Finale : Tschechien ist Eishockey-Weltmeister

Tschechien hat den Erzrivalen Russland vom Eishockey-Thron gestoßen. Die Tschechen siegten am Sonntag in Köln im WM-Endspiel gegen den Rekordchampion und Weltmeister der vergangenen beiden Jahre.

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Die Tschechen sind zum zwölften Mal Weltmeister.
Die Tschechen sind zum zwölften Mal Weltmeister.Foto: dpa

Der Titel sollte her. Und nur der Titel. Nach dem Viertelfinal-Aus bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver, auf das verheerende Kritik des russischen Volk folgte, ist die russische Eishockeynationalmannschaft nur mit diesem Ziel zur 74. Eishockey-Weltmeisterschaft gereist. Alle Stars hatten sich nach Deutschland zusammengefunden, um die nationale Aufgabe zu erledigen. Jewgeni Malkin, Sergej Gontschar und Pawel Dazjuk wurden nach ihrem Ausscheiden in der NHL sogar extra aus Nordamerika eingeflogen. Am Ende aber half auch das nicht. Nicht Russland, sondern Tschechien heißt der neue Weltmeister. Nach dem 1:2 (0:1, 0:1, 1:0) reichte es für die Russen nur zum zweiten Platz. Nur? Silber dürfte in Russland, dem Land des Rekordweltmeisters, eben nicht als Erfolg zu verkaufen sein.

Die Tschechen um ihren Altstar Jaromir Jagr dagegen feierten nach dem letzten Titel aus dem Jahr 2005 wieder einen WM-Sieg. Und wie: Nach der Schlusssirene warfen die Profis ihre Spielgeräte in die Luft und fielen auf dem Eis übereinander her. Obwohl sich die Tschechen am Samstag erst nach Penaltyschießen gegen den späteren Bronzemedaillengewinner Schweden durchgesetzt haben, begannen sie trotz der zusätzlichen Kraftanstrengung spritziger. Gerade mal 20 Sekunden brauchte Jakub Klepis, um Russland das erste Mal zu schocken. Das 1:0. Danach berannten die Russen das tschechische Tor und platzierten deutlich mehr Schüsse, wirklich innovativ zeigten sich dabei meist aber nicht.

Stattdessen erhöhte Tomas Rolinek im Mitteldrittel sogar auf 2:0 für Tschechien. Und die in der mit 19.132 Zuschauern vollbesetzten Kölnarena zahlreich vertretenen Russen waren zwischenzeitlich kaum mehr zu hören. Kein Wunder, kassierte ihre Mannschaft nach 27 WM-Siegen in Folge doch wieder eine Niederlage. Eine Niederlage gegen ein clever aufspielendes tschechisches Team, das gegen die energischen, aber glück- und teilweise sogar harmlos auftretenden Russen. Superstar Alexander Owetschkin von den Washington Capitals brachte wie schon im Halbfinale gegen Deutschland nicht wirklich viel zustande. Während des Turniers war der Stürmer zusammen mit einigen Kollegen noch rauchend und saufend durch das Kölner Nachtleben gezogen - dummerweise hat ihn ein Passant dabei gefilmt und das Video im Internet verbreitet.

Daran allein lag es aber wohl nicht, dass die Russen ihren Titel nicht verteidigen konnten. Gegen Ende des Spiels gegen die Tschechen bauten sie ihren Frust darüber durch Gewalt ab. Eine Strafe nach der anderen setzte es im Schlussdrittel. Verteidiger Alexei Jemelin handelte sich nach einem harten Check gegen Jagr sogar noch eine Spieldauerstrafe ein. Der Ärger Russlands war nicht zu übersehen. Selbst als sie 35 Sekunden vor Schluss durch Pawel Dazjuk noch zum Anschluss kamen, wollten sie sich nicht beruhigen. Kein Olympiasieg, kein WM-Sieg. Dafür wird es trotz Silber wohl wieder einige Kritik im Land geben.

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