide haben sich im Jahr 2013 für schuldig bekannt und ihre Verurteilungen akzeptiert.

09:35 Uhr - Erstmal keine Auftritte: Fifa-Präsident Joseph Blatter hat am Donnerstagmorgen nicht wie geplant den Medizin-Kongress des Fußball-Weltverbandes besucht. Ursprünglich hatte der 79-Jährige bei der seit Mittwoch laufenden Veranstaltung eine Begrüßungsansprache halten sollen. Nach den dramatischen Entwicklungen mit der Festnahme und Suspendierung mehrerer Top-Funktionäre wegen Korruptionsverdachts in Zürich wurde der Termin von Blatter allerdings kurzfristig abgesagt.

Einen Auftritt Blatters beim Treffen der europäischen Fußball-Verbände am frühen Nachmittag in einem Hotel in Zürich wird es nach dpa-Informationen ebenfalls nicht geben. Erster offizieller Termin des Schweizers sei die Kongresseröffnung um 17.00 Uhr in einem Theater in Zürich, hieß es. Die Uefa-Spitze hatte am Mittwoch eine Verschiebung der für Freitag geplanten Präsidentschaftswahlen zwischen Blatter und seinem Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein gefordert und sogar einen Boykott nicht
ausgeschlossen. Üblicherweise besucht der Fifa-Chef alle Konföderationssitzungen vor einem Kongress.

Bei dem Uefa-Meeting vor dem Kongress 2014 in Sao Paulo war es dabei erstmals zu einem offen ausgetragenen Disput zwischen Blatter und führenden Uefa-Funktionären gekommen. Blatter hatte dies später als schlimmste Brüskierung seiner Laufbahn bezeichnet. Am Mittwoch hatte Blatter wegen der aktuellen Enthüllungen der US-Justiz um jahrelange Korruption im nord- und südamerikanischen Fußball unter Beteiligung von Fifa-Funktionären auch die Teilnahme an der Sitzung der südamerikanischen Konföderation Conmebol abgesagt.

Sponsoren üben Druck auf Fifa aus
Nach dem neuerlichen Fifa-Skandal mit Festnahmen von Spitzenfunktionären üben die Topsponsoren zunehmend Druck auf den Weltverband aus.Alle Bilder anzeigen
1 von 8Foto: imago/AFLOSPORT
28.05.2015 15:44Nach dem neuerlichen Fifa-Skandal mit Festnahmen von Spitzenfunktionären üben die Topsponsoren zunehmend Druck auf den Weltverband...

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