Sport : Flug ins Glück

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Fliegen will der Mensch, daran hindern lässt er sich nur von fehlendem Enteisungsmittel. Oder ständig drehendem Wind bei der Vierschanzentournee. Dabei hat der Mensch seine Schanzen so gebaut, dass sie möglichst wenig anfällig für die Launen des Elements sind. Er hat allerlei Messgeräte erfunden, dank derer die Springer in der richtigen Sekunde bei vergleichbaren Bedingungen auf ihren Weg hinunter ins Tal geschickt werden sollen. Und er hat jetzt mathematische Regeln ersonnen, falls diese Bedingungen trotzdem nicht gleich sein sollten, um die trotz all seiner Anstrengungen ungleichen Leistungen schematisieren zu können.

Das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen hat gezeigt, dass dieses Unterfangen bis auf Weiteres aussichtslos ist. Was viele Wintersportler wissen, denn beim Langlauf kann sich die Loipe verändern, bei der Abfahrt kann das Licht wechseln. Es wird sich kaum ein Athlet finden, der das prinzipiell beklagt, die Herausforderung liegt ja auch darin, mit den Umständen fertig zu werden. Und wenn dies nicht gelingt, hat man im Kampf gegen etwas Größeres eben keine Chance gehabt.

Ein solcher Tag wie der in Garmisch-Partenkirchen wird dann unter der höheren Kategorie Glück abgebucht. Und das, weiß doch jeder, gleicht sich langfristig aus. Es gibt doch einen zweiten Durchgang, ein nächstes Springen, auf Dauer wird der Bessere gewinnen, er führt auch immer noch in der Gesamtwertung. Und siegt er doch nicht, hatte er eben großes Pech.

Das kann passieren, denn eine Vierschanzentournee dauert nicht lange. Es gibt keine Zeit zu warten, bis der Wind sich gelegt hat, alle Springer müssen wenigstens einmal runter, am nächsten Tag ist schon an einem anderen Ort die Qualifikation für das nächste Springen, das will ja auch übertragen sein. Das ist recht wenig Zeit, damit sich alles ausgleichen kann. Muss sich das Glück halt beeilen.

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