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Fifa-Skandal : Sepp Blatter und Michel Platini für 90 Tage suspendiert

Der Präsident und sein potenzieller Nachfolger sind erstmal gesperrt. Für Blatters Berater kein Problem. "Er macht jetzt Urlaub", sagt der in einer ersten Reaktion.

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Da gab's noch was zu Lachen: Joseph Blatter und Michel Platini wurden für 90 Tage suspendiert.
Da gab's noch was zu Lachen: Joseph Blatter und Michel Platini wurden für 90 Tage suspendiert.Foto: AFP

Die Fifa-Ethikkommission hat Fußball-Weltverbandspräsident Joseph Blatter und Uefa-Chef Michel Platini für jeweils 90 Tage vorläufig gesperrt. Die Sperre kann danach nochmals um 45 Tage verlängert werden. Zudem wurde Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke ebenfalls suspendiert, teilte die Ethik-Kammer am Donnerstag mit. "Das bedeutet drei Monate schöne Ferien für Herrn Blatter", sagte Klaus J. Stöhlker, der persönliche Berater des Fifa-Chefs, dem Tagesspiegel in einer ersten Reaktion. "Er hat sich Ferien verdient." Offenbar sieht sich Blatter noch lange nicht am Ende, ist zu hören. Doch darf er nun für 90 Tage weder sein Büro im Fifa-Hauptquartier noch Fußballstadien betreten.

Laut einem Statement von Blatters Anwälten sei der Schweizer "enttäuscht" über die Sperre und sprach von einem Verfahrensfehler, weil er nicht angehört worden sei. Das müssen die Ethikrichter aber gar nicht, siehe Punkt 84 Absatz 2 des Ethik-Codes der Fifa:

Einspruch gegen die Sperre werde Blatter aber laut seinem Berater nicht einlegen. „Er wurde jetzt fußballerisch gesagt an die Seitenlinie gestellt und er wird in 90 Tagen wieder da sein", sagte Stöhlker, "denn er muss den großen Fifa-Kongress vorbereiten." Sollte die Ethikkommission die Suspendierung jedoch noch um 45 Tage verlängern, würde Blatter gar nicht mehr ins Amt zurückkehren. Denn zum Wahlkongress am 26. Februar wollte sich der 79-Jährige zurückziehen. Wer dann zum neuen Fifa-Präsidenten gewählt wird, scheint fraglich. Denn mit Platini ist ein Bewerber suspendiert, mit Chung Mong-Joon ist ein weiter Kandidat für Ethik-Verfehlungen sogar sechs Jahre gesperrt worden. Zudem ist noch unklar, wer den Weltverband bis zur Wahl führen könnte. Blatters formeller Stellvertreter, Vizepräsident Issa Hayatou, leidet an einem schweren Nierenleiden und kann nur beschwerlich aus Kamerun nach Zürich reisen. Am Mittwoch erklärte die Fifa dennoch, sie habe Blatter für 90 Tage freigestellt und Hayatou übernehme interimsmäßig.

Platini kämpft derweil um seine Kandidatur als Chef des Fußball-Weltverbands. Er habe am Donnerstagmorgen die nötigen Unterstützerstimmen für eine Bewerbung eingereicht, teilte der Franzose in einem schriftlichen Statement mit - vor der Entscheidung der FIFA-Ethikkommission. Diese hat Platini vorläufig für 90 Tage suspendiert. „Dieses absichtliche Leck, das hinterhältig und unakzeptabel ist, ist ein Versuch meiner Reputation zu schaden“, kommentierte Platini zuvor in einer Mitteilung. Er hatte für Dienste zwischen Januar 1999 und Juni 2002 erst knapp neun Jahre später von Blatter zwei Millionen Schweizer Franken erhalten. Offiziell ein Beraterhonorar, womöglich war es aber Schmiergeld für Platini. Der europäische Verbandschef ging in der Folge auf Stimmenfang für Blatters Wiederwahl 2011.

Platini muss Integritätsprüfung überstehen

Mit der Sanktion durch die Fifa-Ethikkommission ist der 60-Jährige noch nicht automatisch aus dem Rennen als Nachfolger von Blatter. Allerdings muss Platini eine Prüfung durch die Wahlkommission überstehen. Die schriftliche Unterstützung von mindestens fünf Fifa-Mitgliedsländern muss bis zum 26. Oktober, vier Monate vor dem Wahlkongress, eingereicht werden.

Während der Sperre ist es laut Ethikkommission Blatter und Uefa-Präsident Platini untersagt, an Fußball-Aktivitäten teilzunehmen. Die Ethikkommission begründete die Maßnahme mit der laufenden Untersuchung gegen die beiden. Blatter war im Fifa-Korruptionsskandal ins Visier der Schweizer Behörden geraten. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt den 79-jährigen Schweizer, der seit 1998 an der Spitze des Verbands steht, der ungetreuen Geschäftsführung und Veruntreuung und hat ein Strafverfahren gegen ihn eröffnet. (mit dpa)

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