Fifa und Olympia : Mein Diego, dein Diego

Lars Spannagel sieht eine neue Dimension in einem alten Konflikt.

Lars Spannagel

Der Herrscher des Fußballs hat gesprochen. Nach langer Unklarheit hat sich Joseph Blatter im Streit um die Freigabe von Profifußballern für die Olympischen Spiele jetzt positioniert: für die Spieler und ihre nationalen Verbände – und gegen die Vereine. Wenn die nun die Konfrontation mit der Fifa suchen, könnte aus einer schwelenden Unzufriedenheit ein offener Konflikt werden.

Denn die Profiklubs beschweren sich schon lange darüber, dass sie ihre besten und teuersten Spieler ständig abstellen sollen. Nach Länderspielen kehren die Stars zwar meist pünktlich zu ihren Klubs zurück, sind aber oft ausgelaugt von langen Flugreisen oder körperlich angeschlagen. Nichts nervt Klubmanager und Trainer mehr, als auf ihre Stars verzichten zu müssen, weil diese in der südamerikanischen WM-Qualifikation in Quito angetreten sind oder Ansehen und Einnahmen ihres Verbands in Dubai mehren mussten. Kein Wunder, dass sich Karl-Heinz Rummenigge in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Interessenvertretung der europäischen Fußballklubs (ECA) vehement gegen die Abstellungspflicht für Peking einsetzt. Sowohl die Fifa mit ihrer Marketingmaschinerie als auch die Profiligen setzen Milliardensummen um – da kann es sich keine Partei leisten, gerade auf die jungen Stars wie Diego zu verzichten.

Bislang hat die Fifa vermieden, Olympia in ihren Spielkalender aufzunehmen, um das Turnier nicht offiziell in Konkurrenz zum Spielbetrieb der Ligen zu setzen. Mit Blatters gestriger Aussage ist das aber nun de facto geschehen. Es könnte sein, dass dieser Schritt die Klubs endgültig gegen den Weltverband aufbringt.

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