Sport : Finnland leidet, Finnland siegt

Nach dem schweren Unfall seines Landsmanns Heikki Kovalainen gewinnt Kimi Raikkönen in Barcelona

Christian Hönicke[Barcelona]

Ganz Spanien hatte geträumt. Noch zu Beginn des Wochenendes hatte Fernando Alonso mit verklärtem Blick davon gesprochen, dass ein Podestplatz bei seinem Heimrennen in Barcelona wohl nur ein Hirngespinst bleiben werde. Doch nachdem der Formel-1-Pilot im Abschlusstraining seinen Renault, der bisher lediglich für Mittelfeldplätze gut war, auf wundersame Weise auf Startplatz zwei getrieben hatte, schien die Vision zum Greifen nah. Nach 34 Runden am Sonntag allerdings verschwand der Traum des zweimaligen Weltmeisters, der mehr als 100 000 Fans und des Königs im Nebel des geplatzten Renault-Motors. Juan Carlos I. musste so dem finnischen Ferrari-Piloten Kimi Räikkönen den Siegerpokal aushändigen. Der Weltmeister gewann souverän vor seinem Teamkollegen Felipe Massa und Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes und baute seine Führung in der WM-Wertung weiter aus. Während Räikkönen gewohnt finnisch-unterkühlt davon sprach, er sei „glücklich“, musste sich Alonso mit einem „süß-sauren Wochenende“ zufrieden geben.

Auch für die fünf deutschen Piloten hinterließ das Rennen einen bitteren Nachgeschmack. Die Glückwünsche des spanischen Monarchen blieben eine unerfüllte Hoffnung, ja, selbst WM-Punkte erwiesen sich als illusorisch. Force-India-Pilot Adrian Sutil und Sebastian Vettel (Toro Rosso) schossen ihre Gefährte bereits in der zweiten Kurve von der Strecke – Vettel sprach danach von einer „hirnlosen Aktion“ Sutils. Timo Glock fuhr im Toyota weit hinterher und rammte überdies noch David Coulthards Red Bull. „Er hatte nach seinem Boxenstopp noch kalte Reifen und hat daher viel früher gebremst“, entschuldigte sich Glock. „Da konnte ich nicht mehr ausweichen.“

Nico Rosberg tat es nach zwei Renndritteln auf Platz sieben liegend Alonso gleich und rollte mit rauchendem Motor aus. Da nutzte es ihm auch nichts, dass er am Start gleich fünf Autos überholt hatte, nachdem er sich im Abschlusstraining mit der Abstimmung des Autos „vergaloppiert“ hatte und nur von Startplatz 15 ins Rennen gegangen war. Als sein Wagen streikte, lag er auf Rang sieben.

Für Nick Heidfeld war sogar noch mehr möglich. Im BMW-Sauber hatte er als Einziger der Deutschen anfangs sogar Podestchancen, vermasselte sein Meet-and-Greet mit dem Hochadel aber endgültig, als er einen Strafstopp wegen unerlaubten Nachtankens bei geschlossener Boxengasse kassierte und dadurch nur Neunter wurde. „Ich hatte keine Wahl: entweder reinkommen und Strafe kassieren oder mit trockenem Tank stehen bleiben.“

Heidfelds Tankmalheur vorausgegangen war ein schwerer Unfall von Heikki Kovalainen, in dessen Folge das Safety-Car auf den Kurs geschickt wurde und die Box aufgrund einer diskussionswürdigen Regel für ein paar Runden nicht angesteuert werden durfte. Der McLaren-Mercedes des Finnen hatte sich in der 22. Runde frontal in einen Reifenstapel gebohrt, nachdem in einer der schnellsten Kurven der Strecke bei Tempo 200 das linke Vorderrad regelrecht explodiert war. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug vermutete einen Felgenbruch als Ursache.

Kovalainen wurde abtransportiert und demonstrierte mit gereckter Faust, dass er keine schweren Blessuren erlitten hatte. Sein Zustand sei „stabil“, hieß es später. Er erlitt eine Gehirnerschütterung. Am Abend meldete sich der Finne selber: „Ich fühle mich durchgeschüttelt“, teilte er vom Krankenbett aus mit. Und er hatte gleich noch eine Botschaft an seinen Teamkollegen: „Glückwünsche für das tolle Rennen von Lewis.“

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