Sport : Finanzielles Wettrüsten für den Aufstieg

Bei den Fußball-Managern des Nordostens gilt der Taschenrechner als heißer Geschenk-Tipp: Unmittelbar vor dem Weihnachtsfest sind bei den aufstiegswilligen Regionalliga-Vereinen die Lizenz-Unterlagen für die kommende dritte Profiliga eingegangen. Trotz der zurzeit in Zwickau, Stendal und Leipzig laufenden Insolvenzverfahren und weiterer drohender Pleiten herrscht bei den unverzagt "wettrüstenden" Vereinen Optimismus, während der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) eine hartes Lizenzierungs-Verfahren durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) fordert.

Mit den Worten: "Wir werden alle Unterlagen pünktlich einreichen und sind optimistisch, alle Prüfungen zu bestehen", gibt Sachsen Leipzigs Manager Gerd Achterberg die Stimmung in nahezu allen Vereinen der Liga wieder. Allerdings plagen den durch reichliche Zuwendungen von Top-Sponsor "Kinowelt" beschenkten Tabellenzweiten weit weniger Geldsorgen als die meisten anderen Vereine, die "jeden Tag um jede Mark kämpfen müssen", wie Erfurts Manager Heinz-Joachim Jungnickel erklärt.

Tabellenführer 1. FC Union, dem bereits dreimal der Aufstieg in die Zweite Liga wegen fehlender wirtschaftlicher Voraussetzungen verwehrt worden ist, steht nunmehr mit der "Kinowelt" im Rücken ebenso solide da wie Ex-Bundesligist Dynamo Dresden, der anders als Union und der FC Sachsen allerdings von sportlichen Qualifikations-Ängsten geplagt wird. Schließlich rücken nur sieben Teams des Nordostens in die neue dritte Liga auf.

Bis jetzt haben nur Zwickau und Stendal das Aufstiegsziel abgehakt, nachdem sich beide Teams beim Geldausgeben auf dem Spielermarkt völlig übernommen hatten. Achterberg rechnet mit "mindestens zwei weiteren bevorstehenden Pleiten", ohne Namen nennen zu wollen. Vielleicht trifft es den zehnmaligen DDR-Meister BFC Dynamo, dem laut Vizepräsident Ralf Rose noch 500 000 Mark im 2,3-Millionen-Etat der laufenden Saison fehlen. Dagegen ist der finanziell bankrotte VfB Leipzig nach drei Punktspiel-Siegen in Reihenfolge sportlich wieder auf einem Aufstiegsplatz und hofft trotz Millionenschulden auf eine DFB-Lizenz.

NOFV-Geschäftsführer Klaus Petersdorf geht gegen das Pleite-Image der Liga an. "Wir sind keine Chaos-Liga. Dass Vereine in die Insolvenz gehen, gehört auch in anderen Regionalligen zur Realität. Die sportliche Qualität im Nordosten ist extrem gut, der Zuschauer-Schnitt mit mehr als 3000 pro Spiel im Vergleich der Beste aller vier Staffeln." Allerdings räumt Petersdorf ein, dass "einige Vereine sehr blauäugig an das Lizenzierungsverfahren herangehen" und fordert "eine strenge Prüfung der Unterlagen".

Aues Manager Lutz Lindemann, dessen Verein aus dem Erzgebirge derlei Kontrollen schon mehrfach "ohne große Auflagen" bestanden hat, geht noch einen Schritt weiter: "Ein überschuldeter Verein dürfte die Lizenz aus meiner Sicht gar nicht erst beantragen. Wie wollen die sich denn schuldenfrei und finanziell potent rechnen?" Mit den Etat-Ansätzen für die kommende dritte Liga (zumindest die sportlich bestplatzierten Teams von Union, Sachsen und Aue reichen auch die Unterlagen für die Zweite Liga ein) halten sich die Vereine derzeit noch zurück. Größter Wunsch der NOFV-Verantwortlichen ist laut Petersdorf ohnehin, "dass erst einmal alle Vereine die Saison zu Ende spielen". PETER STRACKE (sid)

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