Sport : Flucht aus Frust

Warum Tim Montgomery in Berlin nicht startete

Frank Bachner

Das entscheidende Gespräch fand am Freitagabend gegen 22 Uhr 45 statt. Da telefonierte Askan Brehm, der Athletenverpflichter des Istaf, mit dem Manager von 100-m-Weltrekordler Tim Montgomery. Anschließend war klar: Der Weltklassesprinter würde nicht beim größten deutschen Leichtathletik-Meeting starten, weil er sich „in Ruhe auf die WM in Paris vorbereiten“ wolle. Im Jahnstadion warteten tausende Fans am Sonntag vergeblich auf den schnellsten Mann der Welt.

Stattdessen jettete Montgomery in die USA zurück. Eine Flucht aus Frust. Am Freitagabend war er noch in London gestartet, 10,13 Sekunden gelaufen und nicht mal ins Finale gekommen. Am Mittwoch, in Stockholm, hatte er sogar nur 10,39 Sekunden geschafft.

Die Istaf-Verantwortlichen hatten keinen schriftlichen Vertrag mit Montgomery. Aber dessen Manager hatte Istaf-Sportchef Schwarthoff mündlich zugesagt, dass der Weltrekordler über 100 m im Einzel starten werde. Auch ein Staffeleinsatz war geplant, so wollte es der US-Verband. „Allerdings sagte Montgomerys Manager auch, dass der Sprinter seinen Start in Berlin von den Ergebnissen von London und Stockholm abhängig machen werde“, sagt Istaf-Kommunikationschef Jürgen Scheunemann. Inwieweit die Istaf-Verantwortlichen diese Einschränkung zuvor schon öffentlich mitgeteilt hatten, ist jetzt umstritten.

Erste Unruhe kam bei Schwarthoff und Scheunemann auf, als sie am Freitagabend die Zeit Montgomerys in London erfuhren. „Da kam der Gedanke, dass wir mit ihm reden müssen“, sagte Scheunemann. Aber bis Samstagabend war alles offen. Noch bevor die letzte Maschine Richtung Berlin abhob, telefonierte ein Istaf-Verantwortlicher mit Montgomerys Manager. Auch zu diesem Zeitpunkt kam keine klare Antwort. Erst nach einem weiteren Telefonat wusste Schwarthoff, dass er den Finalplatz über 100 m an einen anderen vergeben musste.

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