Sport : Finnland jubelt

Der Weitspringer Evilä gewinnt die erste Medaille

Friedhard Teuffel

Helsinki - Tommi Evilä verwandelte sich auf einmal von einem Weitspringer in einen Ordensritter. Er warf sich die finnische Fahne mit ihrem blauen Kreuz wie einen Umhang über und eroberte den Rasen des Olympiastadions. Das Publikum hatte er längst für sich eingenommen, es johlte und juchzte zum Takt seiner Arme. Evilä stieg auf einen Kasten und dirigierte die Massen. Es war die richtige Pose, denn der 25-Jährige hatte, man muss es so sagen, die Ehre seines Landes verteidigt. Wie hätte es sein können, dass Finnland bei dieser WM keine Medaille gewinnt, dieses Finnland, aus dem die Leichtathletik-Legenden Paavo Nurmi und Lasse Viren stammen? Tommi Evilä ist mit Finnland in den Medaillenspiegel gesprungen, durch seine Bronzemedaille liegt Finnland nun auf Platz dreißig, immerhin gleichauf mit Ländern wie Italien, Rumänien und Ungarn.

Der ehemalige Fußballspieler Evilä schaffte mit seinen Beinen das, was den Speerwerfern mit ihren Armen nicht gelungen war. Er versöhnte das Publikum, das in den vergangenen Tagen unter Wind und Regen zu leiden hatte und auf den harten Holzbänken des Olympiastadions von 1952 auch nicht besonders kommod saß. Evilä hatte den 40 000 Zuschauern dazu noch einen spannenden Wettkampf geboten. Die ersten beiden Versuche waren ungültig, dann rettete er sich mit 8,16 Metern vor dem Ausscheiden. Im fünften Versuch gelangen ihm dann mit Unterstützung des Windes 8,25 Meter, ein Zentimeter mehr als dem Spanier Joan Lino Martinez.

„Ich sehe nicht, warum ich nicht irgendwann noch weiter nach vorne kommen kann, wenn ich gesund bleibe“, sagte Evilä. Nils Winter aus Leverkusen landete auf dem zwölften Platz. Weltmeister wurde der Amerikaner Dwight Philipps mit 8,60 Metern. Es war sein einziger gültiger Versuch.

Im Jubel des Publikums ging der Erfolg der französischen 100-Meter-Staffel beinahe unter. Dabei war es eine Überraschung, denn nach dem zweiten Platz bei der WM 1991 in Tokio hatte die französische Staffel keine Medaille mehr gewonnen. Für die Franzosen lief auch der neue Weltmeister über 110 Meter Hürden, Ladji Doucouré. Die deutsche Sprintstaffel mit Alexander Kosenkow, Marc Blume, Tobias Unger und Marius Broening stand zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder im Finale und wurde in 38,48 Sekunden Siebter, vor Japan.

Nadine Kleinert war mit weit besseren Referenzen in ihr Finale gegangen. Die Kugelstoßerin aus Magdeburg hatte im vergangenen Jahr bei Olympia die Silbermedaille gewonnen. Diesmal wurde es nichts mit einer Medaille, sie wurde Fünfte mit 19,07 Metern, während Nadeschda Ostpatschuk aus Weißrussland mit 20,51 Metern die Goldmedaille gewann. Ostpatschuk war die einzige, die über 20 Meter kam, und das gleich in allen vier gültigen Versuchen. Nadine Kleinert schien mit ihrem fünften Platz nicht unzufrieden: „Seit 1997 war ich in der Freiluftsaison immer im Finale. Welche deutsche Athletin hat das schon geschafft?“ An diesem Sonntag soll es nun einen versöhnlichen Abschluss geben für die deutschen Leichtathleten – mit einem guten Resultat der 4-mal-400 Meter-Staffel der Frauen, die wegen der nachträglichen Disqualifikation der US-Staffel ins Finale gerutscht war, und vielleicht mit einer Medaille von Steffi Nerius im Speerwerfen.

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