Finanzprobleme : Schalke und das Geld: Die Situation spitzt sich zu

Schalke 04 plagen weiterhin gewichtige Liquiditätsprobleme. Nun soll der Klub sogar um Stundung der Grundsteuer für das Gelände um die Arena bei der Stadt Gelsenkirchen nachgefragt haben.

Jörg[Gelsenkirchen],Strohschein[Gelsenkirchen]

Pure Verzweiflung steht Felix Magath noch nicht ins Gesicht geschrieben. Mit fast stoischer Gelassenheit antwortet der trainierende Manager des FC Schalke 04 seit zwei Wochen vor allem auf Fragen, die sich nicht mit der sportlichen Entwicklung der Mannschaft, sondern vielmehr um die finanzielle Ausstattung des Vereins drehen. Den mit 136,7 Millionen Euro verschuldeten Verein werden gewichtige Liquiditätsprobleme nachgesagt.



Auch vor dem Spiel am vergangenen Freitagabend gegen den VfL Wolfsburg ging es wieder einmal um das liebe Geld. Kurz vor der Partie war bekannt geworden, dass der Klub um Stundung der Grundsteuer für das Gelände um die Arena bei der Stadt Gelsenkirchen nachgefragt habe. Dabei handelt es sich um einen Betrag im unteren sechsstelligen Bereich. „Es geht darum, ob der Verein gesund oder nicht gesund ist.

Dass kein Geld da war, das habe ich gewusst. Dass die Löcher hinterher immer ein bisschen größer werden als vorher gedacht, das ist ja auch normal. Aber die werden wir in den nächsten Wochen und Monaten problemlos schließen“, sagte Magath und schaute dabei so optimistisch drein, als müsste er lediglich einen komplizierten Freistoßtrick mit seiner Mannschaft einüben. Es geht bei den Schalkern nicht mehr darum, zu leugnen, dass sie in eine klubinterne Finanzkrise geraten sind. Sie üben gerade den Umgang damit und versuchen möglichst wenig Aufsehen zu erregen.

Peter Peters hat nach der Entmachtung von Josef  Schnusenberg als Finanzvorstand überraschend dessen Geschäfte übernommen. Derzeit soll eine Unternehmensberatung damit beauftragt sein, dass Schalker Firmengeflecht genauestens zu durchleuchten. Peters, der sich bei der Diskussion um die aktuelle Finanzsituation zuletzt wenig auskunftsfreudig gab, räumte im jüngsten Vereinsmagazin „Schalker Kreisel“ grundlegende Veränderungen in der in den letzten Jahren überaus üppigen Finanzpolitik ein. „Richtig ist, dass wir uns in diesem Bereich konsolidieren und dementsprechende Einsparungen vornehmen müssen. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir mit der Stadt Gelsenkirchen, unseren Partnern und Sponsoren sowie den Banken verlässliche Partner besitzen.“ 


Es werden Personen bezahlt, die gar keine Rolle mehr spielen

Der erste Schritt bei der Stadt scheint erfolgreich gewesen zu sein, die Sponsoren und Banken die mit den Schalkern zusammenarbeiten, werden in den kommenden Tagen und Wochen wohl ebenfalls von Peters kontaktiert werden. Er soll vom Aufsichtsrat die Aufgabe erhalten haben, bis zur Winterpause 20 Millionen Euro, nach der Winterpause weitere 10 Millionen Euro zu beschaffen. Insider im Klub befürchten, dass diese Summen nicht ausreichen könnten. In Zeiten globaler Wirtschaftskrisen und Kreditklemmen sicher eine wenig erfreuliche Arbeit. Aber wohl dringend notwendig, weil den Schalkern die Kosten davonzulaufen scheinen. Der Etat für die Profimannschaft dürfte sich mittlerweile trotz Einsparankündigungen von rund 55 Millionen auf über 60 Millionen Euro erhöht haben.

Neben Magath und seinem Trainerstab, die insgesamt rund acht Millionen Euro verschlingen sollen, wurden die Verträge von Jermaine Jones, Heiko Westermann und Benedikt Höwedes zu erhöhten Bezügen verlängert. Zudem erhält Ex-Manager Andreas Müller weiterhin seine Bezüge und auch Ex-Trainer Fred Rutten sowie dessen ehemalige Assistenten Youri Mulder und Mike Büskens dürften weiterhin von schalkes Zahlungen partizipieren.

Auch Spieler wie Zé Roberto oder Carlos Großmüller sind mit bemerkenswerten Kontrakten ausgestattet und müssen entlohnt werden, obwohl sie noch nie eine Rolle im Teamkader gespielt haben. Zins und Tilgung für die Arena (ca. 195 Mio.) sowie einer Anleihe zur Ablösung alter Schulden (85 Mio.) fordern noch auf Jahre jährlich rund 20 Millionen Euro vom Klub. Verträge die wohl auch vor dem Hintergrund einer boomenden Wirtschaft und der Hoffnung auf eine sich stetig verbessernde Mannschaft sowie dem Wunsch auf eine dauerhafte Teilnahme an den internationalen Wettbewerben abgeschlossen worden sind.

Im Gegensatz dazu stehen die verringerten Einnahmen. Erstmals seit acht Jahren ist der Klub allerdings nicht mehr im internationalen Geschäft tätig. Der achte Tabellenplatz in der Bundesliga sorgte zudem dafür, dass die Schalker auch geringere Fernseheinnahmen (rund 23 Mio.) in der laufenden Saison verbuchen werden können. Und die garantierten Einnahmen aus dem Vertrag mit Hauptsponsor Gazprom sowie Teile des jüngst erneuerten Abkommens mit Ausrüster Adidas hat der Klub an eine englische Bank abgetreten (Forfaitierung) und sich vorab auszahlen lassen. So hat Schalke im Februar 2007 44,7 Millionen Euro durch den Gazprom-Deal erhalten.

Wohin sind die Millionen verschwunden?

Im August 2009 aus dem Adidas-Geschäft 12,7 Millionen Euro. Der Klub erwirtschaftet im Rahmen dieser Verträge in den nächsten Jahren aber nur noch zusätzliches Geld, wenn er besonderen sportlichen Erfolg hat und Prämien ausgezahlt werden können. Durch Spielerverkäufe sind in den vergangenen drei Jahren noch einmal rund 30 Millionen Euro dazugekommen. Aber wohin sind die Millionen verschwunden?

Die unvernünftige Zusammenstellung der Mannschaft mit üppigen Transfersummen und unangepassten Gehältern der jüngeren Vergangenheit haben ihre Spuren hinterlassen. Trotz der Teilnahme an der Champions League haben sich die Verbindlichkeiten laut Geschäftsbericht 2008 noch einmal um 30 Prozent erhöht. Dass der Aufsichtsrat als Kontrollgremium unter Vorsitz von Clemens Tönnies die Vorschläge der sportlichen Führung stets abgenickt hat, sagt viel über die fehlende sportliche Kompetenz dieses Gremiums aus.

Die Konsequenzen werden einschneidend sein. Die Konsolidierung des Etats dürften dazu führen müssen, dass Spitzenverdiener wie Kevin Kuranyi oder Halil Altintop, deren Verträge am Saisonende auslaufen, den Klub verlassen werden. Spitzenkräfte wie Rafinha oder Manuel Neuer, die beide noch einen laufenden Kontrakt besitzen, dürften spätestens am Saisonende transferiert werden, damit noch Ablösesummen erzielt werden können. Zudem sind die Schalker noch im Besitz des Stadions sowie der Vermarktungsrechte des Klubs.

Diese Werte könnten ebenfalls zur Veräußerung angeboten werden, was allerdings den Verkauf des Tafelsilbers bedeuten würde. Auch Fleischfabrikant Clemens Tönnies in der jüngeren Vergangenheit schon einmal mit Privatkrediten an den Klub für Liquidität gesorgt. Felix Magath hatte bei Amtsantritt angekündigt, spätestens in vier Jahren Deutscher Meister mit den Schalkern werden zu wollen. Künftig hat er aber wohl erst einmal die Aufgabe, mit jungen Talenten eine neue Mannschaft zu formen, die für sportliche Überraschungen trotz geringeren Etats sorgen kann. Zuletzt war dies in Gelsenkirchen eher umgekehrt. Aber auch Neuanfänge sind sie bei Schalke schon fast traditionell gewohnt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben