Sport : Fliege schlägt Brocken

Philipp Kohlschreiber gewinnt gegen John Isner – Angelique Kerber scheitert hingegen im Achtelfinale.

von
Nachtarbeiter. Philipp Kohlschreiber hatte John Isner erst in den frühen Morgenstunden bezwungen.Foto: dapd
Nachtarbeiter. Philipp Kohlschreiber hatte John Isner erst in den frühen Morgenstunden bezwungen.Foto: dapdFoto: dapd

Eigentlich war es nicht ganz fair, dass Philipp Kohlschreiber gegen John Isner spielen musste. Der 27 Jahre alte Amerikaner ist 2,06 Meter groß, wiegt 123 Kilogramm und trägt Schuhgröße 50. Und damit ist Isner ganze 28 Zentimeter größer und 50 Kilo schwerer als Kohlschreiber. Beim Boxen würden sie niemals im selben Ring landen, doch im Tennis muss das Fliegengewicht eben irgendwie mit dem Schwergewicht zurecht kommen. Bisher war Kohlschreiber das jedoch nicht gelungen, dreimal hatte ihn die Nummer zehn der Welt schon bezwungen, zuletzt vor drei Wochen in Toronto.

Unter dem gleißenden Flutlicht des Arthur-Ashe-Stadiums war es dann aber doch Kohlschreiber, dem der Knock-out gegen den schweren Brocken gelang, und mit 6:4, 3:6, 4:6, 6:3 und 6:4 zog der Augsburger erstmals ins Achtelfinale der US Open ein. Zehrende 3:20 Stunden hatte ihr Kampf gedauert, und als Kohlschreiber nach dem ersten Matchball ganz im Stile eines Boxchampions die Arme hochriss, da war es bereits 2.26 Uhr am Montagmorgen. Es war das bisher am spätesten beendete Match von Flushing Meadows. „Ich bin super zufrieden mit mir“, freute sich Kohlschreiber, „das war ein extremer Leistungsschub.“

Nach zwei Runden, in denen er sich „mehr durchgequält“ hatte, zeigte Kohlschreiber einmal mehr, dass er besonders auf der großen Bühne zur Bestform aufläuft. So wie beispielsweise vor vier Jahren in der Nightsession der Australian Open, als er den damals noch starken Andy Roddick furios bezwang. Oder eben wie in dieser New Yorker Nacht, als 20 000 Fans gegen ihn waren. Kohlschreiber liebt diese aufgeheizte Atmosphäre, denn komischerweise bewahrt er gerade da einen kühlen Kopf. „Es war eine unglaubliche Atmosphäre“, meinte Kohlschreiber, „und am Ende waren wirklich nur die Tennisverrücktesten noch da.“ Gut 2000 Fans hatten bis zum Matchball ausgeharrt und wollten ihren besten Mann zum Sieg schreien. Doch im so hitzigen fünften Satz schrie vor allem einer – Isner. Er musste wegen seiner Ausraster sogar einen Punktabzug hinnehmen. Kohlschreiber blieb während all dieser Tiraden völlig gelassen und freut sich nun auf den nächsten Gegner: Janko Tipsarevic kämpft nämlich in seiner Gewichtsklasse.

Damit ist in New York nur noch ein deutscher Profi im Einzel vertreten, denn Angelique Kerber verlor ihr Achtelfinale am Montag gegen Sara Errani 6:7 (5:7) und 3:6. Die Weltranglistensechste war schon in Paris bei den French Open gegen die Italienerin ausgeschieden. In dem von vielen langen Ballwechseln geprägten Match fehlte Kerber in den entscheidenen Phasen die notwendige Ruhe gegen die kämpferisch überlegene Gegnerin.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben