Sport : Fingerübungen eines Verteidigers

HSV bestraft Atouba für seine Entgleisung

Karsten Doneck[Hamburg]

Stefano Farina wahrte einen gewissen Sicherheitsabstand. Zwei, drei Meter vielleicht. Aus dieser Entfernung zeigte der italienische Schiedsrichter dem just ausgewechselten Thimothee Atouba die Rote Karte. Der Verteidiger des Hamburger SV ließ mehr Nähe nicht zu. Beim Champions-League-Spiel gegen ZSKA Moskau hatte er in der 69. Minute völlig die Kontrolle verloren. Dreimal zeigte er dem Publikum nach seiner Auswechslung wutschnaubend den gestreckten Mittelfinger, ließ sich auch von Kotrainer Ralf Zumdick nicht beruhigen. „Solche Reaktion – das geht gar nicht“, rügte Bernd Hoffmann. Der HSV-Vorstandschef eilte Atouba sofort nach der Aktion hinterher in die Kabine und schickte den Mann aus Kamerun unverzüglich heim, „um eine weitere Eskalation zu vermeiden“, so Hoffmann. Atouba verschwand eiligst aus der AOL-Arena, Augenzeugen zufolge noch ungeduscht.

Mit dem 3:2-Sieg gegen den Russischen Meister hatte der HSV seine Leidenszeit ein wenig gemildert, aber Atoubas Ausraster drückte die Freude über den zweiten Sieg im 24. Saisonspiel. „Bei der Unterstützung, die uns die Fans in unserer Lage immer noch geben“, könne man sich eine Reaktion wie die von Atouba nicht leisten, sagte Hoffmann.

Der Unmut der Zuschauer hatte sich nach dem Tor zum 1:2 auf Atouba fokussiert. Zu halbherzig habe er den Schützen Schirkow attackiert. Fortan wurde der 24-Jährige, bekannt für eine aufreizend lässige Spielweise, bei jedem Ballkontakt ausgebuht. Atouba signalisierte daraufhin, er wolle ausgewechselt werden. Das Wutgeheul auf den Rängen steigerte sich ins Ohrenbetäubende. Als Trainer Thomas Doll dem Wunsch Atoubas nachkam, reagierte der Spieler mit dem Mittelfinger – zum Glück für den HSV erst nach Vollzug der Auswechslung, weshalb die Mannschaft trotz Roter Karte vollzählig weiterspielen durfte.

Gestern bekam Atouba eine empfindliche Geldstrafe vom Verein aufgebrummt, er wurde zudem vereinsintern für zwei Bundesligaspiele suspendiert. Obendrein setzte er über Sportchef Dietmar Beiersdorfer eine Entschuldigung in Umlauf. „Ich habe dem Verein und der Mannschaft großen Schaden zugefügt“, ließ Atouba ausrichten. Doll mahnte Verständnis für den Übeltäter an: „Er war ja schon verwarnt. Wenn er vor dem zweiten Gegentor richtig hingeht, hätte er Rot gesehen, und wir hätten mit zehn Mann weiterspielen müssen.“ Doll sagt auch: „Als Afrikaner ist er ein sehr sensibler Mensch. Ihm taten die Pfiffe sehr weh.“ Der HSV vertraut darauf, dass sich während der Winterpause die gestörte Beziehung zwischen den HSV-Fans und Atouba einrenken lässt. Und wenn nicht? Atouba wollte ja schon im Sommer weg aus Hamburg. Er fühlte sich unterbezahlt.

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