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Final Four der Champions League : Starke BR Volleys verlieren gegen Titelverteidiger Kasan

Die BR Volleys verkauften sich beim 0:3 gegen das beste Team der Welt in Rom sehr gut. Manager Kaweh Niroomand kritisierte Trainer Roberto Serniotti dennoch scharf.

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Kein Durchkommen. Berlins Paul Carroll hatte es schwer gegen den russischen Block.
Kein Durchkommen. Berlins Paul Carroll hatte es schwer gegen den russischen Block.Foto: Imago/Matthias Koch

Die Gefahr für die BR Volleys im Halbfinale der Champions League hatte darin bestanden, sich eine richtige Klatsche, wie man im Sport sagt, abzuholen. Der erste Gegner der Berliner beim sogenannten Final Four, dem Zusammentreffen der vier besten europäischen Mannschaften, war Zenit Kasan. Die Mannschaft, die schon in den vergangenen beiden Jahren die Champions League gewonnen hat und in dieser Saison noch ohne Niederlage geblieben ist.

Es sollte aber keine Schmach werden. Die Volleys, die in den vergangenen Wochen erschöpft wirkten von dem anstrengenden Volleyballbetrieb in der Schlussphase der Saison, schlugen sich tapfer gegen das vom russischen Erdgaskonzern Gazprom subventionierte Zenit. Kasan setzte sich mit 3:0 (25:21, 25:22, 25:13) durch und qualifizierte sich dadurch für das Finale am Sonntag. Die BR Volleys dagegen spielen zuvor um Platz drei (16 Uhr/live auf laola1.tv) gegen Civitanova. Die Italiener verloren im zweiten Halbfinale gegen Perugia 2:3 (19:25, 25:22, 19:25, 25:21, 9:15).

Eigentlich gab es für die Berliner keinen Grund für Verdruss. Die Russen waren nicht die großen, sondern die riesigen Favoriten. Wer bei Wettanbietern 100 Euro auf Kasan setzte, machte etwa drei Euro Gewinn. Kaweh Niroomand aber, Manager der Volleys, konnte gar nicht gut leben mit der erwartbaren Niederlage. Niroomand glaubt immer an eine Chance, und – das wurde nach dem Spiel deutlich – hatte es auch gegen die Übermannschaft von Zenit getan.

Niroomand fühlte sich von seinem eigenen Trainer, Roberto Serniotti, um mehr gebracht. Mindestens um einen Satz, vielleicht sogar um eine Sensation. Nichts anderes wäre ein Sieg der Volleys gewesen. Konkret kreidete er Serniotti Wechselfehler gegen Ende des umkämpften zweiten Satzes an. Der Italiener hatte Kapitän Robert Kromm und Paul Carroll durch Steven Marshall und Wouter ter Maat ersetzt. Kromm und Carroll sind die Führungsspieler der Volleys, die erfahrenen Stützen, die die Berliner schon sehr oft in entscheidenden Phasen zum Sieg brachten.

Leon entscheidet das Spiel

„Wir waren ebenbürtig und dann vergeigen wir durch diese Wechsel den zweiten Satz“, schimpfte Niroomand. „Und nicht nur das. Diese Aktion hat in der Mannschaft so viel Kopfschütteln und Nachdenken ausgelöst, dass dann auch gleich der dritte Satz weg war.“ Der 64-Jährige hatte sich richtig in Rage geredet. Solche Wechsel könne man vielleicht gegen Rottenburg in der Bundesliga machen, nicht aber gegen Kasan, sagte er.

Es war dies die vorläufige Eskalation eines ohnehin schwierigen Verhältnisses zwischen Niroomand und Serniotti. Schon seit langem hat sich der Eindruck verfestigt, dass er von seinem Trainer nicht besonders viel hält. Der Vertrag des Italieners läuft zum Ende der Saison aus. Bislang hat Niroomand ihm keine Verlängerung angeboten. Und er wird das wohl auch nicht mehr tun.

Ob es am Samstag in der 12 000 Zuschauer fassenden Mehrzweckarena im Süden Roms am Trainer lag, dass die Volleys nicht mehr waren als respektable Gegner, ist durchaus fragwürdig. Denn auf der anderen Seite spielte Kasan vielleicht nicht auf der Höhe seiner Schaffenskraft. Aber selbst wenn die Mannschaft einen für ihre Verhältnisse schlechten Tag erwischt, kann sie sich auf ein taktisches Mittel verlassen: Den Ball einfach zu Wilfredo Leon spielen.

Leon ist der beste Volleyballspieler der Welt. Mit 14 spielte er schon in der kubanischen Nationalmannschaft. Er war das Wunderkind, inzwischen ist er 23 und ein sportliches Naturereignis. „Er hat eine unheimliche Athletik“, sagte Volleys-Kapitän Kromm hinterher.

Diese Stärken Leons zeigten sich schon im ersten Durchgang. Die Berliner hielten bis zum 17:19 mit. Als es dann aber in die entscheidende Phase ging, spielten die Russen fast alle Bälle auf Leon. Traumwandlerisch sicher verwertete er seine Angriffe und holte für sein Team den ersten Satz.

Die Volleys aber waren nicht frustriert, vielmehr schienen sie sich Selbstvertrauen durch den umkämpften Satz geholt zu haben. Im zweiten Durchgang führten sie sogar schon 21:20, ehe Zuspieler Alexander Butko wieder Leon die Bälle servierte. Damit war die Gegenwehr der Volleys gebrochen. Im dritten Satz dominierten die Russen so, wie es die Wettquote versprochen hatte.

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