Sport : Flucht aus der Provinz

Trainer Uwe Rapolder wechselt von Arminia Bielefeld zum 1. FC Köln

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Bielefeld Uwe Rapolder, der Trainer von Arminia Bielefeld, hat zuletzt wenig Konkretes über seine berufliche Zukunft verlauten lassen. Nur eines hat er am Wochenende deutlich gesagt: „Mit Köln sind Sie völlig auf der falschen Spur.“ Richtig ernst genommen hat diese Aussage niemand. Zu Recht, wie sich nur drei Tage später erwiesen hat. Rapolder verlässt Bielefeld nach dieser Saison und wird neuer Trainer beim Aufsteiger 1. FC Köln.

Nachdem die Bielefelder fast ihre halbe Mannschaft verlieren, geht nun auch der Architekt eines Teams, das in dieser Saison zu den positiven Überraschungen in der Fußball-Bundesliga gehörte. Der Aufsteiger stand im Halbfinale des DFB-Pokals und konnte schon frühzeitig den Klassenverbleib sichern, darüber hinaus wurden die Bielefelder für ihren modernen Fußball gelobt, der vor allem Rapolders Handschrift trug. Doch neben dem besten Torschützen Delron Buckley verlässt auch Patrick Owomoyela die Arminia, der unter Rapolder zum Nationalspieler geworden ist.

„Es ist selten, dass man im Erfolgsfall geht“, sagte Rapolder zu seiner Entscheidung. „Aber nach all den Abgängen fehlte mir die Kraft, nochmals durchzustarten.“ Wer in Bielefeld neuer Trainer wird, ist noch offen. Im Gespräch sind Ernst Middendorp, Peter Neururer und Bruno Labbadia. Einfacher wird die Planung für die Arminen durch den Abgang Rapolders nicht. Nebosja Krupnikovic, der aus Hannover nach Bielefeld kommen soll, hat bereits erklärt, er fühle sich an den Vertrag mit Arminia nicht mehr gebunden.

In Köln wird Rapolder Nachfolger von Huub Stevens, der den Klub in die Bundesliga zurückgeführt hat, aus privaten Gründen aber nach Holland zurückkehrt. Rapolder erhält beim FC einen Einjahresvertrag mit der beidseitigen Option auf eine weitere Saison. Kölns Präsident Wolfgang Overath bezeichnete den 46-Jährigen als „unsere Wunschlösung“.

Dass Rapolder sich gegen Bielefeld entscheiden würde, war seit Wochen abzusehen. In einem Zeitungsinterview hatte er seine Sehnsucht geäußert, einen Verein zu trainieren, der regelmäßig vor 50 000 Zuschauern spielt. In Köln findet Rapolder nun ganz andere Bedingungen vor als in Bielefeld. Selbst in der Zweiten Liga hatte der FC einen Zuschauerschnitt von 38 000 Zuschauern – das ist der achtbeste in Deutschland. Zudem hatte Rapolder immer wieder gesagt, dass er das Leben in der Provinz satt habe: „Ich habe mit meiner Familie dreieinhalb Jahre in Ahlen gelebt.“Tsp

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