Sport : Fifa suspendiert Griechenland

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Athen - Otto Rehhagel wird vielleicht schon vor dem ersten Qualifikationsspiel um die Chance eines erneuten EM-Triumphes gebracht. Der deutsche Trainer von Europameister Griechenland kann mit seiner Mannschaft voraussichtlich nicht an der im September beginnenden Qualifikation für die EM 2008 in Österreich und der Schweiz teilnehmen. Am Montag suspendierte der Fußball-Weltverband Fifa den griechischen Verband HFF wegen unerlaubter Einflussnahme politischer Entscheidungsträger in Verbandsangelegenheiten.

Griechenland ist der erste europäische Vertreter, der von einer solch drastischen Maßnahme betroffen ist. Bislang waren lediglich die Verbände Kambodschas und Kenias suspendiert worden. Griechische Medien reagierten mit Bestürzung auf die Nachricht. „Wir sind international lächerlich geworden“, hieß es beim Radiosender SKAI.

Hintergrund der Entscheidung des Fifa-Dringlichkeitskomitees ist das nicht eingehaltene Versprechen der griechischen Regierung, bis zum 15. Juli ihr Sportgesetz den Fifa-

Statuten anzupassen. Der neue Gesetzentwurf sei aber „ein neuerlicher Versuch, sich in Fußball-Angelegenheiten einzumischen“, teilte die Fifa mit.

Der HFF bestätigte den Eingang eines Briefes der Fifa. Darin heißt es, dass der Weltverband wiederholt den griechischen Sportminister Giorgos Orfanos aufgefordert habe, sich „nicht in die inneren Angelegenheiten des griechischen Fußball-Verbandes einzumischen“. Fifa-Präsident Joseph Blatter habe aber Gesprächsbereitschaft signalisiert und Vertreter nach München eingeladen, um „über die Lage zu sprechen“. Bis auf weiteres sind jedoch der griechische Verband und all seine Vereine, Spieler und Offiziellen von allen internationalen Aktivitäten wie Länderspielen oder der Ernennung von Offiziellen für internationale Aufgaben ausgeschlossen. Griechenland war zusammen mit Ungarn, Norwegen, der Türkei, Moldawien, Bosnien-Herzegowina und Malta in die Gruppe C der EM-Qualifikation gelost worden. Für die WM hatte der Europameister die Qualifikation verpasst.

Sportminister Orfanos und dem Präsidenten des griechischen Fußball-Verbandes, Wassilis Gagatsis, streiten seit Monaten. Gagatsis gilt als Funktionär, der der oppositionellen Panhellenischen Sozialistischen Bewegung nahe steht. Der konservative Orfanos versucht nach Presseberichten, durch eine Gesetzesänderung Gagatsis abzusetzen. Während bisher die Vorstände der jeweiligen Provinz-Verbände den HFF-Präsidenten wählten, soll dieser künftig mit den Stimmen aller Klub-Vertreter gewählt werden – das wären mehr als 3000 Stimmberechtigte.

Orfanos „spielt mit dem Feuer“, teilte der HFF gestern mit. „Er führt Griechenland in die internationale Isolation.“ dpa

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