Sport : Finale!

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Von Stefan Hermanns

Seoul. Was hatte die deutsche Mannschaft nicht alles an Kritik ertragen müssen. Schlecht hätte sie gespielt, glücklich sei sie bei der WM weitergekommen. Im Halbfinale aber kam nun der Moment, an dem Rudi Völlers Team alle Nörgler widerlegte. Toll gespielt, toll gekämpft und verdient 1:0 (0:0) gegen Südkorea gewonnen. Michael Ballack hatte in der 75. Minute das entscheidende Tor geschossen. Nun steht Deutschland am Sonntag gegen den Sieger aus Brasilien gegen Türkei im WM-Finale. Ballack war trotz seines Tores der traurigste deutsche Spieler. Kurz vor dem Siegtreffer hatte er die Gelbe Karte gesehen. Da es seine zweite in der Finalrunde war, ist er für das Endspiel am Sonntag in Yokohama gesperrt.

Die 64 677 Zuschauer im World Cup Stadium zu Seoul hatten Deutschland mit unaufhörlichen Gesängen und Getrommel empfangen. Später pfiffen die Südkoreaner den Gegner zum ersten Mal bei dieser WM sogar aus. Die Mannschaft des holländischen Trainers Guus Hiddink hielt ebenfalls nichts von der angeblich so asiatischen Zurückhaltung. In der achten Minute trieb Lee Chun-soo das Publikum zum ersten Mal zu neuen Dezibel-Rekorden, die am Spielfeldrand durch Leuchtdioden angezeigt werden. Nach einem Haken im Strafraum versetzte er Abwehrspieler Thomas Linke und schoss aus spitzem Winkel auf das deutsche Tor. Aber es war, als freute sich Oliver Kahn über diese Prüfung zu Beginn. So konnte der Torhüter gleich zeigen, warum er Mannschaftskapitän und einziger Star des deutschen Teams ist. Kahn hechtete zur Seite und klatschte den Ball mit der Handfläche aus der Gefahrenzone. Es sollte schon seine schwierigste Prüfung dieser Partie gewesen sein.

Völlers Team dominierte die Partie. Als hätte sie sich die Kritik nach dem unansehnlichen Viertelfinalerfolg über die USA zu Herzen genommen, spielte das deutsche Team konzentrierter und engagierter. Rudi Völler hatte auf der linken Seite Christian Ziege aus dem Spiel genommen und Marco Bode gebracht. Torsten Frings, der ein beachtenswertes Spiel machte, hatte Völler in die Abwehr beordert, wo Carsten Ramelow Sebastian Kehl ersetzte. Fertig war die Viererkette, die sich in der ersten Halbzeit als stabil erwies.

Im Angriff hatten die überlegenen Deutschen die besseren Chancen. Ramelow hatte in der zweiten Minute einen Warnschuss Tor abgegeben, und so ging es weiter. Oliver Neuville trat den Ball von der Strafraumgrenze volley aufs Tor von Lee Woon-jae, Marco Bode versuchte gar einen Fallrückzieher im Strafraum. Die Rumpelfüßler entdeckten das Fußballspielen. Nach einer Eckenvariante hatte Bode Pech, dass seine Rückgabe per Kopf keinen Mitspieler fand.

Das deutsche Team hätte optimistisch in die Pause gehen können, wenn da nicht die Verletzung von Miroslav Klose gewesen wäre. „Leider hat Klose eine Rippenprellung erlitten“, sagte Trainer Michael Skibbe, „wenn er nicht mehr kann, kommt Oliver Bierhoff.“ In der 68. Minute war das dann der Fall. Dann aber schlugen die unglücklich-glücklichen Minuten des Michael Ballack. An der eigenen Strafraumgrenze wusste er einen Angriff der Südkoreaner nur noch mit einem Foul zu stoppen. Der Mittelfeldspieler sah dafür die Gelbe Karte – seine zweite in der Finalrunde, weshalb er nun im nächsten Spiel aussetzen muss. Dass dies im Finale am Sonntag sein wird, dafür sorgte Ballack drei Minuten später selber. Neuville hatte den Ball von der rechten Seite hineingespielt, Bierhoff wollte schießen, dann sah der Stürmer, dass Ballack aus dem Hintergrund heranstürmte. Mit seinem ersten Schuss konnte er Lee Woon-Jae noch nicht überwinden, im Nachsetzen aber setzte er den Ball zum entscheidenden 1:0 ins Tor. Die Südkoreaner bemühten sich in der Schlussphase um den Ausgleich, doch die beiden Verlängerungen im Achtelfinale und Viertelfinale hatten zu viel Kraft gekostet. Vier Minuten Nachspielzeit mussten die Deutschen überstehen, dann rissen sie die Arme hoch: Finale!

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