Sport : Firma statt Verein

Basketball-Bundesligist Alba Berlin gliedert die Profiabteilung als GmbH aus dem Klub aus

Benedikt Voigt

Berlin - Neulich hat sich Dieter Hauert über einen Bericht geärgert, in dem Alba Berlin auf Mallorca geortet wurde, weil sich dort bei der deutschen Basketball-Nationalmannschaft viele ehemalige Berliner Spieler sowie der ehemalige Trainer Svetislav Pesic aufhielten. „Die Alba-Familie ist hier in Berlin“, sagte der Präsident des Basketball-Bundesligisten trotzig. Die Spieler der kommenden Saison kann er damit allerdings nicht gemeint haben. Nach dem Weggang von Stefano Garris und Mithat Demirel fehlt dem Klub auf dem Spielfeld das Personal, mit dem sich viele Fans jahrelang identifiziert haben. Inzwischen verkörpern Vizepräsident Marco Baldi und Präsident Dieter Hauert deutlicher als je zuvor ihren Verein. In Zukunft kommt noch ein dritter Verantwortlicher hinzu: Axel Schweitzer, Vorstandsmitglied der Recyclingfirma Alba AG.

Der Verein Alba Berlin plant eine Umstrukturierung. Die rund 500 Mitglieder sollen auf ihrer Jahreshauptversammlung am 1. September die Profiabteilung in eine GmbH umwandeln. „Das wäre ein Quantensprung“, sagte Präsident Dieter Hauert. Die GmbH soll aus zwei Gesellschaftern bestehen, dem Verein Alba Berlin und der Alba AG, die seit Vereinsgründung 1991 als Haupt- und Namenssponsor fungiert. In der Basketball-Bundesliga gibt es bereits einige Vereine mit dieser Gesellschaftsform. „Wir wollen Alba in Europa fest etablieren“, sagte Axel Schweitzer. Seine Firma hat unter der Bedingung der Umstrukturierung den Vertrag mit den Basketballern um fünf Jahre verlängert. „Früher waren wir Freunde und Sponsoren“, sagte Hauert, „jetzt sind wir Geschäftspartner“. Zumal die wichtigsten Posten in Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Beirat unter Hauert, Baldi und Schweitzer aufgeteilt werden sollen. Alba verspricht sich in erster Linie einen wirtschaftlichen Vorteil.

Im gemeinnützigen Verein bleiben die Abteilungen Jugend, Rollstuhlbasketball und Cheerleading. In der GmbH hingegen werden sich der Profispielbetrieb und die Mitarbeiter der Alba-Geschäftsstelle wieder finden. Allerdings dürfte die Alba GmbH künftig mehr Geld für die Hallenmiete zahlen – bisher hat die Stadt Berlin dem gemeinnützigen Verein die Max- Schmeling-Halle zu günstigen Konditionen vermietet. Das dürfte sich bei einer gewinnorientierten Gesellschaftsform ändern.

Nach der sportlichen Umstrukturierung in Mannschaft und Trainerstab folgt nun also auch eine wirtschaftliche. Die Reaktion auf zwei Jahre ohne Titelgewinn ist bei Alba drastisch ausgefallen. „Die anderen Vereine haben wirtschaftlich und sportlich zu uns aufgeschlossen“, sagte Hauert, „jetzt müssen wir eben noch mehr Geld in die Hand nehmen“. Genaue Zahlen wollte er nicht nennen. Er ist sich sicher, dass die Mitglieder der Änderung zustimmen werden, ahnt aber, dass es auch kritische Mitglieder geben wird. „Da werden wieder die Fragen nach den Identifikationsfiguren kommen.“ Die Antwort darauf gibt Baldi: „Identifikation ist ein wichtiges Thema, aber unser erstes Ziel ist es, wettbewerbsfähig zu sein.“ Und für die kommende Saison gilt das offenbar mehr als je zuvor.

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