Finale im DFB-Pokal der Frauen : Jennifer Zietz: Erst Pokalsieg, dann Abschied?

Jennifer Zietz bestreitet am Freitag mit Turbine Potsdam ihr bereits siebtes Pokalfinale. Doch das Spiel gegen den VfL Wolfsburg könnte eines ihrer letzten sein. Zietz denkt so langsam ans Aufhören.

Tobias Gutsche
Jennifer Zietz will zum Abschluss der Karriere noch mal jubeln.
Jennifer Zietz will zum Abschluss der Karriere noch mal jubeln.Foto: dpa

Ein Finale im DFB-Pokal kennt nur zwei Geschmacksrichtungen: den süßen Triumph und das bittere Scheitern. Jennifer Zietz hat von beidem gekostet, jeweils drei Mal. „Wird Zeit, dass die Bilanz wieder positiv ist“, sagt die Fußballerin von Turbine Potsdam und lässt ihren Blick im „Haus der Vereine“ am Luftschiffhafen auf das Plakat an der gläsernen Fahrstuhltür schweifen. Es kündigt das diesjährige Endspiel an: Turbine gegen den VfL Wolfsburg, am Freitag, um 17.15 Uhr in Köln.

Es ist das siebte Pokalfinale in der Geschichte des Potsdamer Klubs – und wie bei den sechs vorherigen Auflagen wird Jennifer Zietz auch diesmal mit dabei sein. Die 31-Jährige trägt seit 1998 das Turbine-Trikot und hat ihren Beitrag zu allen großen Erfolgen geleistet.

Jetzt geht es also noch mal nach Köln. Dort findet seit 2010 das Endspiel der Frauen statt, es sollte als eigenständige und unabhängige Marke in Deutschland etabliert werden und nicht einfach nur Beiwerk für das Männer-Finale sein. Ein Schritt, den Jennifer Zietz nachvollziehen kann, doch hundertprozentig hat sie sich damit noch nicht angefreundet: „Das Olympiastadion hatte für uns schon fast Wohnzimmer-Charakter, gefühlt waren das dort Heimspiele.“ Ihre Begeisterung für die Karnevalshochburg hält sich womöglich aber auch deshalb in Grenzen, weil für Turbine in Köln bisher immer Aschermittwochsstimmung herrschte. 2011 gab es ein 1:2 gegen Frankfurt und zuletzt ein 2:3 gegen Wolfsburg. Das soll sich nun ändern. „Wir müssen sie niederkämpfen“, sagt Jennifer Zietz. Genau mit dieser Einstellung hatte ihre Mannschaft Mitte März den Bundesliga-Spitzenreiter mit 2:0 in der Liga bezwungen und ihm damit auf nationaler Ebene die bislang einzige Saisonniederlage zugefügt.

Zietz trägt seit 1998 das Turbine-Trikot

Dadurch hat sich Turbine Respekt verschafft. Und sowieso werde der amtierende Meister aus Wolfsburg äußerst angespannt an die Begegnung herangehen, glaubt Zietz: „Am vergangenen Wochenende sind sie aus der Champions League ausgeschieden, mit einer Niederlage am letzten Bundesligaspieltag gegen Frankfurt wäre auch der Meistertitel weg. Wenn es hart auf hart kommt, kann der VfL innerhalb von zwei Wochen alles verlieren.“ Aber auch die Potsdamerinnen, die die Liga auf Platz vier beenden werden, könnten mit leeren Händen dastehen. Eine – insgesamt betrachtet – schwache Saisonleistung kann nur noch durch den Pokalsieg kaschiert werden.

Es wäre ein versöhnlicher Abschluss, vielleicht auch für Jennifer Zietz, die seit geraumer Zeit allenfalls als Einwechselspielerin zum Zuge kommt. Ihr Vertrag läuft im Juni aus, ein Angebot zur Verlängerung liegt vor. „Aber es ist auch wichtig, den Absprung zu schaffen. Zumal ich gerade viel Spaß an meinem Job habe“, sagt die Marketing-Mitarbeiterin der AOK. „Nach Saisonende werde ich abwägen, wie es mit mir weitergeht.“ Der vierte Gewinn des DFB-Pokals könnte ein Argument für das Aufhören sein. Dann bliebe die Süße des Triumphs als letzter Geschmack auf der Zunge.

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