Sport : Finale unter Freunden

„Alba II“ wurde der Gegner der Berliner genannt – jetzt will Köln den Titel

Benedikt Voigt

Berlin - Den Anzug vom Donnerstagabend kann Walter Pütz wegschmeißen. „Der ist ruiniert“, sagt der Präsident der Basketballer von Rhein Energie Köln. Pütz hatte sich kurz nach der Schlusssirene in der Bamberger Jako-Arena in das freudetrunkene Gewühl aus Spielern, Trainern und Verantwortlichen geworfen. Auch einen Tag danach bereut er diese Tat nicht. „Ich musste da rein“, sagt Pütz. Irgendwo unter ihm lag der Kölner Held dieses Spiels, Aleksandar Nadjfeji, der mit einem Dreier in der letzten Spielsekunde einem dramatischen fünften Halbfinalspiel ein denkwürdiges Ende (69:68) beschert hatte.

„Das wird ein Finale unter Freunden“, sagt Kölns Präsident Walter Pütz. Wenn Rhein Energie Köln am Sonntag in der Max-Schmeling-Halle (19.30 Uhr, live bei Premiere) gegen Alba Berlin zum ersten Finalspiel in der Serie nach dem Modus „Best of Five“ antritt, treffen zwei eng verbundene Vereine aufeinander. „Wir sind auf allen Ebenen befreundet“, sagt Pütz, „jetzt müssen wir neue Aggressivität aufbauen.“ Alba II sind die Kölner nach ihrer Vereinsgründung vor fünf Jahren genannt worden, weil viele Akteure des Vereins aus Berlin stammten.

Inzwischen hat Köln jedoch ein eigenes Profil gewonnen, im aktuellen Team steht mit Guido Grünheid nur noch ein ehemaliger Berliner Spieler. Zwar setzt der Klub wie Alba Berlin auf einen jungen Trainer mit einem erfahrenen Kotrainer. Das sei aber keine Idee gewesen, die man von Alba abgeschaut habe, sagt Pütz. „Es war schon seit zwei Jahren klar, dass Sascha Obradovic nach seinem Karriereende Trainer bei uns wird“, sagt Pütz.

Der zweite Finaleinzug – 2001 verlor Köln mit 0:3 gegen Alba – hilft dem Verein, sich besser in der Stadt zu verankern. „Wir hätten gerne das Fanpotenzial von Berlin, Bamberg oder Bonn“, sagt Pütz, „oder die Sponsoren von Berlin.“ Er gibt den Etat mit weniger als 3,5 Millionen Euro an. Doch in Köln wächst die Begeisterung für Basketball. Innerhalb von zwei Stunden waren die 3300 Tickets für das zweite Finalspiel am Donnerstag ausverkauft. Pütz betont, dass sein junges Überraschungsteam sich nicht mit Erreichen des Finales zufrieden geben will. „Wir haben Blut geleckt“, sagt der Vereinschef, „jetzt wollen wir alles.“ Im Erfolgsfall dürfte er sich wieder ins Gewühl werfen.

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