Sport : Flanken aus Holland

Ellery Cairo soll Herthas Flügelspiel verbessern

Stefan Hermanns[Schruns]

Man kann nicht behaupten, dass die Trainer von Hertha BSC sich nicht bemühten, das Programm für Ellery Cairo möglichst abwechslungsreich zu gestalten. Gestern zum Beispiel lief Cairo einmal im Uhrzeigersinn um den Fußballplatz in Schruns, dann gegen den Uhrzeigersinn, danach diagonal übers Feld und zum Schluss die Markierung des Fünfmeterraums entlang. Im Vergleich zum Vortag war das schon große Unterhaltung für den neuen Rechtsaußen des Berliner Bundesligisten. Den ersten Tag des Trainingslagers in Montafon (Österreich) hatte Cairo ausschließlich im Hotel verbracht. „Ich konnte nichts machen“, sagt er.

Seine Achillessehne schmerzt, und zu einem schlechteren Zeitpunkt hätte diese Verletzung für den 26 Jahre alten Holländer kaum kommen können. „Für mich ist das unglaublich schlecht. Ich will nicht fünf, sechs Monate brauchen, um mich anzupassen“, sagt er. „Ich will sofort angreifen.“ Vorerst aber darf er nur zuschauen, wie sich seine Kollegen intensiv in der Disziplin üben, die als sein Spezialgebiet gilt: im Flankenschlagen. „Man muss vorsichtig sein, damit das keine latente Geschichte wird“, sagt Herthas Trainer Falko Götz. Schließlich braucht er Cairo noch.

Es ist nicht so, dass die Nachricht von seiner Verpflichtung in Berlin große Hysterie ausgelöst hätte. Warum auch? 175000 Euro hat Hertha für ihn bezahlen müssen, er kommt von einem Absteiger und hat für den SC Freiburg in insgesamt 58 Bundesligaspielen vier Tore erzielt. „Es ist mehr mein Ding, den anderen Stürmern Chancen zu eröffnen“, sagt Cairo. Gerade damit könnte er für Hertha eine sehr viel wichtigere Rolle spielen, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Cairo soll den ewigen Drang in die Mitte unterbinden, ein Problem, das bei Hertha schon fast chronisch ist. „Wir wollen unser Flügelspiel forcieren und haben extra einen Spieler geholt, der von außen Flanken schlagen kann“, sagt Götz.

Dass die Berliner bei einem Holländer gelandet sind, ist kein Zufall. In den Niederlanden wird das Spiel mit zwei Außenstürmern immer noch liebevoll gepflegt, Cairo hat es in der Jugend bei Feyenoord Rotterdam gelernt und später in Eigeninitiative verfeinert. „Meine Flanken waren nicht so gut“, sagt er. Aber sowohl bei Twente Enschede als auch in Freiburg hat er sie nach dem Training immer wieder geübt, „so lange, bis es okay war“.

In ihm steckt der Ehrgeiz, immer besser zu werden und immer weiter zu kommen. Mit 16 hat Cairo zum ersten Mal für Feyenoord in der Ehrendivision gespielt. 20 Minuten vor Schluss wurde er eingewechselt, Feyenoord gewann 3:1 gegen den PSV Eindhoven, „und ich habe einmal aufs Tor geschossen“. Nach dem Spiel ist Cairo wieder mit dem Bus nach Hause gefahren, und trotzdem war alles anders als zuvor: „Du hast einmal gespürt, wie es ist, und weißt, was dein Ziel ist.“

Dieses Ziel hat er nie aus den Augen verloren, nicht, als er mit Excelsior Rotterdam in der Zweiten Liga spielte, und auch nicht im Abstiegskampf mit dem SC Freiburg. Der Wechsel zu Hertha soll nun der nächste Schritt nach oben sein. „Ich möchte auch mal um etwas spielen, nicht nur gegen etwas“, sagt er. Um die Meisterschaft oder um den Einzug in die Champions League, vielleicht sogar um einen Platz in der holländischen Nationalmannschaft. „Wenn ich bei Hertha oft und gut spiele, kann ich dabei sein“, glaubt Cairo. Schließlich hat der neue Bondscoach Marco van Basten schon einige Spieler nominiert, die vorher niemand kannte, unter anderem die beiden Rechtsaußen Romeo Castelen und Martijn Meerdink. Ellery Cairo sagt: „Ich bin sicherlich nicht schlechter.“

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