Sport : Fliegende Hacken am Olympiastadion

Ch. H.

Wessen Sonntagsspaziergang gestern am Berliner Olympiastadion entlangführte, der wird sich vielleicht über die ungewöhnlichen Geräusche auf dem benachbarten Maifeld gewundert haben. Sollte er seiner Neugierde nachgegeben und die historische Sportstätte betreten haben, wird ihm die Erkenntnis ganz schnell gekommen sein. Raschelnde Jogginganzüge kündeten allenthalben vom 38. Berliner Cross-Country-Lauf. Mehr als 1000 Laufbegeisterte trieb es auf den rund 2 km langen Parcours, wobei offenbar viele das unerwartet angenehme Wetter noch kurzfristig zu einer Teilnahme bewog. "Wir haben dieses Jahr extrem viele Meldungen direkt vor dem Start", meinte eine der Damen an der Registration.

Von den Tribünen aus waren nur die Probleme mancher mit den vier Hindernissen auszumachen, obwohl die bedrohlich hohen Sandberge der Baustelle Olympiastadion nicht dazu zählten. Das Renngeschehen ließ sich ob der Menschenmenge, die sich über die Runden schlängelte, nur schwer überblicken. Das machte jedoch nichts weiter, still saß sowieso kaum jemand. Die Atmosphäre steckte auch die Schaulustigen an - selbst der obligatorische Gang zur Imbissbude wurde im Laufschritt absolviert. Fliegende Hacken, wohin man auch sah, sogar der Stadionsprecher passte sich dem geschäftigen Treiben an und kürte fast im Minutentakt die Besten der 17 Wettbewerbe.

Eine Urkunde und eine Anstecknadel bekam jedoch jeder Teilnehmer, also lassen Sie sich nicht von einem Bekannten auf diese Weise blenden. Wenn Sie wissen wollen, welchen Platz er wirklich belegt hat, können Sie sich auf www.berlin-marathon.com Gewissheit verschaffen, ob er nicht zu denjenigen gehörte, die sich nach einer Runde irgendwo hinter Bäumen versteckten, um auf der letzten Runde mit triumphaler Miene durchs Ziel zu spurten.

Nachdem alle Auszeichnungen vergeben worden waren, leerte sich das Maifeld in gleichem Maße wie sich das gegenüber liegende Olympiastadion in Erwartung der Fußball-Bundesligapartie zwischen Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach füllte. Einige hatten jedoch noch immer nicht genug und frönten weiter ihrer Leidenschaft vor den Toren der Wettkampfstätte. Manche freiwillig, andere, um die heraneilende S-Bahn noch zu erreichen.

Einige Ergebnisse seien noch nachgetragen: Bei den Männern gab es durch Michael Loth und Ingo Ortel über 8000 m einen Doppelerfolg für den gastgebenden SC Charlottenburg. Bei den Frauen siegte Carmen Siwert aus Rostock über 4000 m klar vor Kerstin Snigola (SSV Lichtenrade).

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