Sport : Flucht zum Thron

Der Berliner Kubaner Yoan Pablo Hernandez kann heute Abend Box-Weltmeister im Cruisergewicht werden

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Berlin - Ulli Wegner krächzt. „Yoan hat nur in Prachtform eine reelle Siegchance.“ Dann dreht der 69 Jahre alte Berliner Boxtrainer sich seinem Schützling zu und schaut ihm tief in die Augen. Die gehören seit 26 Jahren zu Yoan Pablo Hernandez und dieser weiß, dass es nun ernst wird. Heute Abend (23.15 Uhr, ARD) will er Weltmeister werden im Cruisergewicht. Das ist das Limit zwischen Halbschwer- und Schwergewicht. In Neubrandenburg fordert Hernandez den Weltmeister nach IBF-Version, Steve „USS“ Cunningham (USA), heraus. „Wir wollen diesen Titel, wir brauchen den Erfolg. Dann ist Yoan der Mann, der leuchtet“, sagt Wegner.

Ulli Wegner hat schon manchen Weltmeister geformt. Sven Ottke etwa, oder Markus Bayer, die er schon bei den Amateuren erfolgreich betreute. Besonderen Ruhm aber brachte dem gebürtigen Stettiner Wegner ein, dass er in Arthur Abraham und Marco Huck zwei Champions hervorbrachte, die als Quereinsteiger bei ihm gelandet waren und keine klassische Boxausbildung genossen haben. Nun soll ihnen in Hernandez einer folgen, der allein wegen seiner Herkunft dafür prädestiniert ist. Hernandez ist Kubaner, er wurde dort jahrelang ausgebildet, ehe er sich 2005 in Deutschland von der kubanischen Staffel absetzte und dem Berliner Sauerland-Stall anschloss. Kubas Boxer gelten als die besten der Welt.

Solche Sätze hört Wegner nun gar nicht gern, weil auch er schon die Erfahrung gemacht hat, wie leicht es sich darauf ausruhen lässt. „Um gewinnen zu können, muss Yoan sein Leistungsvermögen ausreizen, sonst besitzt er nur Außenseiterchancen“, sagt Wegner. Im Frühjahr hatte Hernandez den Interims-Titel des Konkurrenzverbandes WBA gewonnen. Seitdem hat er nicht mehr geboxt, was Hernandez zwischendrin mächtig nervte. Das Vorhaben, den WBA-Champion Guillermo Jones (Panama) herauszufordern, zerschlug sich. Mal hatte Jones Gewichtsprobleme, mal fühlte er sich unpässlich. Das Management von Hernandez disponierte schließlich um. Jetzt also Cunningham.

Für Hernandez ist es vielleicht die schwerste Aufgabe. Der Amerikaner ist zwar schon 35 Jahre alt, aber nicht gewillt, seinen Titel zu verlieren. Der Mann aus Philadelphia hat gegen alle anderen derzeit amtierenden Cruisergewichtsweltmeister Siege gelandet. So gegen eben jenen Jones (WBA), gegen Krzysztof Wlodarczyk (WBC) und Marco Huck (WBO). Huck war Cunningham vor vier Jahren unterlegen, inzwischen aber hat sich Huck den WBO-Titel zurückgeholt. Cunninghams Kampfrekord steht bei 24 Siegen in 26 Kämpfen, 12 davon durch Knockout.

Ganz ähnlich sieht der von Hernandez aus. Der bringt es in 25 Kämpfen auf 24 Siege bei 13 Knockouts. „Steve ist ein harter Brocken, aber jeder Boxer hat eine Schwachstelle, die muss ich finden“, sagt Hernandez. Allerdings sollte er dabei nicht zu naiv und offensiv zu Werke gehen. Findet jedenfalls Wilfried Sauerland. Der 71 Jahre alte Manager, vor rund einem Jahr als zweiter Deutscher nach Max Schmeling in die „Hall of Fame“ des Boxens aufgenommen, hat diesen Kampf überhaupt erst möglich gemacht. Denn sowohl Hernandez als auch Cunningham werden von ihm gemanagt. Übrigens zählt auch Huck zum Berliner Sauerland-Stall. „Wir suchen stets die besten und logischsten Kämpfe. Das ist nicht immer schön, aber glaubwürdig“, sagt Sauerland. Für den Kampf am Samstag sieht er leichte Vorteile für Hernandez. „Seine Beweglichkeit, seine Schnelligkeit und seine gute Boxschule sprechen für sich. Ich denke, er hat eine gute Chance, Cunningham zu schlagen.“

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