Fifa-Skandal : Joseph Blatter und seine absurden Geschäfte

Joseph Blatter wettert gegen Franz Beckenbauer. Dabei sind seine Deals mit Michel Platini mindestens genauso bizarr. Ein Kommentar.

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Joseph Blatter (rechts) hat Franz Beckenbauer erneut attackiert.
Joseph Blatter (rechts) hat Franz Beckenbauer erneut attackiert.Foto: dpa

Joseph Blatter ist jemand, dem man ungern recht gibt in seinen Ansichten. Aber es stimmt, wenn der derzeit suspendierte Fifa-Präsident nun dem „Spiegel“ sagt, Franz Beckenbauers Version zur Affäre um die WM 2006 sei „absurd“. Laut Beckenbauer hätten die WM-Organisatoren dem Weltverband vorab 6,7 Millionen Euro zahlen müssen, um einen Zuschuss von 170 Millionen Euro zu erhalten. Der DFB und sein Ex-Chef Wolfgang Niersbach stützen sich ebenfalls auf solch eine mündliche Absprache. „So was gibt es bei der Fifa nicht“, sagt Blatter erneut, beim DFB „muss es doch Dokumente geben, was es mit dem Geld auf sich hat“.

Doch die gibt es offenbar nicht. Oder die Betroffenen wollen sie nicht herausrücken, aus Selbstschutz. Wenn es über Millionenzahlungen nur mündliche Absprachen gibt, dann ist diese Kultur der Geschäftsführung wirklich absurd. Das sind keine Gentlemen’s Agreements, so etwas ähnelt eher Criminal’s Conspiracies.

Genauso im Fall Michel Platini. Dem sagte Blatter in einem Hinterzimmergespräch ebenfalls mündlich eine Millionenüberweisung zu. Beide, Blatter und Platini, hat die Fifa-Ethikkommission für diese Praktik 90 Tage gesperrt. Platinis Einspruch dagegen hat der Cas am Freitag wie erwartet abgewiesen. Ihm sei „kein irreparabler Schaden entstanden“, urteilte das oberste Sportsgericht. Aber es hat auch untersagt, die vorläufige Sperre um 45 Tage zu verlängern. Das lässt dem Uefa-Chef eine Hintertür offen, Ende Februar doch noch als Fifa-Präsident zu kandidieren.

Doch die Fifa-Ethikrichter wollen in den Hauptverfahren gegen Blatter und Platini ohnehin entscheiden, bevor ihre vorläufigen Sperren am 5. Januar ablaufen. Blatter sagt am Donnerstag kommender Woche vor den Richtern aus, Platini am Tag darauf. Ein Urteil wird für den 21. Dezember erwartet. Selbst wenn den beiden keine Korruption nachgewiesen werden kann und die geforderte lebenslängliche Strafe nicht verhängt wird, drohen ihnen allein für ihr windiges Geschäftsgebahren fünf bis zehn Jahre Sperre. Selbst wenn beide im Januar dagegen vor den Cas ziehen – solange sie keine direkten schriftlichen Beweise vorlegen, können sie sich nicht entlasten. Doch die gibt es entweder nicht oder sie wollen sie nicht rausrücken.

Diese Art, mündlich Millionengeschäfte unter Freunden abzuschließen, gehört abgeschafft und ist wirklich absurd. Auch wenn es absurd ist, dass ausgerechnet Blatter das als Einziger so offen sagt.

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