FLANKE aus England : Rückkehr und Einkehr

Markus Hesselmann über Robert Huth und Kevin-Prince Boateng

Markus Hesselmann

Es hätte das Duell zweier junger Berliner werden können, zweier talentierter deutscher Fußballer. Doch als der FC Middlesbrough jetzt bei Tottenham Hotspur an der White Hart Lane in London spielte, gehörten weder der frühere Unioner Robert Huth beim Gästeteam noch der frühere Herthaner Kevin-Prince Boateng bei der Heimmannschaft zum Kader. „Wir rechnen mit seiner baldigen Rückkehr“, hatte Middlesbroughs Trainer Gareth Southgate noch in der Woche zuvor über Huth gesagt. „Ich weiß nicht, wann er zurückkommt, unsere Physiotherapeuten arbeiten mit ihm“, sagte Southgate dieses Mal. Der Verteidiger hat sich am Fuß verletzt, langwieriger als zunächst angenommen. Und dann sagte der immer freundliche Southgate noch, dass Huth ein großartiger Abwehrspieler sei. Middlesbroughs Innenverteidigung aber spiele derzeit auch ohne Huth stark. Doppeltes Pech für den 23-Jährigen, der sich gerade einen Stammplatz erkämpft hatte und sogar wieder zum Kader der Nationalmannschaft samt kleiner Hoffnung auf einen Platz im EM-Aufgebot gehörte.

Aber immerhin hat Robert Huth einen guten Grund für sein Fehlen. Anders als Kevin-Prince Boateng. Sein Trainer Juande Ramos findet für ihn derzeit keine freundlichen Worte. „Alle Spieler haben ihre Gelegenheiten bekommen, jeder hatte seine Chance“, antwortete Ramos nur knapp auf die Frage nach seinen Plänen für den 21-jährigen offensiven Mittelfeldspieler. Immerhin wollte Ramos den deutschen Juniorennationalspieler ja schon verpflichten, als er noch Trainer beim FC Sevilla war. Dann sah man sich in Tottenham wieder, wohin Boateng stattdessen gewechselt war. Er sei schon zufrieden, wenn er auf zehn Spiele in der Premier League komme, hatte Boateng vor der Saison ungewöhnlich bescheiden gesagt. Bis jetzt sind es zwölf, allerdings nur sieben von Beginn an. Rein statistisch könnte Boateng also noch halbwegs zufrieden sein. Seinem Trainer reicht das aber offensichtlich nicht. Nach seinem Amtsantritt Ende Oktober setzte Ramos zunächst einige Male auf den Deutschen. Doch inzwischen beruft er ihn nicht einmal mehr in den Kader, obwohl Boateng nicht verletzt ist. Und so scheint die Zukunft des Berliners in London trotz eines bis 2012 laufenden Vertrages ungewiss.

„Die Situation ist wenig erfreulich“, sagt Jörg Neubauer, der Boateng jetzt wieder als Berater zur Seite steht. „Wir setzen uns bald mit dem Klub zusammen, um darüber zu reden, wie es weitergeht.“ Boatengs Leistungen halten nicht Schritt mit seiner Selbststilisierung zum Star, der aus dem Weddinger Ghetto kam. Jetzt hat er sich Neubauer wieder als seriösem Berater anvertraut. Vielleicht ein erstes Zeichen der Einkehr.

An dieser Stelle schreiben unsere Korrespondenten dienstags über Fußball in England, Spanien und Italien.

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