Sport : Flanke, Klose, Sieg

Der 1. FC Kaiserslautern gewinnt erstmals in dieser Saison – mit 4:0 gegen Energie Cottbus

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Von Oliver Trust

Kaiserslautern. So sieht wohl ein Triumphzug aus. Miroslav Klose ging klatschend die Tribünen entlang. Die Fans in der Westkurve brüllten „Miro, Miro“, und die meisten der 33 246 Zuschauer standen da und jubelten. 4:0 hatte der 1. FC Kaiserslautern gewonnen, wenn auch gegen eine schwache Mannschaft aus Cottbus. Klose nannte es einen „Befreiungsschlag“. 596 Minuten hatte Lauterns Stürmer nicht mehr getroffen. Dann flankte Grammozis. Köpfte Klose. Und Gregg Berhalter suchte noch Sekunden später nach seinem Gegenspieler.

Nach dieser 18. Minute der Wende rannte Klose zu den Fans und machte einen bemerkenswerten Luftsprung. „Wir haben viel gearbeitet“, sagte Klose danach. Oder anders ausgedrückt: Flanken geübt. Um dem einzigen verbliebenen Vermögenswert des vom Konkurs bedrohten Klubs wieder einmal einen Torerfolg zu bescheren. „Die Stürmer haben Wort gehalten“, sagte Lauterns Trainer Eric Gerets. „Die Flanken kamen. Heute wollen wir zufrieden sein, obwohl ich noch viele Dinge gesehen habe.“ Großartig sei der Sieg vor allem für Miroslav Klose, der „viele Probleme mit sich hatte“. Am Ende hätten seine Spieler sogar wieder Fußball gespielt.

Neben dem strahlenden Gerets saß Eduard Geyer und sah aus wie ein Gespenst. Blass und ratlos, die Mundwinkel noch tiefer als die Schultern. „Einige Spieler bei uns sind überfordert", sagte Energies Trainer. Dass in Cottbus auch längst über seine Position gesprochen wird, wollte Geyer gar nicht mehr kommentieren. „Ich bin verantwortlich“, war seine Antwort. Auch dafür, dass er jetzt am Tabellenende steht. Mit einer Mannschaft, die in der Liga die wenigsten Tore geschossen und die meisten kassiert hat. „Die Lage ist ernster als jemals zuvor“, sagte Geyer. Auch für ihn. Es dürfte keine Überraschung sein, wenn in Cottbus bald jemand anderes die Profimannschaft trainiert.

Er wird viel zu tun haben. Nur Energies Torwart Tomislav Piplica nahm gestern aktiv am Spielgeschehen teil. Drei, vier Mal flog er durch die Luft und verhinderte einen höheren Rückstand. Nach der Halbzeitpause konnte aber auch er das Debakel nicht mehr aufhalten. Basler trat einen Freistoß, Knavs eilte heran und köpfte den Ball ins Tor. Für das 3:0 sorgte dann wieder Miroslav Klose.

„Das hat uns endgültig das Genick gebrochen,“ sagte Geyer. Cottbus ergab sich in sein Schicksal. Schlimmer noch: Der eingewechselte Faruk Hujdurovic erzielte sogar noch ein Eigentor. Spätestens da dürfte Eduard Geyer gewusst haben, dass die kommenden Tage für ihn nicht einfach werden.

Das werden sie auch für den 1. FC Kaiserslautern nicht. Aber „wir sind froh, dass wir vom Tabellenende weg sind“, wie der Generalbevollmächtigte René C. Jäggi sagt. Trotzdem bleiben jede Menge Probleme. „In den nächsten zehn Tagen muss die Sache über die Bühne gehen“, sagte Jäggi. Er meint den Verkauf der Transferrechte für Klose an Toto-Lotto Rheinland-Pfalz und die Sanierung des Klubs. Der Baukonzern Holzmann wird langsam ungeduldig, weil Kaiserslautern noch keine gültigen Kreditverträge für den 47,5 Millionen Euro teuren Umbau des Fritz-Walter-Stadions zur WM-Arena vorweisen kann. „Da müssen jetzt alle die Nerven behalten“, sagte Jäggi. „Ich freue mich jetzt erst einmal, dass ich nach diesem Sieg in viele freudige Gesichter schauen kann.“

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