Sport : Fliegen mit der Brause

Red Bull Salzburg entlässt Stevens und Beiersdorfer

Markus Huber[Wien]

Der Zeitpunkt ist überraschend, das ja. Immerhin sind in der österreichischen Fußball-Bundesliga noch acht Partien zu spielen, das Team liegt auf Platz drei, fünf Punkte hinter Tabellenführer Austria Wien. Fünf Punkte bei neun ausstehenden Runden sind nicht sehr viel, nicht in dieser Liga, die in diesem Jahr so ausgeglichen ist wie lange nicht mehr, in der im Grunde – mit Ausnahme des Tabellenletzten Linz – jeder jeden schlagen kann.

Der Zeitpunkt für den Rausschmiss von Trainer und Sportdirektor ist also überraschend, aber sonst ist das, was am Donnerstagabend in Salzburg passierte, mittlerweile wohl business as usual. Der Mäzen Dietrich Mateschitz hat also Huub Stevens, den Trainer von Red Bull Salzburg, rausgeworfen. Es ist der fünfte Trainerrausschmiss, seitdem Mateschitz 2005 den Klub gekauft hat. Wenn man so will, gehört Stevens sogar zu den am längsten amtierenden Trainern in Salzburg – er hat es geschafft, fast zwei volle Spielzeiten im Amt zu bleiben.

Dass Mateschitz aber auch gleich den Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer entlassen hat, ist schon bemerkenswerter: Beiersdorfer, einst Manager des Hamburger SV, war nicht nur für Red Bull Salzburg zuständig, sondern für die gesamte Fußballsparte des Energy- Drink-Konzerns. Dazu gehören auch die Teams in New York und Leipzig sowie Fußballakademien in Brasilien und Ghana. Der Rauswurf von Beiersdorfer zeigt, dass Mateschitz mit der Entwicklung in der gesamten Fußballsparte unzufrieden ist. Ab Sommer soll ein neuer Sportdirektor kommen, gehandelt wird Alfred Hörtnagl, der gerade erst als Sportdirektor von Rapid Wien zurückgetreten ist.

Auch im sechsten Jahr seit der Übernahme des Vereins steht Salzburg international gesehen nirgendwo – die Qualifikation zur Champions League wurde bislang immer verpasst. Und auch in der Europa League hat Red Bull genau einmal die Gruppenphase überstanden, als es 2009/10 mit sechs Siegen die Gruppenphase gewann, dann aber gleich in der ersten K.-o.-Runde ausschied. In Leipzig, dem Verein, der laut ehrgeiziger Konzernpläne in Kürze die deutsche Bundesliga aufrollen soll, ist ebenfalls Sand im Getriebe – in dieser Saison wird der Durchmarsch aus der Vierten Liga wohl erstmals gestoppt, acht Spieltage vor Schluss liegt das Team zehn Punkte hinter einem Aufstiegsplatz zurück. Nun soll Peter Pacult bei RB Leipzig ab Sommer das Traineramt übernehmen. Und in New York, der Glitzerfiliale des Konzerns, wo Superstars wie Thiery Henry Werbung für die Dosen machen, verirren sich nur 13 000 Zuschauer zu den Spielen.

In Salzburg hat vorerst Techniktrainer Ricardo Moniz das Traineramt übernommen, ihm assistiert der frühere Berliner Bundesligaprofi Niko Kovac. Das erste Spiel unter neuer Leitung verlor der Klub gestern zu Hause trotzdem 0:1 – gegen den Letzten Linz.

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