FLANKE aus Italien : Prophet im eigenen Land

Vincenzo Delle Donne über den Klubweltmeister AC Mailand

Vincenzo Delle Donne

Der Prophet gilt nichts im eigenen Land! Diese griechisch-antike Weisheit ist auch auf den italienischen Fußball anwendbar. Insbesondere für den AC Mailand, der auf dem heimischen Apennin 2007 bestenfalls durch gehobenes Mittelmaß glänzte. Anders in den Stadien fernab der Heimat, wo die Mannschaft zur Höchstform auflief. Die Mannschaft von Trainer Carlo Ancelotti gewann zunächst das Champions-League-Finale gegen Manchester United. Das allein versetzte die Milanisti in große Verzückung, denn einhellige Meinung war, dass Milan überaltert und sturmschwach gewesen sei. Als Eintagsfliege verhöhnten die neidgeplagten Kritiker indes den unerwarteten Champions-League-Sieg.

Ohne großartige Neuinvestitionen in neue Stürmer ging der Traditionsklub dann in die neue Saison und setzte den unerwarteten Erfolg fort. Auch ohne Superstar Ronaldo, der noch immer an einer ominösen Verletzung leidet. Beim europäischen Supercup Ende August gewann Milan auch noch klar gegen Valencia. Auch dank der Tore von „Oldie“ Filippo Inzaghi, der inzwischen auch ewiger Torschützenkönig in der Champions League ist.

Am Sonntag nun trumpfte die Milan-Mannschaft schließlich bei der Mannschaftsweltmeisterschaft im japanischen Yokohama auf. Sie gewann nach 17 Jahren wieder einmal den Weltpokal, womit sie gleichsam den Grand Slam des Fußballs schaffte. Im Finale deklassierte Milan den Südamerikameister Boca Juniors Buenos Aires mit 4:2. Die Treffer für Milan erzielten Filippo Inzaghi, Alessandro Nesta sowie Kaká. Milan nahm Revanche für die Niederlage im Jahr 2003. Die Treffer für die Boca Juniors erzielten Rodrigo Palacio zum zwischenzeitlichen 1:1 und Massimo Ambrosini mit einem Eigentor zum 2:4. Der Gewinn der Klubweltmeisterschaft war die Krönung eines unerwarteten Erfolgsjahrs. Mit Kaká hat Milan auch den weltbesten Fußballer in seinen Reihen. Gerade der brasilianische Superstar führte Milan zum Erfolg.

Bei der heimischen Ligakonkurrenz erntete Milan zuweilen überraschend Häme und Spott. Der Gewinn des Weltpokals sei mit einem Altherrenpokalsieg zu vergleichen, kommentierte Roberto Mancini, Trainer vom Lokalrivalen Inter Mailand. Mit der abschätzigen Äußerung machte der Trainer des italienischen Meisters, dessen Mannschaft auch in dieser Saison souverän die Serie A anführt, auf Milans Mittelmäßigkeit im eigenen Land aufmerksam. Tatsächlich rangiert Milan daheim nur auf dem elften Rang und hat zur führenden Inter-Mannschaft bereits einen ungeheuerlichen Rückstand von 22 Punkten, wenn auch mit drei Spielen weniger.

Dass auch der Fußballprophet im eigenen Land nichts gilt, erfährt Milan gerade besonders schmerzhaft.

An dieser Stelle schreiben unsere Korrespondenten dienstags über Fußball in England, Spanien und Italien.

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