Sport : Finale am Grünen Tisch: Formel-1-WM wird entschieden

Christian Hönicke

Berlin - Laut Rennkalender ist die Formel-1-WM 2007 zwar bereits vor dreieinhalb Wochen in Sao Paulo zu Ende gegangen, doch das tatsächliche Saisonfinale wird heute ausgetragen. In London wird die letzte Streitfrage einer umstrittenen Saison geklärt: Bleibt der Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen Weltmeister oder wird Lewis Hamilton nachträglich auf den Thron gehievt? Dies könnte passieren, wenn das Berufungsgericht des Automobil-Weltverbands (Fia) dem Einspruch von Hamiltons Rennstall McLaren-Mercedes stattgibt und die Konkurrenten Williams und BMW nachträglich wegen zu kalten Benzins aus der Wertung des Rennens in Sao Paulo streicht.

Wie so oft in der Formel 1 wird allerdings auch der verzögerte Saisonausklang größtenteils eine Showveranstaltung sein. Obwohl der Einspruch McLarens sachlich nachvollziehbar ist (die Rennkommissare hatten eine Abweichung von etwa fünf Grad gemessen), rechnen sich nicht einmal die Protestierenden Erfolgschancen aus. Hamilton möchte den Titel nicht nachträglich, und sein Chef Norbert Haug macht sich auch keine Illusionen: „Das passiert sowieso nicht.“ Der Motorsportchef von Mercedes will nur „klären, wie man eine Regel auslegt“.

Scheitern wird der Einspruch aller Voraussicht nach an den beiden Herrschern des Rennsports. Fia-Präsident Max Mosley und Formel-1-Boss Bernie Ecclestone wollen unbedingt verhindern, dass nach dem Konstrukteurs-Titel durch die Spionageaffäre auch noch die Fahrer-WM am Grünen Tisch entschieden wird und ihr Produkt damit weiteren Schaden nimmt. Ecclestone drohte in der „Times“ für diesen Fall sogar an, „ernsthaft darüber nachzudenken, zurückzutreten“. So weit wird er nicht gehen müssen: Hinter den Kulissen dürfte er längst dafür gesorgt haben, dass das Saisonfinale nach seinem Geschmack verlaufen wird. Varianten der Anwendung des entsprechenden Gummiparagraphen gibt es viele – eine denkbare ist, dass die in Sao Paulo vor Hamilton ins Ziel gekommenen Piloten Nico Rosberg (Williams), Robert Kubica und Nick Heidfeld (beide BMW) zwar bestraft werden, Hamilton aber nicht aufrückt. Und damit in der WM einen Punkt hinter Räikkönen bleibt. Christian Hönicke

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