FLANKE aus Italien : Morddrohungen der Fans

Vinzenco Delle Donne über die Probleme von Milans Vizepräsident Galliani

Als Stellvertreter lebt es sich in Italien in der Serie A schwer. Das muss Adriano Galliani am eigenen Leibe erfahren. Beim AC Milan vertritt er Klubeigner Silvio Berlusconi, der sich um die Politik, aber auch um einträglichere Geschäfte kümmern muss. Als Berlusconis rechte Hand führt der glatzköpfige Galliani, der seine ersten guten Geschäfte als Antennenbauer machte, den Verein. Man nennt ihn daher nur den „Vicepresidente“.

Seit einem Jahr aber hat Galliani bei den Milan-Tifosi einen schweren Stand. Sie pfeifen ihn aus, reißen Witze über ihn oder hängen im Stadion hämische Transparente auf, die das Fernsehen ausblendet, um den Imageschaden des Vizepräsidenten zu begrenzen. Galliani läuft mit einer dreiköpfigen Eskorte herum, Tag und Nacht. Innenminister Giuliano Amato teilte sie ihm zu, nachdem Galliani Morddrohungen erhalten hatte. Sie kamen von den Anführern der Milan-Tifosi aus der Südkurve. Sie verhindern auch, dass die übrigen Fans das Team anfeuern. Die Drohungen haben einen Grund: Der Klub knausert. Einst leistete er großzügige Zuschüsse für Auswärtsspiele oder gewährte gratis Kartenpakete, die die Fan-Anführer anschließend zu Geld machten. Doch derlei Kumpanei ist nach den Antigewaltmaßnahmen der Regierung nicht mehr möglich. Die Eintrittskarten müssen nun mit den Namen der Besitzer versehen sein.

Für Milan ist die Lage inzwischen besorgniserregend: Neben dem Vizepräsidenten, werden auch eigene Spieler ausgepfiffen, gute Szenen werden nicht beklatscht. Die Stimmung sinkt, aber das passt auch zu den Leistungen zum AC Milan. Der Champions-League-Gewinner ist ins Mittelmaß zurückgefallen.

An dieser Stelle schreiben unsere Korrespondenten ab sofort dienstags über Fußball in England, Spanien und Italien.

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