Sport : Flandern-Rundfahrt: Die Favoriten haben zu lange gepokert

Die Telekom-Rechnung ging am Sonntag bei der 85. Flandern-Rundfahrt nicht auf. Die als Mitfavoriten gestarteten Erik Zabel (Unna), vor kurzem zum vierten Mal Gewinner von Mailand - San Remo, und Steffen Wesemann (Wolmirstedt) spielten beim zweiten Weltcup-Rennen über 269 km keine Hauptrollen. Den Sieg bei der "Ronde", die wie immer zum Volksfest wurde, holte sich überraschend der Italiener Gianluca Bortolami in einer Zentimeter-Entscheidung vor dem Niederländer Erik Dekker. Sie waren die Schnellsten einer achtköpfigen Spitzengruppe. Wesemann wurde Elfter, während der zwei Mal gestürzte Zabel später ins Ziel kam und sich nun die Führung im Weltcup mit Bortolami teilen muss.

Die Favoriten hatten zu hoch gepokert. Die Spitzengruppe war auf den letzten 13 Kilometern des Rennens immer in ihrer Sichtweise, aber keiner der Stars wollte den Vorstoß wagen. "Ich war in der zweiten Gruppe alleine von uns, da musste ich mich auf die anderen verlassen. Mehr war nicht drin. Vielleicht läuft es nächste Woche in Roubaix für mich besser", sagte Wesemann.

In der vorentscheidenden Phase des Rennens über insgesamt 16 Anstiege hatte sich Wesemann 36 km vor dem Ziel vorerst in einer dritten Spitzengruppe positioniert. Dieses etwa 30 Fahrer starke Feld, unter ihnen außer Zabel alle Favoriten, ließen die Ausreißer vor sich nie weiter als maximal 40 Sekunden weg. Die berüchtigte Mauer von Geraardsbergen 16 km vor dem Ziel mit seiner 20-prozentigen Steigung brachte nicht die Vorentscheidung. Den Gipfel der Mauer erklommen fünf Fahrer zuerst, die nicht zum Favoritenkreis gehörten. Auch am Bosberg, dem letzten Hügel, waren diese Fahrer noch vorne, zu denen drei weitere kamen.

Die Telekom-Auswahl musste ohne den Joker Andreas Klier (München) antreten. Der Spezialist für die flandrischen Kopfsteinpflaster-Strecken klagte über Magenprobleme und konnte nicht an den Start gehen, so dass Zabel und Wesemann mit fünf Helfern auskommen mussten. Kai Hundertmarck (Kelsterbach) stürzte schwer und musste mit einer Handverletzung ins Krankenhaus. Damit dürfte er für die Titelverteidigung am Henninger Turm am 1. Mai ausfallen.

Vor dem Rennen blieb der Italiener Fabiano Fontanelli aus dem Mercatone-Team Marco Pantanis im Netz der Dopingfahnder hängen. Zum ersten Mal gab es nach Sanktionen durch den Weltverband UCI Urin- Kontrollen auf das verbotene Blut-Doping-Mittel Epo. Fontanellis Ergebnis, der nach einem Bluttest mit einem Hämatokritwert über 50 Prozent fester Bestandteile aufgefallen war und dann nach der neuen Methode kontrolliert wurde, soll Mittwoch vorliegen. Der dreifache Sieger in Flandern, Ex-Weltmeister Johan Museeuw, büßte schon früh durch einen Sturze seine Chancen auf einen neuerlichen Erfolg ein.

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