Finanzkonzept : Verkaufen, wenn der Preis stimmt

Der Abstieg ist so gut wie besiegelt, die Stimmung bei allen am Boden und dann ermittelt auch noch die Polizei. Auch der sofortige Wiederaufstieg wird für Hertha schwierig zu finanzieren sein.

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Gehen oder bleiben. Die Hertha-Profis spielen jetzt durch, was mit ihnen passiert. Drobnys Vertrag läuft aus. Der von Kacar...Foto : dpa

BerlinBei Hertha hätte vieles anders laufen können in dieser Woche, wäre da nicht die Niederlage gegen Nürnberg gewesen, die dem Klub und seinem Anhang die allerletzte Hoffnung geraubt hat. Im Hintergrund wird nun eine Arbeit verrichtet, auf die man gern verzichtet hätte. Herthas Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller muss jetzt einen Plan für die Zweite Liga zusammenzimmern.

„Sofortiger Wiederaufstieg – das ist unsere Verpflichtung. Wir werden bis Mitte April ein schlüssiges Konzept für die Zweite Liga vorlegen“, sagte Herthas Präsident Werner Gegenbauer. Das ist nicht nur eine sportliche Herausforderung, sondern erst recht eine wirtschaftliche. Zum Stichtag 30. Juni 2009 wies der Berliner Bundesligist Verbindlichkeiten in Höhe von rund 33 Millionen Euro aus. Die Schulden erhöhten sich im Winter noch einmal um drei Millionen Euro, da Hertha auf dem Transfermarkt tätig war. Dass die wirtschaftliche Situation brenzlig ist, wird bei Hertha niemand ernsthaft bestreiten. Zwar könne Schiller „ausschließen“, dass der drohende Abstieg „die Existenz des Vereins“ gefährdet, aber in Wirklichkeit geht es doch nur um die Frage: Mit welchem Kader geht Hertha in die Zweite Liga? Ein Kader, der die Option eines sofortigen Wiederaufstiegs in sich trägt, ist weit kostspieliger und wohl auch nur eine Saison lang finanzierbar. Hertha wird entscheiden müssen: Geht der Klub ein hohes Risiko ein oder wird er konservativ planen, dafür aber in Kauf nehmen, ein wenig Zeit zu verbringen im Unterhaus?

Was die sportliche Perspektive anbelangt, wird Manager Michael Preetz zu entscheiden haben, mit welchem Trainer er in die neue Spielzeit gehen will. Der Vertrag mit Friedhelm Funkel würde sich nur bei Klassenerhalt verlängern. Davon ist nicht auszugehen. Ein Kandidat wird aber bald feststehen müssen, da nur in enger Zusammenarbeit mit diesem die personelle Planung der künftigen Mannschaft vorgenommen werden sollte. Gut möglich, dass dieser Kandidat offiziell erst auf der Mitgliederversammlung im Mai präsentiert wird, die mit Sicherheit turbulent werden könnte.

Vermutlich werden dann auch erst die konkreten Gespräche mit den Spielern geführt. Bekanntermaßen besitzt ein Großteil der jetzigen Spieler Verträge, die auch in der Zweiten Liga Gültigkeit haben. Auf Leihbasis sind derzeit die Herren Hubnik, Kringe, Cicero, Gekas und Pejcinovic tätig. Zudem laufen die Verträge von wichtigen Spielern wie Drobny, von Bergen und Dardai aus. Spieler wie Friedrich, Ebert, Raffael oder Kacar müssten dagegen von der Konkurrenz aus ihrem Anstellungsverhältnis herausgekauft werden. Wie der Tagesspiegel erfuhr, ist für jeden der vertraglich gebundenen Spieler eine finanzielle Untergrenze festgesetzt worden. Wird diese auf dem Markt überschritten, würde Hertha sich auch von Spielern trennen, die der Klub gern behielte. Auf Grund der wirtschaftlichen Zwänge lautet die Devise: Niemand ist unersetzlich.

Allerdings sind einige Kriterien zu beachten. Wie hoch ist das Gehalt? Wie sehr benötigt man den Spieler? Wird mit dem Spieler der Wiederaufstieg wahrscheinlicher? Einen Spieler wie Kacar, der auf dem Markt eine gewisse Summe bringen könnte, möchte Hertha gern halten. Zumal das Gehalt des Serben nicht so weit entfernt von Zweitligabezügen liegt wie das von Kapitän Friedrich, der etwa das Dreifache verdient. Voraussetzung aller Überlegungen ist aber, möglichst viel Geld zusammenzutragen. In der Zweiten Liga wird das TV-Geld um die Hälfte geringer ausfallen. Auch Herthas Erlöse aus dem Sponsoring sinken. Der Vertrag mit Hauptsponsor „Deutsche Bahn“, der 2009 um zwei weitere Jahre verlänergt wurde, bleibt gültig, allerdings zu reduzierten Konditionen, wie ein Bahnsprecher dieser Zeitung sagte. Herthas Etat muss reduziert werden – um mehr als 40 Prozent auf rund 40 Millionen Euro. Die Personalkosten von rund 31 Millionen Euro werden fast um die Hälfte zusammengestrichen. Das Geld aufzutreiben ist die schwierigste Aufgabe. Schon als Tabellenvierter des Vorjahres hatte Hertha faktisch kein Geld für echte Verstärkungen.

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