• Folge 12: Als die Nummer zehn den Laden hütete - Die Männerfeindschaft mit Jürgen Klinsmann

Sport : Folge 12: Als die Nummer zehn den Laden hütete - Die Männerfeindschaft mit Jürgen Klinsmann

Johannes Taubert

In diesem Frühjahr, derzeitiger Stand 8. März, verlässt Lothar Matthäus das Land. Nach 20 Jahren Wirkens auf Deutschlands Fußballfeldern ist alle Häme vergossen. Wir wollen noch einmal auf das Gesamtwerk des Mannes zurückkommen, der es vom fränkischen Raumausstatter zum Krösus fußballerischen Schaffens gebracht hat: in Herzogenaurach, Mönchengladbach, Bayern, Italien und, wenn der Fußball-Gott denn will, demnächst auch in den USA. Eine Erinnerung in noch nicht absehbar vielen Folgen.

In München regiert bekanntlich ein Kaiser, und so konnte Lothar Matthäus dort nur noch König werden. Immerhin von Kaisers Gnaden. Doch leider nur ein König im Angestelltenverhältnis. Das hat den Nachteil, dass man in seinem Reich nicht schalten und walten darf, wie man will, sondern weisungsgebunden ist.

Noch schlimmer aber ist, das man machtlos zusehen muss, wenn einem noch ein anderer König an die Seite gestellt wird. So geschehen, als Jürgen Klinsmann 1995 an der Säbener Straße Einzug hielt. Ausgerechnet sein Lieblingsfeind. Dieser blonde Engel mit einem Lächeln, dass jede Schwiegermutter gern sonntags an ihrem Esstisch sehen würde. Vor allem aber einer, dem die Fußballgötter (und nicht nur die) außerordentlich gewogen waren. So stand Lothar unverhofft oft wieder dort, wo er überhaupt nicht gern steht. Im Schatten. Ihm, dem kein Mikrofonstrauß zu klein oder zu weit weg war, litt fortan nicht nur unter Aufmerksamkeitsentzug der Fragensteller. Auch die Fans kauften massenhaft das Trikot mit der Nummer 18, derweil die Zehn den Laden hütete. Das war sie nicht gewohnt. Und schön war es auch nicht.

Der freiheitsliebende Schwabe und der weißbierliebende Franke, eine Männerfeindschaft, wie sie im Buche steht. Und eine mit Vorgeschichte. "Wir sind gegensätzliche Typen und haben verschiedene Charaktere", lautet noch die friedlichste Umschreibung aus dem Munde Klinsmanns. Da einer, der immer erst nachdenkt, bevor er was sagt, wenn er denn überhaupt etwas sagt. Dort jener, der sehr gern redet und dann den einen oder anderen Gedanken nachreichen muss, respektive einen gleich aus seinem Füllhorn mit Fußballfloskeln zuschwallt. Hier der weltläufige, polyglotte Stürmer, der über den Fußballrand hinauszuschauen verstand, gleichwohl stets die cleversten Verträge für sich aushandelte. Dort der bodenständige CSU-Wähler, der beständig in selbst aufgestellte Fettnäpfchen hüpfte und sein Gastspiel im fremden Mailand nur in Begleitung eines gewissen Andreas Brehme überlebte, was wiederum kaum jemand anderes geschafft hätte.

Auch in Mailand spielten Matthäus und Klinsmann in einer Mannschaft, und bereits damals waren sie einander in inniger Abneigung verbunden. Zum Glück hatten ihre Reviere nur eine geringe gemeinsame Schnittmenge. Der "Warmduscher" trieb sich überwiegend vorne rum, Matthäus weiter hinten. So krachten die Geweihe nicht allzu oft aneinander. Mindestens nicht auf dem Platz. Außerhalb ging man sich ohnehin aus dem Wege, eine ganze Zeit sogar europaweit, aber schließlich erbte Klinsmann auch noch die Kapitänsbinde in der Nationalmannschaft von Lothar Mattäus, der mehr oder weniger unehrenhaft aus dem Nationalteam verbannt worden war. Klinsmann wurde 1996 noch mal Europameister, und Lothar musste draußen bleiben.

Doch wer zuletzt lacht, lacht am besten. Lothar wird mit fast 40 Jahren im Sommer noch mal bei einer Europameisterschaft auflaufen. Klinsmann, 35, sitzt seit zwei Jahren in Kalifornien, und man weiß nicht so genau, was er da macht. Vielleicht weiß er das selbst ja auch nicht. Matthäus folgt ihm nach Amerika und kickt ab März für die Metro Stars in New York, was im Grunde auf das gleiche hinausläuft.

Kurios bei dieser langjährigen Fußballfeindschaft der beiden ist deren Erfolg. Trotz allem sind sie miteinander Weltmeister geworden, Italienischer und Deutscher Meister, Uefa-Cup-Sieger. Da bezweifle noch einer die integrative Kraft des Sports. So schön kann Fußball sein.Nächsten Dienstag: Der playing Teamchef

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