Sport : „Focus“ zahlt Entschädigung – Rafael hilft damit Hertha

Stefan Hermanns

Berlin - Der Fußball-Bundesligist Hertha BSC steckt Jahr für Jahr eine Menge Geld in seine Nachwuchsarbeit, fünf Millionen Euro sollen es pro Saison sein. Der Etat ist nun durch eine Spende außerplanmäßig entlastet worden. 7500 Euro gingen bei Hertha für die vereinseigene Nachwuchsakademie ein. Der Spender heißt Nando Rafael und ist Profi von Herthas Ligakonkurrent Borussia Mönchengladbach. „Das ist eine fantastische Geste von Nando“, sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß, „weil sie nicht selbstverständlich ist.“

Das Geld stammt aus einer Entschädigung, die Rafael vom Nachrichtenmagazin „Focus“ erhalten hat. Anfang 2005 hatte die Zeitschrift dem damaligen Profi von Hertha BSC eine Beteiligung am Wett- und Manipulationsskandal um den Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer unterstellt. „Das war eine unglaubliche Ungerechtigkeit“, sagte Hoeneß. Rafael, so hatte „Focus“ berichtet, sei ebenso wie die beiden anderen Hertha-Profis Josip Simunic und Alexander Madlung Gast im Café King gewesen, das von der Familie des Drahtziehers des Skandals betrieben wird. In Wirklichkeit kannte Rafael das Café gar nicht. Hertha schaltete einen Anwalt ein, der nun mit „Focus“ einen Vergleich geschlossen hat. Etwas mehr als 20 000 Euro erhielt Rafael. In den Fällen Madlung und Simunic verzichteten die Berliner auf einen Rechtsstreit mit dem Magazin, weil beide tatsächlich im Café King zu Gast gewesen waren. Der Vorwurf, dass sie am Wett- und Manipulationsskandal beteiligt waren, hat sich bei ihnen jedoch als ebenso haltlos erwiesen wie bei Nando Rafael.

Der gebürtige Angolaner hat den Berliner Klub im Januar dieses Jahres verlassen. Dass er Herthas Nachwuchsarbeit mit einer Spende bedacht hat, wertete Manager Hoeneß als Indiz dafür, dass Rafael „doch noch ein bisschen mehr als einen Koffer in Berlin hat“. Weitere 7500 Euro erhält das Norddeutsche Knochenmark-Register, den Rest bekommt Rafaels Onkel, der ihn Mitte der neunziger Jahre nach Holland brachte, nachdem seine Eltern im angolanischen Bürgerkrieg umgebracht worden waren. Als Rafael 2002 in den Niederlanden keine Aufenthaltsgenehmigung mehr bekam, verpflichtete Hertha BSC den Stürmer von Ajax Amsterdam. „Der Verein hat mir nach meinem Wechsel nach Deutschland einfach super geholfen“, sagt Rafael. „Mit der Spende wollte ich mich dafür bedanken.“

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