Sport : Flirt im Föhn

Die Trainerdebatte rückt beim FC Bayern in den Vordergrund

Daniel Pontzen

München. Frühlingsgefühle wecken unterschiedliche Begehrlichkeiten, jeder konnte das sehen dieser Tage an der Säbener Straße. Ungefiltert stachen die Sonnenstrahlen auf die Trainingsplätze von Bayern München, der Föhn wehte beinahe sommerliche Wärme in den Voralpenraum. In Oliver Kahn schien dies das große Verlangen zu erzeugen, wild Fußbälle in der Gegend umherzudreschen. Mit einem traf der Torwart die Scheibe der Vereinsgaststätte, ein anderer senkte sich auf den Wagen eines Kollegen, und beide Male grinste der Torwart danach, ihm schien das großen Spaß zu machen.

Die Leichtigkeit des Seins hat sich bei den Bayern ausgebreitet vor dem Spiel bei Hertha BSC in dieser ihnen unbekannten Situation: Ausgeschieden aus Champions League und Pokal, nahezu abgeschlagen in der Bundesliga, könnte dem FC Bayern eine Restsaison ohne Höhepunkte bevorstehen. Im sportlichen Nirvana dreht sich alles um Personalfragen, vor allem um die des Trainers.

Frühlingsgefühle sind dabei manchmal Gift für lang anhaltende Beziehungen, in der Verbindung von Bayern und Ottmar Hitzfeld lässt die Leidenschaft merklich nach. „Unsere Hoffnung ist, dass wir den Vertrag erfüllen“, hat Manager Uli Hoeneß dieser Tage bemerkt, so, als läge es in den Händen anderer, darüber zu entscheiden. Hitzfeld selbst denkt nicht daran, von sich aus Schluss zu machen. Ungeachtet dessen hat sich zwischen dem Klub und Felix Magath, dem potenziellen Nachfolger, ein recht hemmungslos geführter Flirt entfacht. „Bayern München ist mein Lieblingsverein“, schmachtete der Trainer des VfB Stuttgart, „es ist der bestgeführte Verein in Deutschland. Da haben drei Leute das Sagen, die früher gegen die Kugel getreten haben.“ Zuvor hatte schon Hoeneß Begehrlichkeiten angedeutet: „Ich gehe davon aus, dass Magath 2005 frei ist.“

Noch ist das alles weit weg, entsprechend uncharmant mag es einem vorkommen, wenn sogar der eigene Partner schon jetzt über Trennung spricht. Ottmar Hitzfeld freilich ist Selbstmitleid fremd, tapfer akzeptiert er, dass „Spekulationen in dem Geschäft normal sind“. Ob er sich denn vorstellen könne, dass Magath zu Bayern passt? Er hat ein bisschen empört geschaut, als er die Frage hörte. „Das ist zu viel verlangt, dass ich darauf auch noch eine Antwort gebe“, hat er dann gesagt.

Der Vorteil beim FC Bayern ist, dass die Gegenwart für den Trainer stets genug bereithält, um sich von der Zukunft abzulenken. So musste Hitzfeld die Kritik an Michael Ballack entschärfen, die Uli Hoeneß („Ballack hat damals nicht so gut gespielt, wie er gemacht wurde“) und Franz Beckenbauer („wie im Dauerlauf, ohne den Rhythmus zu wechseln“) vorgetragen hatten: „Es kann nicht sein, dass immer auf einen eingehackt wird.“ Die sportlichen Probleme nehmen sich bescheiden aus. Zwar verletzte sich Robert Kovac im Training und fällt gegen Hertha ebenso aus wie Claudio Pizarro und Martin Demichelis, doch ein Problem sieht Hitzfeld allenfalls darin, dass sich die Berliner zuletzt lautstark über angebliche Ungleichbehandlung beschwerten. „Ich hoffe, dass sich der Schiedsrichter von dieser Polemik nicht anstecken lässt“, sagte Hitzfeld.

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