Sport : Floyd Patterson ist tot

Hartmut Scherzer

Als Floyd Patterson 70 Jahre alt wurde, im Januar 2005, wurde nicht gefeiert. Die Boxlegende litt als mögliche Spätfolge seines Berufs an Gehirnschäden. Mit 60 hatte Patterson noch drahtig ausgesehen, als könnte er in den Ring steigen. Er betreute Adoptivsohn Tracy Patterson im Superbantamgewicht und führte die Geschäfte der New Yorker Boxbehörde. Doch 1998 trat der einstige Schwergewichtschampion als Chef der „New York State Athletic Commission“ zurück. „Ich kann kaum denken, wenn ich müde bin“, gestand er. „Manchmal kann ich mich nicht an den Namen meiner Frau erinnern.“ Patterson wusste auch nicht mehr, dass er 1956 im Kampf um den vakanten Weltmeistertitel Archie Moore besiegt hatte.

Patterson hat Boxgeschichte geschrieben. Mit 17 wurde er 1952 Olympiasieger im Mittelgewicht. Mit 21 Jahren, 10 Monaten und 26 Tagen eroberte er als bis dahin jüngster Schwergewichtler den WM-Titel. Sein „Jugendrekord“ wurde erst dreißig Jahre später von Mike Tyson übertroffen. Patterson brach auch als erster das Gesetz vom „they never comeback“ (Sie kehren nie zurück). 1960 schlug der entthronte Champion den schwedischen Weltmeister Ingemar Johansson in der Revanche k.o. und holte sich den Titel aller Titel zurück.

Mit nur 1,83 Metern und 88 Kilogramm war er für das Schwergewicht zu leicht. Darum versteckte er seinen Kopf zwischen den Fäusten und sprang seine Gegner mit blitzartigen Kombinationen an. „Peek-a-boo“ (Versteckspiel) wurde das genannt. Erst mit 37 Jahren, nach 64 Profikämpfen mit 55 Siegen, trat er zurück. Im letzten Kampf unterlag er 1972 durch k.o. einem anderen großen Champion, der im Alter von einer Nervenkrankheit gezeichnet ist: Muhammad Ali.

Am Donnerstagabend ist Floyd Patterson in seinem Haus in Brooklyn, New York, im Alter von 71 Jahren gestorben.

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