Sport : Finale in Berlin

In den historischen Momenten erlangen selbst vermeintliche Nebensächlichkeiten einen besonderen Nachrichtenwert. Und wer wollte bestreiten, dass die deutsche Nationalmannschaft mit dem Einzug ins EM-Finale gerade einen zumindest fußballhistorischen Moment erlebt? Also berichtete der DFB, dass das Mahl der Spieler nach dem Sieg gegen die Türkei und der Rückkehr ins Quartier am Lago Maggiore aus Pasta, Pizza, Schnitzel und Flammkuchen bestanden habe; zuvor hatte das Hotelpersonal die Finalisten mit einem kleinen Feuerwerk begrüßt.

So viel Aufmerksamkeit ist durchaus angebracht, immerhin verlängert sich der Aufenthalt im Tessin für die Nationalspieler noch einmal um zwei Tage. Erst am Sonnabend fliegen die Deutschen nach Wien. DFB-Chef Theo Zwanziger hat zum Finale am Sonntag auch den früheren Bundestrainer Jürgen Klinsmann eingeladen. „Es ist irgendwie auch sein Finale“, sagte Zwanziger. Ob Klinsmann kommt, ist noch unbekannt. Als sicher gilt allerdings schon jetzt, dass die Mannschaft am Montag nach Berlin fliegt und auf der Fanmeile am Brandenburger Tor mit den Fans feiert – egal wie das Finale ausgeht.

Die Endspielteilnahme, die sechste insgesamt für die Deutschen bei Europameisterschaften, gilt den Verantwortlichen bereits als Erfolg, entsprechend gelöst geht die Mannschaft die finale Aufgabe an. „Jetzt ist eigentlich kein Druck mehr vorhanden“, sagte Joachim Löw, der die Chance hat, gleich im ersten Turnier als Bundestrainer einen Titel zu holen. Bisher ist das nur Jupp Derwall bei der EM 1980 gelungen. „Das genieße ich“, sagte Löw. Seine Gelassenheit entspringt dem Gefühl, alles nahezu perfekt vorbereitet zu haben. „Im Training kann man jetzt nicht mehr allzu viele Akzente setzen, vor allen nicht körperlich“, sagte er. Im Finale sind wohl alle 23 Spieler einsatzfähig, auch Simon Rolfes, der sich gegen die Türkei einen Riss an der Braue zugezogen hat.

Am Sonntag in Wien will Löw bei seinen Spielern „Spaß, Freude und Begeisterung“ sehen. „Da können wir viel gewinnen“, sagt er. Achtung? Sympathie? Mitleid? Am liebsten wäre ihm wohl dieses 60 Zentimeter große und zehn Kilogramm schwere Ding aus Silber. sth

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