Sport : Fit durch Phlegma

Der deutsche Hengst Abano As belegt beim Prix d’Amerique den zweiten Platz hinter Favorit Kesaco Phedo

Heiko Lingk

Paris. Es waren noch 20 Minuten bis zum Start des Prix d’Amerique. Auf der Tribüne mit den 35 000 Zuschauern im noblen Pariser Vorort Vincennes knisterte die Spannung. Für das Team um den deutschen Spitzentraber Abano As begannen die letzten Minuten vor der Entscheidung im wichtigsten Trabrennen der Welt. Und was tat der Hauptakteur in der mit einer Million Euro dotierten Prüfung? Abano As stand ganz ruhig in seiner Box und schloss entspannt die Pferdeaugen. Als ginge ihn das Ganze nichts an.

Große Pferde haben ein großes Phlegma. Das ist ein altes Gesetz, so alt wie der Trabrennsport selbst. Gestern in Paris hat der Hengst Abano As mit seinem zweiten Platz im Prix d’Amerique endgültig bewiesen, dass er wirklich ein ganz Großer ist. Sofort nach dem Start zeigte sich der Hengst von einer völlig anderen Seite: Abano As startete wie ein Blitz und hätte sofort die Spitze übernehmen können. Doch nach der Taktik seines Sulkyfahrers Jos Verbeeck sollten zunächst die anderen Gespanne die Pace vorlegen.

Mit meisterlichem Timing fand Verbeeck mit dem Traber aus dem Rennstall von Alwin Schockemöhle schon nach wenigen Metern genau in die Position, die er einnehmen wollte: Die Lage im Windschatten des großen französischen Favoriten Kesaco Phedo. Erst zu Beginn der Endgeraden steuerte der Belgier Verbeeck sein Pferd auf Angriffskurs. Abano As reagierte sofort auf das Zeichen seines Fahrers und flog an den Gegnern vorbei. Nur den Widerstand eines einzigen Konkurrenten konnte der deutsche Hengst nicht brechen: So sehr sich Verbeeck auch mühte, an Kesaco Phedo kam sein Abano As einfach nicht vorbei. Mit dem französischen Champion Jean-Michel Bazire im Sulky ging Kesaco Phedo mit eineinhalb Längen Vorsprung über die Ziellinie.

So war es dann am Ende Jean-Michel Bazire, der die Amerique-Trophäe aus den Händen des französischen Filmschauspielers Jean Reno entgegennehmen durfte. Doch auch für die Niederlage wurde Verbeeck ausreichend belohnt: Für den zweiten Platz wanderten 250 000 Euro auf die Habenseite des Teams Alwin Schockemöhle.

Abano As hat nun insgesamt über 2,1 Millionen Euro gewonnen. „Vor dem Rennen war ich mir nicht sicher, aber dann hat mich Abano As eines besseren belehrt“, sagte Verbeeck. „Der Hengst ist momentan so gut wie nie zuvor. Kesaco Phedo war heute nicht zu schlagen. Aber in zwei Wochen kann das völlig anders aussehen.“ Dann werden die beiden Topferde beim Prix de France erneut aufeinander treffen. Über die dann 600 Meter kürzere Distanz hofft Verbeeck auf die Startschnelligkeit seines Hengstes. „Über diese Streckenlänge Ist Abano As eine Macht.“ Im Vorjahr gewann der Hengst erst den Prix d’Amerique und wurde dann im Prix de France Zweiter. Dieses Mal kann es genau anders herum ausgehen.

Abano As wird das relativ egal sein. Zehn Minuten nach seiner Klasseleistung im renommiertesten Trabrennen der Welt stand der braune Hengst wieder ganz entspannt in seiner Box.

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