Sport : Fliegender Wechsel

Die Handball-Europameister sind zurück in der Bundesliga – und erleben ihre neue Popularität

Friedhard Teuffel

Magdeburg. Ein Handball-Europameister ist ganz leicht daran zu erkennen, dass er nicht zu erkennen ist. Weil lauter kleine und große Fans um ihn herum stehen und er den Kopf leicht gesenkt hat, um seine Unterschrift auf Bälle, Poster und Karten zu schreiben. So geht es Torsten Jansen nach dem ersten Spiel seit dem EM-Sieg in Slowenien. Es ist das Bundesligaspiel seines HSV Hamburg beim SC Magdeburg, und als die ganze Magdeburger Mannschaft längst in der Umkleidekabine verschwunden ist, steht Nationalspieler Jansen immer noch auf dem Feld und schreibt. „Ich bleibe hier, bis der Letzte alles bekommen hat“, sagt er und klingt dabei gar nicht wie ein gelangweilter Profi, sondern eher wie ein Handball-Gesandter.

Ein Handball-Europameister ist aber auch daran zu erkennen, dass er besonders müde ist. Torsten Jansen und sein Mannschaftskollege Pascal Hens werfen nur selten aufs Tor, Jansen macht aus einigen Versuchen drei Treffer, Hens nur einen. Ihr Trainer Bob Hanning lässt sie in der zweiten Halbzeit lange auf der Bank sitzen. Der Magdeburger Christian Schöne, der dritte Europameister auf dem Feld, bringt es immerhin auf vier Tore. Doch er hatte in Slowenien auch nicht gespielt. Vielleicht gewinnen die Magdeburger die Begegnung vor 7500 Zuschauern in der Bördelandhalle 32:27, weil ihre Spieler in Slowenien nicht so viel Kraft verloren haben. Stefan Kretzschmar zum Beispiel wirft gleich fünf Tore. Er hatte bei der EM wegen einer Verletzung nicht mitspielen können.

Die Europameister jedenfalls sind erschöpfte Helden. „Die Pause war zu kurz“, sagt Jansen. Sein Trainer Bob Hanning hat die Europameisterschaft als Kokommentator des DSF erlebt und sei am Sonntag nach dem Finale „super heiß aufs Training gewesen“. Für die Spieler sei die kurze Pause aber „eigentlich Raubbau am Körper. Ich könnte über dieses Thema zwei Stunden reden.“ Es werden zwei Minuten, in denen Hanning ein Gespräch mit einem Trainingswissenschaftler thesenartig wiedergibt. „Ich habe ihn gefragt, was man nun am besten machen kann. Er hat mir gesagt, dass ich regenerativ trainieren soll, die Spieler immer mal wieder ein paar Tage rauslassen soll. Und er hat gesagt, dass die Spieler längere Pausen brauchen.“

Doch gerade jetzt eine Pause? In der Halle ist zu spüren, dass die Nationalspieler etwas aus Slowenien mitgebracht haben an Ausstrahlung und Begeisterungsfähigkeit. Die Begrüßung der Magdeburger für Jansen und Hens ist fast genauso euphorisch wie die für Kretzschmar. Doch abseits des Feldes geht es um viel ernste Theorie. Wie die Spieler geschont werden können zum Beispiel, weil sie in einer Saison auf fast 80 Spiele kommen. Hanning schlägt vor, dass sich die Nationalspieler zusammenschließen und Druck auf die Verbände ausüben sollen.

Doch so schüchtern wie beispielsweise Jansen ist, wird man ihm kaum zutrauen, Druck auf jemand auszuüben. Reichlich verlegen ist er, als nach dem Spiel ein Mädchen auf einmal ihr T-Shirt ein Stück herunterzieht und ihm fordernd ihre Haut zeigt. Jansen stutzt ein bisschen und zeichnet dann das, was er überallhin sonst auch gezeichnet hat: seinen Namenszug und ein lachendes Gesicht. „Ich habe das mal irgendwo gesehen und glaube, dass es bei den Kleenen gut ankommt“, sagt er. „Autogramme und Medien, das sind die beiden Indikatoren für die Veränderung.“ Autogramme schreibt er reihenweise, auch auf Haut und einen Militärhelm. Was die Medienpräsenz betrifft, hat Jansen genau wie die Verantwortlichen des Deutschen Handball-Bundes eine klare Vorstellung. Sie wollen wieder ins öffentlich-rechtliche Fernsehen. Auch das ist ein Thema, über das Trainer Hanning sicher gerne zwei Stunden reden würde.

Aber irgendwann müssen die Hamburger aufbrechen in ihrem Mannschaftsbus, den der Klub für seine erste Überlandfahrt nach dem EM-Sieg verziert hat. „Pascal Hens und Torsten Jansen – Handball-Europameister 2004“ steht da jetzt in schwarzer Schrift drauf. Europameister sollen auch von weitem zu erkennen sein.

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