Sport : Finale ohne Favorit

Michael Schumacher und Fernando Alonso im Vergleich vor dem Rennen in Suzuka

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Es kann ein großes Finale zwischen zwei gleichwertigen Gegnern werden, ein Kampf bis zur letzten Runde: Das WM-Duell zwischen Rekordweltmeister Michael Schumacher und dem punktgleichen Weltmeister Fernando Alonso hat alles, um als echter Klassiker in die Formel-1-Geschichte einzugehen. Denn die Ausgangsposition vor den beiden letzten Rennen in Suzuka am Sonntag und Interlagos (Brasilien) am 22. Oktober ist ausgeglichen, einen deutlichen Favoriten gibt es nicht. Vor- und Nachteile in einzelnen Bereichen sind bei den Gegnern recht gleichmäßig verteilt, ein Vergleich:

Die Reifen: Schon beim ersten Training in Suzuka zeigte sich, dass sowohl Schumachers Ferrari als auch Alonsos Renault bestens gerüstet scheinen. Beide Autos waren selbst in den wenigen einigermaßen trockenen Runden auf Anhieb schnell. Die entscheidende Rolle dürften die Reifen spielen. Im Vorfeld erwarteten viele in Japan einen Vorteil des japanischen Herstellers Bridgestone, mit dessen Reifen Schumacher fährt. Nach dem Urteil des ehemaligen Formel-1-Fahrers Christian Danner war aber am Freitag zu sehen, „dass Michelin hier im Trockenen vorne lag“. Auch Alexander Wurz, Williams-Testfahrer, stimmt zu, dass Alonsos Reifen in Suzuka besser funktionieren, sagt aber: „Das war in diesem Jahr schon oft so, dass Michelin am Freitag vorne war, das hat sich aber dann im Laufe des Wochenendes oft noch geändert. In diesem Bereich wird alles sehr ausgeglichen sein.“

Die Teams: Bei Ferrari herrscht Harmonie. Alle haben das Ziel, Michael Schumacher mit dem achten WM-Titel in den Ruhestand zu verabschieden. Die Spannungen zwischen ihm und Ferrari-Boss Luca di Montezemolo, die in Monza selbst nach außen sichtbar wurden, spielen für die praktische Arbeit an der Strecke keine Rolle. Bei Renault ist die Situation ein bisschen komplizierter: Die kritischen Äußerungen von Fernando Alonso über sein Team werden von außen gerne als Beweis für ein Zerwürfnis angesehen, das den Spanier am Ende den Titel kosten könnte.

Die Teamkollegen: Ferrari-Pilot Felipe Massa will dem von ihm verehrten Michael Schumacher zum Titel verhelfen. Renault-Fahrer Giancarlo Fisichella ist da schon ein bisschen weniger linientreu. Er sagt: „Ich will auch noch mein eigenes Rennen fahren.“ Von einem Streit zwischen ihm und Alonso kann allerdings nicht die Rede sein. Nachdem der Spanier seinem Kollegen Fisichella noch einmal klargemacht hat, dass er mit seiner Kritik nicht ihn, sondern das Team an sich gemeint hatte, ist zwischen den beiden wieder alles in Ordnung.

Die Fahrer: Schumacher ist seinem zwölf Jahre jüngeren Gegner vor allem in Sachen Finalkampf-Erfahrung deutlich überlegen. Auch die Tendenz der letzten Monate, als er einen 25-Punkte-Rückstand aufholte, spricht für ihn. Allerdings lieferte Alonso über die Saison konstantere Topleistungen ab. Dass er hinter Schumacher zurückfiel, lag vor allem an technischen Problemen. Alonso gilt als mental stark. „Das ist eine seiner Topqualitäten, er kann alles hinter sich lassen, wenn er ins Auto steigt“, sagt Alexander Wurz. Das Fazit des Österreichers: „Ich würde auf keinen von beiden wetten.“

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