FLANKE aus England : Schlechte Zeiten für Deutsche

Markus Hesselmann über Probleme und Hoffnungen in der Premier League

Markus Hesselmann

Die Premier League ist spannend wie selten und macht in dieser Saison richtig Spaß. Nur für die deutschen Fußballer in England sind dies keine schönen Zeiten: Jens Lehmann sitzt beim brillant spielenden FC Arsenal auf der Bank und ärgert sich öffentlich. Michael Ballack ist noch am Knöchel verletzt. Immerhin trainiert der Kapitän der deutschen Nationalelf wieder mit beim FC Chelsea, der nach dem Abgang von Trainer José Mourinho derzeit einen Aufschwung erlebt. Auch Moritz Volz ist verletzt, wurde aber ohnehin beim FC Fulham zuletzt kaum berücksichtigt. Robert Huth kämpft sich nach verschiedenen Verletzungen beim FC Middlesbrough wieder ran. Und Kevin-Prince Boateng... Wo ist eigentlich Kevin-Prince Boateng?

Am Sonntag, beim 1:2 seines Klubs Tottenham Hotspur gegen die Blackburn Rovers, saß der frühere Herthaner nicht einmal auf der Bank. Die ganze Saison geht das schon so. Gespielt hat Boateng in der ersten Mannschaft nur einmal: im Uefa-Cup gegen Anorthosis Famagusta. Danach ging es gleich wieder zurück ins Reserveteam. Er müsse produktiver werden, effizienter, sagte Trainer Martin Jol. Boateng habe noch Schwierigkeiten, sich an den englischen Fußball anzupassen.

Andere frühere Bundesligaspieler haben diese Produktivitätsprobleme offenbar nicht: Bei Blackburns Sieg über Tottenham schoss der Ex-Herthaner Christopher Samba das 2:1 kurz vor Schluss. Vorarbeit: Roque Santa Cruz, der vom FC Bayern vor dieser Saison nach England gewechselt war. Der Verteidiger und der Stürmer haben sich durchgesetzt. Boateng kämpft um einen Platz im offensiven Mittelfeld. An der Schnittstelle zwischen Aufbau und Sturm ist die Anpassung an das schnellere, härtere Spiel der Premier League wohl am schwierigsten. Das mussten selbst Stars erfahren wie Michael Ballack (vom FC Bayern zu Chelsea), Alexander Hleb (von Stuttgart zu Arsenal) oder Tomas Rosicky (von Dortmund zu Arsenal). Vielleicht hilft Boateng der Trainerwechsel. Dass Jol jetzt bei den ambitionierten, aber erfolglosen Spurs durch den Spanier Juande Ramos vom FC Sevilla ersetzt wurde, mag seine Chancen auf Einsätze erhöhen. Schließlich war Sevilla vor der Saison auch an dem 20-jährigen Berliner interessiert.

Und aus deutscher Sicht ist ja auch sonst nicht alles Tristesse. Ein Routinier hält sich jetzt seit zehn Jahren in der Premier League und erlebt gerade seinen soundsovielten Frühling: Dietmar Hamann, erst Newcastle United, dann FC Liverpool, jetzt Manchester City, wo für den 34-Jährigen ein neuer Vertrag in Aussicht steht. So richtig gut sind allerdings auch die neuesten Nachrichten über Dietmar Hamann nicht. Sein Team war neben Arsenal bislang die positive Überraschung dieser Saison. Bis zu diesem Wochenende. Da ging Hamann mit City 0:6 bei Chelsea unter.

An dieser Stelle schreiben unsere Korrespondenten dienstags über Fußball in England, Spanien und Italien.

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