Film über Nationalteam von Amerikanisch-Samoa : Sieger der Südsee

Die Fußballer aus Amerikanisch-Samoa galten nach einem 0:31 gegen Australien als schlechteste Nationalmannschaft der Welt – der Film „Next Goal Wins“ erzählt von der wunderbaren Geschichte danach und von der Kraft, die aus dem Scheitern wachsen kann.

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Nationalmeisterschaft von Amerikanisch-Samoa: Sie sind Helden.
Nationalmeisterschaft von Amerikanisch-Samoa: Sie sind Helden.

Zum Schluss also: der Clasico. Tomas Rongen steht vor seinen Spielern, er rudert mit den Armen, hebt die Stimme und zischt: „Das ist euer Spiel! Das ist wie Milan gegen Inter oder Barca gegen Real!“ Nun steigt dieser Clasico allerdings nicht in San Siro oder Camp Nou, sondern am anderen Ende der Welt. Im J. S. Blatter Soccer Stadium von Apia, der Hauptstadt des Inselstaates Samoa. Es treten auf: die Nationalmannschaften von Samoa und Amerikanisch-Samoa, und gegeben wird der Clasico der Südsee.

Die Fußballspieler aus Amerikanisch-Samoa haben einen Ruf zu verteidigen, nämlich den als schlechteste Mannschaft der Welt. 0:31 haben sie mal in der WM-Qualifikation gegen Australien verloren. 14 Jahre ist das jetzt her und immer noch unvergessen, ein Weltrekord für die Ewigkeit. Die britischen Dokumentarfilmer Mike Brett und Steve Jamison haben die Mannschaft ein paar Monate lang mit der Kamera begleitet und einen Kinofilm gedreht, er heißt „Next Goal Wins“ und ist in diesen Tagen beim Berliner Fußballfilmfestival „11 mm“ zu besichtigen. Es ist eine Geschichte über das Scheitern und die Würde. Über die Kraft, die daraus erwächst und die das Team am Ende des Films endlich zum ersten Sieg ihrer Länderspielgeschichte führen wird. Vor allem aber steht natürlich jene Niederlage, der Amerikanisch-Samoa den ungewollten Weltruf verdankt. Also nimmt dieser zauberhafte Film einen gar nicht so zauberhaften Anfang mit einer Kompilation der gruseligsten von 31 Gegentoren in Australien.

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Das Kinopublikum hat nichts gegen Verlierer, solange sie nur tragisch und aufrichtig verlieren und moralisch auch ein bisschen gewinnen. So war es bei „Cool Runnings“, der Disney-Produktion über den Start eines jamaikanischen Bobteams bei den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary, mit allerlei frei erfundenen Charakteren und einer sehr großzügig umgesetzten Vorlage. Wenn „Cool Runnings“ das klassische Hollywood-Melodram war, dann ist „Next Goal Wins“ so etwas wie eine Hollywood-Dokumentation. Eine anrührende Geschichte, bei der allerdings alles echt ist und in Echtzeit bestaunt werden darf, von der Handlung bis zu den Handelnden.

Da ist zum Beispiel Nicky Salapu, der verzweifelte Torhüter. Einer, der eigentlich aufhören will mit dem Fußball und doch nicht kann, wegen dieser 31 Gegentore, die für immer mit seinem Namen verknüpft sind. Oder Jaiyah Saelua, unverzichtbar als Abwehrchef und geboren im falschen Körper. Oder Thomas Rongen, der kettenrauchende Trainer, der eigentlich schon am ersten Tag wieder abreisen will und später von sich sagen wird, er sei in der Südsee ein besserer Mensch geworden.

Im Oktober 2011 landet der Niederländer in Pago Pago, der Hauptstadt des US-amerikanischen Außengebiets. Amerikanisch-Samoa ist ein bisschen größer als Potsdam, kein unabhängiger Staat, aber selbstständiges Mitglied im Fußball-Weltverband Fifa. Rongen ist vom US-Verband für einen Monat nach Amerikanisch-Samoa abgestellt worden, um die vermeintlich schlechteste Mannschaft der Welt für die Qualifikation zur WM 2014 fit zu machen. Leute wie ihn nennen sie hier „Balangi“, weißer Mann, und das ist nicht unbedingt als Kompliment zu versehen. Die Samoaner haben sehr wohl mitbekommen, wie der Rest der Welt sich über sie lustig gemacht hat nach dem Debakel gegen Australien.

Rongen hat früher mal mit Johan Cruyff und George Best zusammengespielt. Zur Begrüßung sagt er, es sei für jeden Trainer die höchste Ehre, eine Nationalmannschaft zu betreuen. Das mit der Ehre relativiert sich, als er zum ersten Mal mit seinen Spielern auf den Trainingsplatz geht. Rongen brüllt und schubst und gestikuliert, am Ende dieser ersten Einheit vertraut er der Kamera an: „Da ist das Lausigste, was ich je auf internationalem Niveau gesehen habe.“

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