Sport : Fifa Stadion Hamburg

Streit um Marketingregeln vor der WM 2006

Robert Ide

Berlin - Eigentlich sind die Losungen harmlos, mit denen in Hamburg für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 geworben wird: „Nach dem Confederations Cup ist vor der WM 2006. Zu Hause in der AOL-Arena.“ Der Welt-Fußballverband Fifa findet das geschäftsschädigend. Die Fifa veranstaltet die WM mit Hilfe ihrer Sponsoren; AOL gehört nicht dazu und darf darum nach Ansicht des Verbandes nicht mit dem Turnier werben. Fifa-Generalsekretär Urs Linsi wollte deshalb „über die Aufrechterhaltung des Austragungsortes Hamburg für die WM 2006 entscheiden“, wie „Bild“ berichtete. Am Donnerstagabend war die Entscheidung nach einem Krisengipfel gefallen: In Hamburgs Arena werden wie vorgesehen fünf WM-Spiele ausgetragen. Vertreter des Hamburger SV, dem das Stadion gehört, sicherten der Fifa die Werbefreiheit der Spielstätte zu.

Das stand längst fest: Bei der WM wird die Hamburger Arena, deren Namensrechte AOL gehören, „Fifa Stadion Hamburg“ heißen. Das interne Pflichtenheft der Fifa, das dem Tagesspiegel vorliegt, schreibt werbefreie Stadien vor: „Der Stadionbetreiber garantiert, dass die offiziellen WM-Stätten mindestens 14 Tage vor dem ersten Spiel der WM 2006 frei von jedweder Werbung sind, die nicht vom Fifa-Marketingpartner angeordnet oder genehmigt wurde.“

AOL sah sich „juristisch auf der sicheren Seite“, wie Firmensprecher Jens Nordlohne betonte. AOL berief sich auf Verträge mit dem HSV über die Nutzung der Namensrechte bis April 2006. Doch der HSV hatte der Fifa ebenso die Erfüllung des Pflichtenhefts zugesagt.

Streit zwischen der Fifa und jenen Firmen, die keine Sponsoren sind, aber rund um die WM werben, gibt es öfter. „Das ist nicht unsere Weltmeisterschaft, sondern eine Fifa-Weltmeisterschaft“, beklagte WM-Organisationschef Franz Beckenbauer schon vor einem Jahr. Nun aber hat die Fifa einen wichtigen Rechtsstreit verloren. Sie darf sich die Abkürzung „WM 2006“ nicht beim Deutschen Patent- und Markenamt schützen lassen. Das hat das Patentamt auf Einspruch mehrerer Firmen, darunter Ferrero, entschieden. „Damit ist klar, dass die Fifa nicht gängige Begriffe schützen kann“, sagt der Münchner Anwalt Konstantin Wegner, der gegen die Beschränkung stritt.

Vor zwei Jahren hat sich die Fifa den Begriff „WM 2006“ für viele Waren und Dienstleistungen schützen lassen – unter anderem für „unbelichtete Filme“, „Material für Zahnfüllungen“ und „Uniformverleih“ (siehe Kasten links). Mit dem Hinweis, dass der Begriff „WM 2006“ nicht nur für die Fußball-WM gilt, wurde den Einsprüchen dagegen stattgegeben. Die Fifa, die mit bis zu 400 Anwälten gegen Verstöße ihrer Richtlinien vorgeht, hat Berufung beim Bundespatentgericht eingelegt. Sollte der Fall sogar beim Bundesgerichtshof landen, wird die Zeit knapp. „Dann könnte das Markenrecht erst nach der WM gelöscht werden“, warnt Wegner. Auf die Fifa kämen dann wohl hohe Schadenersatzforderungen zu.

Der Verband drängt nun auch beim Markenrecht auf schnelle Entscheidungen. Denn schlechtes Marketing können die WM-Sponsoren nicht gebrauchen.

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