Sport : Finanzielles Desaster

Dem BHC droht die Ausrichtung der Hockey-Finalrunde

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Berlin. Freiwillige vor, so lautet mit schöner Regelmäßigkeit das Motto, wenn der Deutsche Hockey-Bund (DHB) halbjährlich für die Meisterschaftsendrunden der Frauen in der Halle und im Feld einen Ausrichter sucht. Während für die Finalturniere der Männer immer mindestens ein Interessent vorhanden war, „finden bei den Frauen viele Vereine das Risiko unkalkulierbar“, sagt DHB–Sportdirektor Lutz Nordmann.

Daran trägt nach Auffassung von Stefan Zipter, dem Geschäftsführer des Berliner HC, der DHB Mitschuld: „Der Verband kann nicht nur sämtliche Rechte für sich reklamieren.“ Mit Zuschauereinnahmen sei eine Endrunde nicht zu finanzieren, weil davon die Reisekosten von Gegnern und Schiedsrichtern bestritten und auch ein etwaiger Gewinn geteilt werden müssten. Zudem verlangt der DHB eine Lizenzgebühr und die Präsenz seiner Sponsoren, was schon mal dazu führte, dass der für eine andere Automarke werbende BHC die Endrunde zurückgab. Als „finanzielles Desaster“ betrachtet Zipter die wirtschaftliche Seite einer Bewerbung.

Für die Endrunde am letzten Septemberwochenende fand sich bis jetzt kein Ausrichter. Deshalb erinnerte sich der zuständige Ligaausschuss an einen Passus der Spielordnung, nach der Vereine mit der Ausrichtung beauftragt werden können. Im Viertelfinale trifft der Erstplatzierte der Bundesliga Gruppe Süd auf den Nord-Vierten. Der Sieger dieser Paarung wiederum wurde auserkoren, eine Woche später die Endrunde auszurichten. Der BHC ist als Süd-Spitzenreiter somit akut gefährdet. Erschwert wird die Planung dadurch, dass der tatsächliche Ausrichter erst sechs Tage vor der Endrunde mit Ausspielung des Viertelfinals feststeht.

Beim BHC wurde vorgesorgt. Stefan Zipter hat Hotelzimmer reserviert und „alles so vorbereitet, dass man am Montag vor der Endrunde loslegen kann“. Der BHC plant ohne Tribünen und VIP–Zelt und rechnet mit Kosten von rund 5000 Euro.

Einen Rückzug auf den zweiten Tabellenplatz schließt Zipter trotz aller Unzufriedenheit mit der Situation aus. „Wir können den Spielerinnen schlecht sagen: Verliert jetzt mal“, sagte er vor der heute mit einem Heimspiel gegen TuS Lichterfelde (15 Uhr, Wilskistrasse) beginnenden zweiten Saisonhälfte. Martin Scholz

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