Sport : Fifa, wir haben ein Problem

Robert Ide[Frankfurt am Main]

Als Dragoslav Stepanovic aus dem Stadion in die Nacht trat, wies sein rosafarbenes Hemd Wasserflecken auf. „War das Dach überhaupt zu?“, spottete der einstige Trainer von Eintracht Frankfurt nach dem Finale des Confed-Cups in Frankfurts neuer Fußballarena. „Ich würde mir hier keine Karte kaufen.“ Tausende Zuschauer waren nass geworden, obwohl im für 188 Millionen Euro sanierten WM-Stadion das Zeltdach geschlossen war. Einem Gewitter hielt die weiße Plane aus PVC nicht stand, ein Überlaufventil lief über, in Sturzbächen ergoss sich Wasser auf Rasen und Ränge.

Schon in der Halbzeitpause musste die Feuerwehr prüfen, ob das Spiel weitergehen darf. Da hatte sich eine Wasserlache an der Eckfahne gebildet, Dutzende Fotografen flüchteten von ihren Arbeitsplätzen. „Wie sie sehen, haben wir ein Problem“, sagte der Stadionsprecher und erntete Applaus. In der Pause versuchten Helfer, das Wasser mit Besen vom Rasen zu schrubben. Die Dusche von oben ließ sich so nicht stoppen. Als zweimal an dieser Stelle ein Eckball getreten werden musste, erhoben sich die Fans und feuerten die Spieler bei der Ausführung an.

Am nächsten Tag besah Hans-Joachim Paap den Dachschaden. „Ein Seil war nicht perfekt gespannt“, sagte der Projektleiter des verantwortlichen Architekturbüros gmp. „Deshalb hat sich Wasser gesammelt und das Dach belastet.“ Die Plane, die gefaltet über dem Videowürfel hängt und in 13 Minuten an Seilen entlang ausgezogen wird, hält kaum Lasten aus. Darum darf es bei Schneefall nicht geschlossen sein. Wasser fließe aber ab, hatten Organisatoren vor dem Turnier versichert.

„Insgesamt hat das Dach seine Bewährungsprobe bestanden“, meinte Horst R. Schmidt, Vizepräsident des WM-Organisationskomitees. Auf Nachfrage musste er einräumen, dass „wir auf einen solchen Fall nicht vorbereitet waren“. Bis zum Anpfiff war das Stadion umgebaut worden, für Proben war kaum Zeit. Insider berichten, das Dach sei nur mit Wasserschläuchen abgespritzt worden.

Jetzt wird die Plane ausgewechselt. Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth tröstet sich derweil damit, „dass es nicht jeden Tag Unwetter gibt“. Ohne Dach hätte womöglich ein Spielabbruch gedroht, der nahe Flughafen wurde zeitweilig geschlossen. „Lieber ein Loch als gar kein Dach“, sagte Brasiliens Trainer Carlos Alberto Parreira und lachte. Sein Team hatte gesiegt, und die beiden Eckbälle mussten die Argentinier treten.

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