Sport : Flickflack ins Dortmunder Herz

Der Meister kommt nur zu einem 1:1 in Hannover und liegt nun schon neun Punkte hinter den Bayern.

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Mame ist wieder da. Der lange verletzte Diouf feiert seinen späten Ausgleich für Hannover 96. Foto: Reuters
Mame ist wieder da. Der lange verletzte Diouf feiert seinen späten Ausgleich für Hannover 96. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Roman Weidenfeller, der ganz in Weiß gekleidete Torhüter von Borussia Dortmund, war bis kurz vor dem Abpfiff noch allerbester Hoffnung. Sein Trikot war trotz vieler Paraden weitgehend frei von Dreck und Matsch geblieben. Und sein Tor hatte er auch sauber gehalten. Nach dieser kuriosen Ballstaffette aber, die bei einem Freistoß von Szabolcs Huszti begonnen hatte, bei Didier Ya Konan mit einem verunglückten Schuss weitergegangen und bei Mame Diouf kurz vor der Torlinie geendet war, sah alles anders aus. Der Senegalese Diouf, dieser gerade erst von einer Operation im Sprunggelenk genesene Stürmer von Hannover 96, hatte in der 86. Minute zum umjubelten 1:1-Endstand getroffen. Während Weidenfeller sich noch ärgerte, setzte Diouf nach seinem Tor zu einem Flickflack an und nahm wenig Rücksicht auf seinen Knöchel. Der späte Ausgleich belohnte den Gastgeber im Duell mit dem Deutschen Meister für eine couragierte Leistung.

Sie waren dicht an ihrem Ziel. Dass Borussia Dortmund am 7. Spieltag der Bundesliga ganz fest daran glauben durfte, zum ersten Auswärtssieg der Saison zu kommen, hatte am Führungstreffer des starken Robert Lewandowski und an den vielen Glanzparaden von Weidenfeller gelegen. Immer wieder war die Mannschaft von Hannover 96 gegen das Dortmunder Tor angerannt und hatte sich mit einer beachtlichen Energieleistung, aber auch mit viel Spielwitz hochkarätige Chancen herausgespielt.

86 Minuten hatten die Borussen dem Druck souverän standgehalten. Aber der eingewechselte Diouf, der in der 78. Minute schon mit einem Schuss aus nur zwei Metern Torentfernung gescheitert war, belohnte Hannover mit dem verdienten Punktgewinn. „Hannover hat sehr viel Druck gemacht und starke Gegenwehr geleistet“, gestand Dortmunds Nationalspieler Marco Reus, der deutlich hinter seinen Möglichkeiten blieb.

Die vielen leidenschaftlichen Debatten, an denen direkt nach dem Schlusspfiff vor allem der Dortmunder Trainer Jürgen Klopp Interesse zeigte, belegten die Unzufriedenheit des eigentlichen Favoriten. Bei dem Bemühen, den Abstand zu Spitzenreiter Bayern München nicht noch größer werden zu lassen, waren die Borussen trotz eines ordentlichen Auftrittes an ihre Grenzen gestoßen. Und sie fühlten sich nach einem angeblichen Foul von 96-Verteidiger Karim Haggui in der Nachspielzeit an Reus, der hinterher von einem fairen Zweikampf sprach, um einen Elfmeterpfiff gebracht. Der Zwist mit dem schwachen Schiedsrichter Peter Gagelmann und dessen Assistenten ging im allgemeinen Trubel schnell wieder unter. Und Klopp musste dazu Stellung beziehen, dass Dortmund nun schon neun Punkte hinter Spitzenreiter München liegt. „Das interessiert mich nicht. Wir spielen unsere Saison, und die Bayern spielen ihre“, sagte der angesäuerte Trainer, der das Remis wie eine Niederlage einstufte.

Für Gastgeber Hannover 96 war der Punktgewinn ein schöner Grund, um im Stadion zu feiern. Aber dabei traten Schwierigkeiten auf. Trotz der stolzen Serie von saisonübergreifend 22 Bundesliga-Heimspielen ohne Niederlage gibt es hausinternen Ärger. Hannovers Präsident Martin Kind streitet seit Monaten mit jenem unverbesserlichen Teil der Fans, der sich das Abbrennen von Pyro-Technik und das Hochhalten umstrittener Fahnen nicht verbieten lassen will. Das Konterfrei des früheren hannoverschen Massenmörders Fritz Haarmann, das im 96-Stadion angeblich aus Kult-Gründen seit Jahren gezeigt wird, ist seit kurzem verboten.

Dass Kind gegen alle Unverbesserlichen und Unbelehrbaren mit Stadionverboten vorgeht, hat gestern Abend für eine Protestaktion gesorgt. „Wir zeigen also heute, wie ein Stadionbesuch aussehen wird, wenn endgültig alle belebenden Elemente aus dem weiten Rund verbannt worden sind“, stand auf einem Flyer, der erklärte, warum in der Nordkurve des Stadions eine irritierende Ruhe herrschte und es keinerlei Sprechchöre und Getrommel gab. „Wir sind im Dialog mit den Fans. Aber die Stimmung war heute doch auch so ganz gut“, sagte Hannovers Sportdirektor Jörg Schmadtke und mochte sich die Freude über das Remis nicht verderben lassen.

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