Sport : Filmfreund beim Fußball

André Görke

Früher trugen die meisten Fans im Fußballstadion die Haare vorne kurz, hinten lang. Jetzt ist eher Stoppelschnitt angesagt. In so einem Umfeld fällt einer wie Michael Kölmel immer auf. Denn er trägt den Kopf voller Locken. Kölmel sieht man in einem Fußballstadion sofort. Am Donnerstagabend saß der Chef der Kinowelt auf der Haupttribüne im Stadion an der Alten Försterei, in Köpenick. Fußballzweitligist 1. FC Union gewann 2:0 gegen Babelsberg. Es war kein schönes Zweitligaspiel, und Kölmel wird sich gefragt haben, warum er den Abend nicht lieber in einem netten Restaurant verbracht hat. Dort hätten viele Union-Fans ihn wohl auch lieber gesehen. Nur nicht in ihrem Stadion. Denn Kölmel gehört die Sportwelt GmbH, eine Tochterfirma der finanziell angeschlagenen Kinowelt AG. Die Sportwelt hat dem 1. FC Union in den vergangenen Jahren ein Darlehen über rund 8,4 Millionen Euro zur Verfügung gestellt und sich dafür einen Großteil der Vermarktungsrechte des Klubs gesichert. Das Darlehen muss der 1. FC Union irgendwann zurückzahlen. Und Kölmel braucht Geld, möglichst bald.

Wenn Kölmel bei einem jener Klubs gesehen wird, denen er so ein Darlehen gegeben hat, geht bei den Fans die Angst um. Die Fachzeitschrift "Sport-Bild" hat vor einigen Tagen berichtet, dass Kölmel droht, in Mönchengladbach die Eintrittsgelder an den Stadionkassen zu pfänden. Der Erstligist sei mit seinen Rückzahlungsraten aus den Fernseh-Einnahmen in Verzug. Borussia Mönchengladbach soll der Sportwelt aus Zweitligazeiten noch 450 000 Euro schulden, und rund eine Million Euro aus der Hinrunde der Ersten Liga.

Kölmel kam am Donnerstag aber ohne Kuckuck an die Köpenicker Kassenhäuschen. "Keine Bange", sagte er, "wir haben zu Union ein gutes Verhältnis." Geld will Sportwelt trotzdem sehen. Wie der Tagesspiegel erfuhr, will Union nun erstmals Geld zurückzahlen: 200 000 Euro aus den Fernsehgeldern des Europapokals soll die Summe betragen, wie aus Kreisen der Sportwelt verlautete.Im Etat der kommenden Saison sind Rückzahlungen vorgesehen. Das ist auch bei Union zu erfahren. Beachtlich: Denn in der Zweiten Liga kann ein Klub in der Regel kein Geld verdienen. Erst in der Bundesliga mache der Verein Gewinn, betont Unions Präsident Heiner Bertram immer wieder. Auf jeden Fall kalkuliert Union in der kommenden Saison erstmals seit vier Jahren ohne Geld von Sportwelt.

Die Aufregung einiger Union-Fans war überflüssig, zumindest kurzfristig: "Eigentlich bin ich nur privat hier in Berlin", sagte Kölmel, "wegen der Berlinale." Mit Bertram habe er aber schon gesprochen. Unions Präsident saß im Stadion neben Kölmel.

Unions Trainer Georgi Wassilew wird auch sorgenvoll zu dem mächtigen Duo auf der Tribüne geschaut haben. Sein Kader sei zu klein, sagte Wassilew nach dem Spiel. "Die Tabellensituation ist beruhigend, nicht aber die Auswahl an Spielern, die mir zur Verfügung stehen." Selbst Babelsberg, der Tabellenletzte der Liga, habe mehr Spieler unter Vertrag. "Vielleicht spielen wir in der kommenden Saison mit 15 Spielern. Oder vielleicht reichen ja auch elf", sagte Wassilew. Unions Trainer forderte Verstärkungen von Präsident Bertram.

Der aber bleibt gelassen. "Die Planungen für die kommende Saison laufen", sagt Bertram. Und die sind umfassend: "Wir haben fünfzig Spieler beobachtet. Davon fallen sieben, acht in die engere Auswahl. Über Details möchte ich aber nicht reden." Bertram kann derzeit sowieso nichts tun. In dieser Saison darf ein Verein keine Spieler mehr verpflichten. Die Wechselfrist des Deutschen Fußballbunds ist am 15. Januar abgelaufen.

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