Fitnesstraining : Über den Platz geschleppt

Vier Mitarbeiter, angeführt vom Amerikaner Mark Verstegen, trimmen die deutschen Nationalspieler für die Anforderungen des EM-Turniers. Die sind hoch, und deshalb sind auch die Trainingseinheiten hart. Wie das Fitnesstraining das Team noch belastet.

Stefan Hermanns

Palma de MallorcaDie Deutschen gelten als penibel und perfektionistisch. Doch immer wenn man glaubt, penibler und perfektionistischer geht es nicht, setzen sie noch einen drauf. Wie jetzt in der Vorbereitung auf die Europameisterschaft. Jeder Nationalspieler hat eine eigene Matratze, die ihn aus dem Trainingslager auf Mallorca mit ins EM-Quartier am Lago Maggiore begleiten wird. Das Besondere an ihnen ist, dass sich ihr Härtegrad individuell bestimmen lässt, damit die Spieler schlafen wie zu Hause. Der Hersteller wirbt sogar damit, dass die sanfte Pendelbewegung der Matratze den Schlafenden unbewusst an den geborgenen Zustand im Mutterleib erinnere: „Das Urvertrauen kehrt zurück, der Mensch entspannt sich.“

Oliver Schmidtlein, der Fitnesstrainer der Fußball-Nationalmannschaft, sagt: „Schlafen ist das wichtigste Thema bei der Regeneration.“ Und die Deutschen wollen sich am Ende nicht vorwerfen lassen, sie hätten nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. „Wir versuchen, an alles zu denken“, sagt Schmidtlein, der schon vor und während der Weltmeisterschaft 2006 zum Trainerstab der Nationalmannschaft gehörte. Vier Mitarbeiter, angeführt vom Amerikaner Mark Verstegen, trimmen die Spieler für die Anforderungen des Turniers. Die sind hoch, und deshalb sind auch die Trainingseinheiten hart. Das hinterlässt Spuren, wie gestern beim Spiel der deutschen Elf gegen Weißrussland zu beobachten war. Viele schleppten sich gegen Ende nur noch über das Spielfeld. „Wir haben im Spiel schon alle sehr gelitten, weil das Training belastend war“, sagte Christoph Metzelder. „Doch das ist gut fürs Turnier.“

Das weiß auch Schmidtlein. „Mit der Fitness, die der Allgemeinbürger kennt, hat das nicht viel zu tun“, sagt er. Es gehe um clevere Muskeln. Am ersten Tag auf Mallorca wurden alle Spieler medizinisch durchgecheckt. Der Gesamtzustand war gut, trotzdem wurden und werden die Spieler individuell nach ihren Anforderungen trainiert und belastet. Während des Trainings tragen sie Messgeräte um den Brustkorb, die Daten werden drahtlos auf einen Laptop gesendet und erlauben eine ständige Kontrolle und Korrektur. „Wir tunen jeden Spieler für seine Position“, sagt Verstegen.

Zum Equipment gehören auch Geräte zum Training der Atemmuskulatur, wie sie von Triathleten genutzt werden. Wer am normalen Ausdauertraining nicht teilnehmen kann, der kann mit gezieltem Atemtraining gegen Konditionsverlust ankämpfen. Das alles mögen nur Details sein, am Ende aber fügen sie sich zu einem größeren Bild, das stimmig sein muss. Oder wie Verstegen sagt: „Mit Fitness gewinnt man nicht unbedingt ein Turnier, aber ohne sie verliert man es ganz bestimmt.“ Stefan Hermanns

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