Sport : Flexibel in der Kabine

Mit dem Kanadier Nathan Dempsey holen die Eisbären schon den dritten Spieler aus der NHL

Claus Vetter

Berlin - Nathan Dempsey ist ein kantiger Typ. Eben so ein Typ Verteidiger, der sich in seiner Karriere oft eher durchgekämpft als durchgespielt hat. Immerhin hat es der 30 Jahre alte Kanadier so bis in die NHL geschafft – in die beste Eishockey-Liga der Welt, in der zurzeit wegen des andauernden Streits zwischen Klubbesitzern und Spielergewerkschaft auf den Spielfeldern nichts passiert. Das ist bitter für einen Profi wie Dempsey, der seit Frühling vergangenen Jahres nicht gespielt hat, und das ist nun gut für die Eisbären, die der Kanadier bis zum Saisonende verstärken wird.

Dempsey war in Berlin – wie im Tagesspiegel gemeldet – seit Tagen im Gespräch. Nun hat der Verband der NHL-Spieler seinen Wechsel zu den Eisbären vermeldet. Zum Erstaunen von Peter John Lee. Der Manager der Eisbären sagt: „Die sind ja fix“ und startet einen amüsanten Versuch, die Sache abzuschwächen. „Wir hatten gute Gespräche, aber noch ist nichts unterschrieben.“ So wie das bei Olaf Kölzig der Fall war? Die Verpflichtung des Torhüters wurde von Lees Klub noch dementiert, als der schon im Flugzeug saß. Werden Verträge bei den Eisbären erst auf dem Flughafen Tegel unterzeichnet? Lee lacht. „Na ja, das sieht sehr gut aus mit dem Vertrag für Dempsey, der Wille von beiden Seiten ist da.“ Dann sagt er aber doch: Bis Montag könne man Dempsey bei der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) lizenzieren, Dienstag bereits könnte er beim nächsten Spiel der Berliner in Köln auflaufen.

Nathan Dempsey, ein guter Bekannter von Kölzig, kam auf 196 Einsätze in der NHL und ist dort noch bei den Los Angeles Kings unter Vertrag, dem Klub, der Eisbären-Eigner Philip Anschutz gehört. Eine knifflige Situation: Als Eigner eines NHL-Klubs ist Anschutz mit der Spielergewerkschaft momentan im Streit und hat seinen Angestellten Dempsey von seinem Arbeitsplatz bei den Kings ausgesperrt. Anschutz intervenierte in diesem Fall aber nicht, wie Lee sagt: „Die sind froh, dass Nathan sich fit halten kann.“

„Eishockey ist ein sehr hartes Geschäft“, hat Dempsey einmal im Hinblick auf die Mechanismen gemeint, die in der NHL besonders heftig sind für Spieler, die keine Superstars sind. Das bestätigt auch der ehemalige NHL-Spieler Lee: „Da weißt du als Spieler oft nicht, wer am nächsten Tag in der Umkleidekabine neben dir sitzt.“ Immerhin, Dempsey hatte in den jüngsten drei Jahren einen Stammplatz in den Kabinen der NHL, auch nachdem er in der Vorsaison von Chicago nach Los Angeles wechselte. 25 Scorerpunkte brachte er da auf sein Konto. Eine gute Marke, die reichen sollte, um in Berlin andere Verteidiger zu verdrängen. „Natürlich wird er für uns wichtig sein“, sagt Lee. „Er ist flexibel, kann auf der linken und rechten Seite spielen.“

Der Kanadier soll laut Lee nach Stürmer Erik Cole und Kölzig in dieser Saison der letzte Spieler sein, der aus der NHL zu den Eisbären kommt. Jede Verpflichtung bringe „auch Unruhe ins Team“, sagt Lee. So wie das kürzlich der Fall war, als der bisherige Eisbären-Stammtorwart Oliver Jonas Olaf Kölzig vorgesetzt bekam und darüber seinen Unmut äußerte.

Ob Dempsey wirklich die letzte Verstärkung für die Eisbären ist, wird aber erst Dienstag beantwortet werden. Dann nämlich ist Transferschluss in der DEL.

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