Sport : Finalsieg für 96 000 Euro?

Neue Vorwürfe belasten den THW Kiel

Erik Eggers

Hamburg - Die neuesten Entwicklungen rufen wieder Entsetzen hervor, auch bei Dieter Hein. Er fungiert als Vorsitzender des THW Kiel e.V., als solcher vertritt er den Verein als Gesellschafter bei der THW Kiel Handball-Bundesliga GmbH & Co. KG. Selbstverständlich weiß er um die Wirkung der aktuellen Schlagzeilen in dem vermeintlichen Bestechungsskandal, die den deutschen Rekordmeister seit einer Woche betreffen. „Das sind wieder nur Gerüchte und Spekulationen. Wenn da etwas ist, müssen endlich Beweise auf den Tisch“, erklärte Hein gegenüber dem Tagesspiegel. „Ich bin jetzt dafür, Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten, sonst nimmt diese Sache nie ein Ende.“

Die Details, die der „Spiegel“ am Samstag vorab meldete, sind sehr präzise: Der THW Kiel soll seit dem Jahr 2000 mindestens zehn Spiele in der Handball-Champions-League verschoben haben, unter anderem das Finalrückspiel 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt (29:27), als die Kieler erstmals die europäische Königsklasse gewannen. Das Nachrichtenmagazin beruft sich auf einen Gesellschafterbeschluss des Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen vom 17. Februar 2009. Demnach haben die Gesellschafter von einer Beschäftigung Zvonimir Serdarusic als Löwen-Trainer abgesehen. Die Gesellschafter, so steht es in dem protokollierten Beschluss, gingen davon aus, dass Serdarusic und Schwenker diverse Schiedsrichterbestechungen begangen haben sollen.

Serdarusic, der vom THW Kiel im Juni 2008 nach 15-jähriger Tätigkeit und elf nationalen Meistertiteln überraschend beurlaubt worden war, hatte im Dezember einen Dreijahresvertrag bei den Löwen unterschrieben, diesen Vertrag aber am 25. Februar ebenso überraschend wieder aufgelöst, angeblich aus gesundheitlichen Gründen. Was damals mit vielen Fragezeichen aufgenommen wurde, ergibt heute ein klareres Bild. Denn Serdarusic soll laut „Spiegel“-Informationen vor dieser Vertragsaufhebung in einem weiteren Treffen in seinem Kieler Haus weitere pikante Details preisgegeben haben: Er habe Kenntnisse gehabt von diversen Bestechungsversuchen und vollzogenen Bestechungen, er habe auch dabei mitgewirkt. Dabei soll er Mittelsmänner genannt und entsprechende Kontoauszüge präsentiert haben. Das Champions-League-Finalrückspiel 2007 soll laut Angaben von Serdarusic 96 000 Euro gekostet haben. Serdarusic hatte die Vorwürfe, die seit sieben Tagen im Raum stehen, wie Uwe Schwenker vehement abgestritten.

Der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL) Frank Bohmann glaubt nun, dass inzwischen nur die Justiz diesen prekären Fall aufklären könne: „Wir sind am Ende angelangt. Das hat eine Qualität erreicht, die wir als HBL nicht leisten können.“ Erik Eggers

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben